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Sind Erdgasautos umweltfreundlich?

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

20.09.2021

Letztes Update

17.01.2022

Sind Erdgasautos umweltfreundlich?

Derzeit liegt der Fokus auf einer schnellen Verbreitung von Elektroautos. Doch können auch Verbrenner mit Erdgas als Treibstoff eine gute Umweltbilanz haben?

Inhalt des Blogartikels

Das Erdgasauto: Eine saubere Alternative?

Bei Verbrennerfahrzeugen sind zwei Treibstoffe gebräuchlich, die unter Normaltemperatur und -druck gasförmig sind. Sie sind unter den Abkürzungen CNG beziehungsweise LPG bekannt. Die beiden solltest du keinesfalls verwechseln.

Unterschied zwischen CNG und LPG

CNG (Compressed Natural Gas) wird aus unterirdischen Lagerstätten gefördert und ohne aufwändige Verarbeitungsschritte als Brenn- oder Treibstoff verwendet. Vom Gewinnungsort leitet sich die bekannte Bezeichnung Erdgas ab. Für die Lagerung erfolgt unter Druck eine Verflüssigung. Erdgas besteht zu circa 85 Prozent aus Methan. Neben Kohlendioxid und Stickstoff sind auch Beimengungen aus Propan, Butan und Helium enthalten. Erdgas ist leichter als Luft und verflüchtigt sich bei Undichtigkeiten von Tanks und Leitungen nach oben in die Atmosphäre. Aus diesem Grund darfst du Erdgasfahrzeuge in Tiefgaragen parken.

LPG (Liquified Petroleum Gas), Flüssiggas oder Autogas ist ein Nebenprodukt der Raffinierung von Erdöl. Es besteht zu einem großen Teil aus Propan und Butan. Das Gemisch ist schwerer als Luft und sammelt sich daher bei Leckagen unterhalb der Austrittsstelle. Dadurch entsteht die Gefahr von Erstickung und Explosion. Deshalb ist es streng verboten, mit einem LPG-Fahrzeug eine Tiefgarage zu benutzen. Der Energiegehalt der beiden Treibstoffe unterscheidet sich ebenfalls. Während CNG in dieser Hinsicht einem Hochleistungsbenzin mit 130 Oktan entspricht, liegt LPG bei etwa 110 Oktan. Ein CNG-Fahrzeug darf kein LPG tanken und umgekehrt.

Unterschied zwischen H-Gas und L-Gas

In Deutschland findest du derzeit noch zwei Qualitäten von Erdgas im Angebot. L-Gas (Low Calorific Gas) hat einen niedrigeren Methan- und damit Energiegehalt. Es stammt aus deutschen und niederländischen Lagerstätten. Doch die Fördermengen sinken. Deshalb wird in allen betroffenen deutschen Versorgungsgebieten bis 2030 auf H-Gas (High Calorific Gas) mit einem höheren Methangehalt umgestellt. Die Umstellung ist jedoch nur für die Verbraucher relevant, die Erdgas im Haushalt nutzen. Denn Geräte wie Gasthermen oder Gaskessel müssen an das energiereichere H-Gas angepasst werden. Als Fahrer von einem Erdgasauto bist du nicht betroffen.

Fahrzeuge mit Erdgas als Treibstoff können beide Qualitäten nutzen. Durch den höheren Energiegehalt kommst du mit einer Tankfüllung H-Gas etliche Kilometer weiter als mit der gleichen Menge L-Gas. Daher ist H-Gas etwas teurer. Die Tankstellen sind dazu verpflichtet, an den Tanksäulen die Gasqualität anzugeben.

 

Die Ökobilanz im Vergleich zu anderen Energieträgern

Ein Erdgasauto emittiert etwa 25 Prozent weniger klimaschädliches CO2 Treibhausgas als Benzinfahrzeuge. Bei Stickoxiden aus Dieselantrieben glänzt ein Erdgasmotor mit rund 96 Prozent geringeren Emissionen. Noch besser sieht es in Bezug auf Feinstaub aus. Hier liegt der Ausstoß nahe Null. Die extra auf den Treibstoff CNG optimierten modernen Erdgasautos unterschreiten die Grenzwerte der aktuellen Abgasnorm EURO-6 sehr deutlich. Von daher hast du keine Probleme beim Befahren von Innenstädten mit einem CNG-Fahrzeug.

