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Stromtankstellen: Ein Überblick

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

07.06.2021

Letztes Update

13.06.2022

Stromtankstellen im Überblick

Der Run auf Elektromobilität ist ungebrochen, aber gibt es überhaupt genug Stromtankstellen? Wo du sie findest und worauf du achten solltest, erfährst du in diesem Beitrag.

Inhalt des Blogartikels

Keine Elektroautos ohne Stromtankstellen

Am 1. Januar 2021 waren rund 309.100 Elektroautos in Deutschland zugelassen. Somit ist der Bestand im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 126 Prozent gewachsen. Elektroautos kannst du nur an ungefähr 32.000 öffentlichen Ladepunkten (Stand November 2020) aufladen. Das ist bei weitem noch nicht genug.

Das komplette Aufladen eines Stromers dauert je nach Art der Ladesäule zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden. Der Ladevorgang ist also mit langen Wartezeiten verbunden. Während du dein Elektroauto lädst, steht der jeweilige Ladepunkt anderen nicht zur Verfügung. Gerade auf der Langstrecke ist das ein Problem. Schließlich steht bei aller Freude am schadstofffreien Fahren immer auch die Sorge im Vordergrund, wann und wo das Elektrofahrzeug aufgeladen werden kann. Denn selbst eine gute Reichweite des Elektroautos nutzt nichts, wenn keine Stromtankstelle in der Nähe ist oder der Ladeanschluss und das Bezahlsystem der Ladesäule nicht passen.

Um dem entgegenzuwirken und ein kurzes Laden zwischendurch zu ermöglichen, sind viele einheitliche Stromtankstellen und ein gut ausgebautes Ladenetz nötig.

 

Was genau ist eigentlich eine Stromtankstelle?

Der Begriff Stromtankstelle ist eine umgangssprachliche Beschreibung für Ladesäulen, an denen du Elektroautos – meist gegen Bezahlung – aufladen kannst. Es gibt öffentlich zugängliche und private Ladestationen. Dabei kann es sich um nur eine Ladesäule mit 2 oder 3 Ladepunkten oder mehrere Ladesäulen handeln. Es gibt auch sogenannte nicht-öffentlich zugängliche Stromtankstellen, beispielsweise auf Firmengeländen für die Angestellten und/oder für die elektrische Fahrzeugflotte. Hinzu kommen kostenlose Ladesäulen vor Super- und Baumärkten, die im Zuge der Kundenbindung ihren Kunden während der Verweildauer ein Aufladen ermöglichen. Selbst die Wallbox in deiner Garage ist letztlich eine Stromtankstelle.

Beim Begriff Tankstelle hast sicher auch du ein ganz spezielles Bild vor Augen. Damit hat die Stromtankstelle derzeit nichts gemein. Das kann sich in Zukunft aber ändern. So entsteht aktuell an der A8 bei Zusmarshausen nahe Augsburg eine der größten Stromtankstellen mit zunächst 60 Ladepunkten. In einem dazugehörigen „Innovationspark“ gibt es Cafés, Geschäfte und Büros. Dort kannst du dir die Wartezeit beispielsweise mit essen oder einkaufen vertreiben. Die Anlage soll noch 2021 in Betrieb gehen. Das Vorhaben wurde aus dem Bundesprogramm Ladeinfrastruktur des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.

1.000 Schnellladehubs sollen bundesweit bis 2023 entstehen

Das Ministerium hat in einer Pressemitteilung vom 21. Mai 2021 verkündet, dass das Schnellladegesetz (SchnellLG) – das Gesetz über die Bereitstellung flächendeckender Schnellladeinfrastruktur für reine Batterieelektrofahrzeuge – vom Bundestag verabschiedet worden ist.

Demnach sollen 1.000 zusätzliche Schnellladehubs ein engmaschiges Ladenetz mit Schnellladesäulen bereitstellen, um die Nachfrage bei steigenden Zulassungszahlen auch zu Spitzenzeiten an Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen und an bislang eher unwirtschaftlichen Standorten zuverlässig zu gewährleisten.

