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Tipps für den Kauf von gebrauchten Erdgasautos

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

17.11.2021

Letztes Update

17.01.2022

Lohnt es, ein Erdgas Auto gebraucht zu kaufen?

Das Angebot an Neuwagen ist sehr dünn. Derzeit stellt nur noch der VW-Konzern neue Erdgasfahrzeuge her. Hier erfährst du, ob der Gebrauchtwagenkauf eines Erdgasautos eine interessante Alternative ist.

Inhalt des Blogartikels

Was ist ein Erdgasauto?

Ein Erdgasauto ist ein Fahrzeug mit einem Verbrennermotor, ähnlich einem Benziner. Die technischen Funktionsprinzipien gleichen sich. Allerdings verwendet das Erdgasfahrzeug Erdgas als Treibstoff.

Erdgas wird aus unterirdischen Lagerstätten gewonnen und besteht zu einem sehr hohen Anteil aus Methan. Bei seiner Verbrennung im Motor entsteht CO2, wie bei einem Benzinfahrzeug. Aber der Anteil an den Abgasen ist geringer. Der Erdgasmotor ist damit umweltfreundlicher.

Das Erdgas wird mit dem Kürzel CNG (Compressed Natural Gas) bezeichnet. Du kannst es normal an Tankstellen tanken, die ein Hinweisschild mit dieser Bezeichnung tragen. Das Gas steht unter Druck. Trotzdem ist der Tankvorgang nicht anders, als bei den üblichen Flüssigtreibstoffen Benzin und Diesel. Allerdings verriegelt die Füllpistole zu Beginn des Tankvorgangs und entriegelt erst wieder, wenn der Vorgang beendet ist.

Die komplette Treibstoffanlage inklusive Tank ist eine Druckanlage und muss regelmäßig von entsprechend ausgebildeten Fachkräften geprüft werden. Die Prüfung ist in den Fahrzeugpapieren nachzuweisen.

Ein Erdgasauto besitzt auch einen Benzintank, da der Motor mit Benzin gestartet wird. Erst im Anschluss wird auf Erdgasbetrieb umgeschaltet. Solche Fahrzeuge werden als monovalent bezeichnet, weil sie nur einen Kraftstoff zum Fahren nutzen. Es gibt auch bivalente Fahrzeuge. Sie besitzen einen größeren Benzintank und können beide Kraftstoffe gleichwertig zum Fahren nutzen.

Da sich Benzin- und CNG-Motor nahezu gleichen, ist die Umrüstung eines Benziners zu einem Erdgasauto problemlos möglich. Bei einem Dieselmotor funktioniert das nicht. Der Dieselmotor ist ein sogenannter Selbstzünder. Er benötigt keine Zündkerzen, die aber beim Erdgasantrieb notwendig sind.

Es existiert noch ein weiterer gasförmiger Kraftstoff, das LPG (Liquid Petroleum Gas) oder Autogas. CNG und LPG darfst du nicht verwechseln. Sie unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und können nicht als Alternative des jeweils anderen Treibstoffs verwendet werden.

 

Worauf solltest du beim Kauf eines gebrauchten Erdgasautos achten?

Es gibt keine großen Unterschiede beim Gebrauchtwagenkauf von Benziner oder Erdgasauto. Bis auf den verwendeten Kraftstoff sind die Fahrzeuge sehr ähnlich. Du solltest darauf achten, dass das Auto regelmäßig zur Wartung und Durchsicht in der Werkstatt war und keine offensichtlichen Mängel aufweist. Ein Blick ins Serviceheft hilft weiter. Natürlich sollte es eine gültige TÜV-Plakette besitzen.

Ob es fahrtechnisch in Ordnung ist, kannst du am besten nach einer Probefahrt beurteilen. Wenn du einen Freund hast, der sich mit Kraftfahrzeugen auskennt, dann nimm ihn am besten zur Besichtigung des Gebrauchtwagens mit. Hilfreich ist auch der jährliche Mängelreport des TÜV. Hier erfährst du, welche Fahrzeugtypen welche charakteristischen Mängel bei der TÜV-Prüfung haben und kannst speziell auf solche Probleme achten.

Eine Besonderheit stellt allerdings die Kraftstoffanlage dar. Da es sich um ein Drucksystem handelt, muss es in bestimmten Abständen von entsprechend ausgebildeten Experten untersucht werden. Lass dir daher die Prüfprotokolle vorlegen.

 

Gibt es Zuschüsse oder Förderungen für den Kauf von gebrauchten Erdgasautos?

Von staatlicher Seite gibt es keine Zuschüsse für den Kauf gebrauchter Erdgasfahrzeuge. Aber einige Kommunen und regionale Gasversorger bieten Förderprogramme an. Das können direkte finanzielle Mittel oder auch Tankgutscheine sein. Informiere dich daher vor einem Kauf über die Möglichkeiten in deiner Region.