Schon heute ist es üblich, dass das CNG eine Beimischung von bis zu 20 Prozent Biogas enthält. Biogas wird aus pflanzlichen Abfällen gewonnen und besteht ebenfalls zum größten Teil aus Methan. Das Mischen von CNG und Biogas ist deshalb in einem beliebigen Verhältnis möglich. Je höher der Biogas-Anteil, desto geringer der CO2-Ausstoß vom Erdgas. Natürlich entsteht auch bei der Verbrennung von Biogas das Treibhausgas CO2. Aber jeweils nur so viel, wie die ursprüngliche Pflanze während ihres Lebens aufgenommen hat. Es wird also kein zusätzliches Kohlendioxid produziert, das vorher noch nicht in der Natur war. Biogas gilt aus dieser Überlegung heraus als klimaneutral, so wie auch der Brennstoff Holz.

Einflussfaktoren auf die Ökobilanz von Erdgasautos

Die Ökobilanz eines technischen Gerätes betrachtet, welche Umweltschadstoffe bei der Produktion entstehen sowie die Verursachung von Umweltschäden durch den Betrieb des Gerätes. Die Produktion eines Erdgasautos verwendet grundsätzlich keine anderen Technologien und Materialien als die Herstellung von klassischen Benzin- und Dieselfahrzeugen. Es ist auch nicht absehbar, dass durch erhebliche Veränderungen im Produktionsprozess die Herstellung umweltfreundlicher erfolgen kann.

Im Rahmen der Nutzung der Fahrzeuge ist es jedoch möglich, mit Biogas als Treibstoff umweltfreundlicher zu fahren. Technisch ist ein Erdgasauto in der Lage, ausschließlich mit Biogas zu fahren. Das würde die Emissionen von CO2 gegenüber Benzinern um etwa 97% senken. In dem Zusammenhang lohnt es sich, einen Blick auf synthetisches Gas zu werfen. Seit einiger Zeit gibt es Bemühungen, überschüssigen Strom aus regenerativen Quellen (Windkraft, Solarthermie) im sogenannten Power-to-Gas-Verfahren zu speichern. Meist wird dabei mittels Elektrolyse Wasserstoff hergestellt. Es ist aber auch möglich, stattdessen Methan zu produzieren, das dann als Treibstoff in Erdgasautos verwendbar ist. Insofern können Erdgasautos sogar einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

 

Fazit: Wie steht es nun um die Ökobilanz von Erdgasautos?

Erdgas ist ein fossiler Treibstoff, wie Diesel und Benzin auch. Dennoch ist es umweltfreundlicher. Das fängt schon mit der vergleichsweise einfachen Gewinnung ohne energieintensive Verarbeitungsstufen an — geltend für konventionelle Lagerstätten. Bei der Förderung von Erdgas durch Fracking können wiederum sehr große Umweltschäden auftreten.

Außerdem positiv ist die erheblich geringere Ausscheidung von Schadstoffen, bei der Nutzung von Erdgas als Treibstoff für Kraftfahrzeuge. Und dass die guten Schadstoffwerte mit einem geringeren technischen Aufwand erreichbar sind als bei Diesel und Benzinern. Dass Biogas mit CNG mischbar ist oder das Erdgas auch komplett ersetzen kann, ist ein weiterer Beleg für die Umweltfreundlichkeit dieser Antriebsart. Bei der Nutzung von Biogas entsteht kein zusätzliches CO2. Schließlich kommt dem Erdgasantrieb auch eine steigende Bedeutung bei der Energiewende zu. Mit dem Power-to-Gas-Verfahren lässt sich mit überschüssigem Ökostrom nicht nur Wasserstoff, sondern auch Methan synthetisieren. Das Methan steht dann als Treibstoff für Erdgasautos zur Verfügung, die über diesen Umweg mit Ökostrom fahren.

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