Das BMVI hat für den Aufbau und Betrieb der Schnellladeinfrastruktur rund 2 Milliarden Euro vorgesehen. Das SchnellLG sieht mehrere tausend Schnellladesäulen vor. Im Sommer 2021 soll für interessierte Firmen die erste Ausschreibung starten. Ausgeschrieben wird eine HPC-Ladeinfrastruktur (HPC = High Power Charging), die an den jeweiligen Ladepunkten eine Leistung von mindestens 150 Kilowatt zur Verfügung stellt.

Ladesäule ist nicht gleich Ladesäule

Wie bei herkömmlichen Fahrzeugen auch, solltest du darauf achten, dass du den richtigen „Kraftstoff“ tankst. Um teure Folgeschäden zu verhindern, gibt es für Benziner und Dieselfahrzeuge spezielle Einfüllstutzen.  Ladesäulen unterscheiden sich dahingehen, dass die einen Wechselstrom (AC) abgeben und andere Gleichstrom (DC) bereitstellen.

Das ist insofern von Bedeutung, weil die Akkus normalerweise Gleichstrom speichern. Ein Normalladepunkt stellt jedoch Wechselstrom mit einer Ladeleistung von 3,7 bis 22 Kilowatt zur Verfügung und muss daher in Gleichstrom umgewandelt werden. Das sowie das Aufladen des Elektroauto-Akkus übernimmt in diesem Fall das Ladegerät des Elektroautos.

Alle Ladepunkte mit einer Mindestleistung von 40 bis 50 Kilowatt zählen als Schnellladestation. Eine Schnellladestation – DC-Lader – übernimmt die Umwandlung in Gleichstrom und ermöglicht somit das sehr schnelle Aufladen. In der Schnellladestation ist dazu ein Gleichrichter integriert, der den Strom umwandelt und direkt in die Elektroauto-Batterie lädt. Es gibt einen kleinen Nachteil: Gleichstrom-Ladesäulen sind wesentlich teurer.    

Die Ladesäule: Das Herzstück der Stromtankstelle

Anders als private Ladestationen sind öffentliche Ladesäulen um einiges aufwendiger aufgebaut. Schließlich müssen sie Wind und Wetter standhalten und die Vorgaben der Ladesäulenverordnung (LSV) erfüllen. Folgende technischen Mindestanforderungen stellt die LSV an öffentlich zugängliche Ladepunkte:

  • Beim Aufbau von Normalladepunkten, an denen das AC-Laden möglich ist, muss jeder Ladepunkt mindestens mit Steckdosen oder mit Steckdosen und Fahrzeugkupplungen –jeweils des Typs 2 gemäß Norm DIN EN 62196-2, Ausgabe Dezember 2014 – ausgerüstet sein.
  • Bei Schnellladesäulen, die das Wechselstromladen ermöglichen, muss jeder Ladepunkt mindestens über Kupplungen des Typs 2 gemäß der Norm DIN EN 62196-2, Ausgabe Dezember 2014, verfügen.
  • Beim Aufbau von Normal- und Schnellladepunkten, mit der Möglichkeit Gleichstrom zu laden, muss jeder Ladepunkt mindestens mit Kupplungen des Typs Combo 2 gemäß der Norm DIN EN 62196-3, Ausgabe Juli 2012, ausgestattet sein.  

 

Der passende Ladestecker sorgt für die richtige Verbindung

Wie schnell du dein Elektroauto laden kannst, hängt nicht nur vom Fahrzeug selbst, sondern auch von der Art des Anschlusses und Ladesystems ab. Leider sind Ladesäulen in Deutschland noch nicht überall einheitlich installiert.