Ein Beispiel einer solchen Förderung ist das Programm des Energieversorgers ZVO Energie GmbH in der Region Holstein. Das Unternehmen reicht beim Kauf eines gebrauchten Erdgasautos einen Tankgutschein in Höhe von 250 EUR aus. Allerdings darf das Fahrzeug nicht schon früher eine Förderung erhalten haben.

 

Vorteile Erdgasautos

Geringerer Verbrauch

Bei CNG wird die getankte Menge in Kilogramm ausgewiesen. Ein Kilogramm CNG enthält etwa die 1,5-fache Energiemenge im Vergleich zu Benzin. Du musst also weniger tanken bzw. kommst auf eine größere Reichweite. Das hängt natürlich auch von der Größe des eingebauten Tanks ab.

Geringere Treibstoffkosten

Darüber hinaus ist CNG an der Tankstelle nach wie vor billiger, als Benzin und Diesel. Hintergrund sind die niedrigeren Produktionskosten. Erdgas kann im Prinzip so verwendet werden, wie es aus der Erde kommt. Benzin und Diesel entstehen erst bei der Verarbeitung von Erdöl.

Steuervergünstigung auf den Kraftstoff

Einen Einfluss auf den Preis hat auch die Energiesteuer, die bei Kraftstoffen zum Tragen kommt. CNG hat noch bis Ende 2023 einen Vorteil von 0,20 EUR pro Kilogramm.

Ein weiterer Vorteil ist die sehr geringe Kfz-Steuer, die auf Erdgasfahrzeuge erhoben wird. Sie liegt zwischen 20 EUR und 84 EUR pro Jahr.

Doch leider wird ab 01.01.2024 der Steuervorteil für Erdgas als Kraftstoff schrittweise abgebaut. Ende 2026 läuft diese Förderung komplett aus.

Niedrigere Kfz-Steuer

Bei der Kfz-Steuer sieht es günstiger aus. Derzeit wird die Kfz-Steuer nach dem verwendeten Treibstoff, die Hubraumgröße und den CO2-Ausstoß bemessen. Da Erdgasfahrzeuge weniger CO2 ausstoßen als Benziner und Dieselfahrzeuge, bleibt die Kfz-Steuer weiter vergleichsweise günstig.

Umweltfreundlicher als Benzin und Diesel

Wir haben schon festgestellt, dass die CO2-Emission bei einem CNG-Motor geringer ausfällt, als bei Benzin und Diesel. Diesen Vorteil kann man sogar noch weiter ausbauen. Sogenanntes Biomethan entsteht bei der Vergärung land- und forstwirtschaftlicher Abfälle. Bei seiner Verbrennung entsteht nur so viel CO2, wie die Pflanzen vorher aufgenommen haben. Es entsteht also kein zusätzliches CO2.

CNG und Biomethan lassen sich problemlos mischen. Schon heute enthält das an Tankstellen angebotene CNG einen Anteil an Biomethan. Etwa ein Drittel aller CNG-Tankstellen bietet bereits 100% Biomethan als CNG an. Damit fährt das Erdgasauto nahezu klimaneutral.

Vorteil gegenüber Autogas

Methan ist leicht flüchtig. Da CNG zu weit über 90% aus Methan besteht, hat es die gleiche Eigenschaft. Sollten das Kraftstoffsystem an einem CNG-Fahrzeug ein Leck haben, verflüchtigt sich das Gas augenblicklich in die Atmosphäre. Es verbleibt nicht beim Fahrzeug und bildet kein explosionsfähiges Gemisch mit dem Luftsauerstoff.

Autogas besteht jedoch überwiegend aus den schwereren Gasen Propan und Butan. Wenn Autogas ausströmt, sammelt es sich auf dem Boden und bildet einen nicht flüchtigen See. Es besteht Explosions- und Erstickungsgefahr. Aus diesen Gründen dürfen Erdgasautos in Tiefgaragen parken und LPG-Autos nicht.

 

Fazit

Im Moment lohnt es sich durchaus, ein gebrauchtes Erdgasfahrzeug zu kaufen. Der Kaufpreis ist auf jeden Fall günstiger als bei einem Neuwagen. Die Kfz-Steuer ist niedriger, als bei Benziner und Diesel. Auch bei den Kosten für den Kraftstoff gibt es Vorteile.

Diese relativieren sich zwar in den kommenden Jahren. Trotzdem gibt es noch den Vorteil des geringeren Treibstoffverbrauchs. Außerdem ist jetzt noch nicht abzusehen, wie sich die Preise für CNG bei steigender Beimischung von Biomethan entwickeln werden. Möglicherweise werden dafür in Zukunft noch Förderprogramme aufgelegt.

Wenn dein Auto einen Benzinmotor hat, kannst du es in einer entsprechenden Fachwerkstatt zum mono- oder bivalenten Erdgasauto umrüsten lassen. Bei einem Dieselfahrzeug ist das allerdings nicht möglich.

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