Aus diesem Grund haben die Fahrzeughersteller, die Bundesregierung und die Europäische Union vor einigen Jahren Standardsteckverbindungen festgelegt. Alle in Europa neu installierten Ladesäulen müssen seitdem mindestens mit einem Typ-2-Stecker ausgestattet sein. Diese Steckervariante wurde für das Laden mit Wechselstrom entwickelt. Du kannst entweder einphasig mit einer Ladestärke von 7,4 Kilowatt oder dreiphasig mit bis zu 43 Kilowatt die Batterie deines Elektroautos an der Stromtankstelle aufladen.

Das Combined Charging System (CCS) mit dem Combo-2-Stecker wurde für Deutschland als Standard definiert. Dabei handelt es sich grundsätzlich auch um einen Typ-2-Stecker, allerdings besitzt er 2 zusätzliche Gleichstrom-Steckerpole. Das macht insofern Sinn, weil die meisten Ladesäulen bei uns über diese Standardsteckverbindung verfügen. Grundsätzlich kannst du also deinen Stromer an jedem Ladepunkt aufladen, auch an Schnellladestationen. Mit dem Gleichstrom-Schnellladesystem CHAdeMO-Anschluss (CHArge de Move) sind vorwiegend Elektrofahrzeuge aus Asien ausgestattet. Um an allen Ladesäulen Strom tanken zu können, benötigst du hier einen Adapter mit Typ-2-Stecker.

Nach der geänderten Ladesäulenverordnung vom Mai 2021 sind auch Normalladepunkte (bis 22 Kilowatt) zugelassen, die ausschließlich über ein fest angebrachtes Ladekabel verfügen. Du benötigst dann kein eigenes Ladekabel, sondern kannst sofort mit dem Ladevorgang beginnen.

 

Tankstellen für Strom in deiner Nähe

Das Navigationsgerät der meisten Elektroautos besitzt eine entsprechende Suchfunktion. Regelmäßige Updates sind wichtig, denn auch Stromtankstellen werden stillgelegt oder an einen anderen Standort verlegt.

Zudem gibt es im Internet diverse Portale, die dir zeigen, wo du die nächste Ladesäule findest. Einige zeigen sogar an, ob die Ladesäule gerade frei oder besetzt ist. Dafür kannst du auch eine Ladesäulen-App nutzen.

 

Mögliche Bezahlsysteme

Um eine öffentliche Ladesäule freizuschalten, gibt es meist spezielle Ladekarten vom Betreiber. Darüber hinaus stehen dir meist noch folgende Bezahlsysteme von Ladesäulen zur Verfügung:

  • Bargeld,
  • Scheckkarte wie Prepaid-, Giro- oder Kreditkarte oder
  • das Bezahlen mittels App über einen QR-Code.

Noch ist das Bezahlen teilweise recht unübersichtlich.  Die novellierte Ladesäulenverordnung sieht vor, dass in naher Zukunft Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte einen kontaktlosen Zahlungsvorgang mittels gängiger Kredit- und Debitkarte anbieten muss. Dies betrifft alle Ladesäulen, die ab dem 1. Juli 2023 erstmalig in Betrieb gehen. Eine Nachrüstpflicht bestehender Ladesäulen gibt es jedoch nicht.  Bereits gesetzlich vorgeschrieben ist, dass an jeder Ladestation das sogenannte „Ad-hoc-Laden“ möglich sein muss. Dazu brauchst du dein Smartphone und deine Kreditkarte.  

 

Öffentliche oder private Stromtankstelle?

Wenn du zu Hause lädst, hast du keinen Zeitdruck. Dann kannst du deinen Stromer beispielsweise immer dann laden, wenn die Photovoltaikanlage reichlich Überschussstrom produziert. Dazu brauchst du kein teures Schnellladesystem. Es genügt eine eigene Wallbox in der Garage. Bist du jedoch viel unterwegs und legst auch lange Strecken mit deinem Elektroauto zurück, dann bist du auf eine gut ausgebaute Infrastruktur von Stromtankstellen angewiesen.

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