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E-Auto Geräusch | Pflicht für künstlichen Sound

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

15.04.2022

Letztes Update

24.05.2022

E-Autos verursachen kaum Geräusche beim Fahren. Im Stadtverkehr besteht somit die Gefahr, dass Fußgänger und Radfahrer sie nicht bemerken. Doch EU-weite gesetzliche Regelungen schaffen Abhilfe.

Inhalt des Blogartikels

Geräusche bei neuen E-Autos sind Pflicht

Bereits 2014 haben das Europäische Parlament und der Rat die Verordnung 540/2014 über den Geräuschpegel von Kraftfahrzeugen und von Austauschschalldämpferanlagen herausgegeben. In dem Gesetz wurde festgelegt, dass die Hersteller spätestens ab 1. Juli 2021 in allen neuen Hybrid-Autos und reinen Elektrofahrzeugen ein durch AVAS erzeugtes Geräusch einzubauen haben.

AVAS ist die Abkürzung von Acoustic Vehicle Alerting System, zu Deutsch etwa Akustisches Fahrzeug Alarmierungssystem. Gemeint ist eine technische Vorrichtung, die bei einem fahrenden Elektroauto Geräusche aussendet und damit Fußgänger und Fahrradfahrer auf sich aufmerksam macht. Die Anforderungen an ein solches System sind im Anhang VIII zur Verordnung aufgeführt.

Laut Pflicht muss die Geräuschaussendung mit dem Losfahren beginnen und bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h erfolgen. Das gilt auch, wenn das Fahrzeug rückwärtsfährt. Ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h ist es möglich, den Sound auszublenden. Diese Grenze wurde gewählt, weil ab diesem Tempo auch die Motorgeräusche bei modernen Autos mit Verbrennungsmotor durch Abroll- und Windgeräusche übertönt werden. Ab 20 km/h gibt es praktisch keine Unterschiede in der Geräuschentwicklung zwischen diesen Fahrzeugarten.

Das künstliche Fahrgeräusch des Elektroautos muss so gestaltet sein, dass eine Geschwindigkeitsveränderung erkennbar ist. Beispielsweise soll der Sound bei Beschleunigung anschwellen. Eine weitere Festlegung besagt, dass das Geräusch automatisch erzeugt und durch den Fahrer nicht abgeschaltet oder pausiert wird. Der zuvor übliche „Pausenschalter" ist ab dem Stichtag nicht mehr zulässig.

Übrigens: Bei Hybridfahrzeugen ist die Erzeugung eines künstlichen Fahrgeräusches nur für die Fahrt mit dem Elektroantrieb vorgeschrieben. Wird der klassische Verbrennungsmotor benutzt, bleibt der Tonerzeuger ausgeschaltet.

 

Geräusche von E-Autos: Wie laut sind die E-Fahrzeuge?

Allgemein gilt, dass die Elektroautos nicht lauter sein dürfen als Verbrenner der gleichen Fahrzeugklasse. Ein Kleinwagen darf also nicht klingen wie ein stark motorisierter Sportwagen. Die Fahrzeuggrößen sollen anhand der Geräuschkulisse erkennbar bleiben.

Tatsächlich existieren aber auch konkrete Grenzwerte. Die Regelung Nr. 138 der UNECE (Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen) legt die Geräuschpegel wie folgt fest:

  • Geschwindigkeit 10 km/h – Geräuschpegel mindestens 50 Dezibel (dB)
  • Geschwindigkeit 20 km/h – Geräuschpegel mindestens 56 dB

Der maximale Geräuschpegel ist mit 75 dB festgeschrieben. Damit liegen die Lautstärken zwischen denen eines Kühlschranks und dem Schleudergang einer Waschmaschine.

 

Wie wird das Geräusch für E-Autos erzeugt?

Die Fahrgeräusche der Elektrofahrzeuge werden mit elektronischen Tongeneratoren erzeugt. Danach durchlaufen sie eine Verstärkung und werden schließlich über einen Lautsprecher im Bereich des rechten Vorderrades nach außen abgegeben. Es gibt auch Fahrzeuge, bei denen ein weiterer Lautsprecher nach hinten abstrahlt.

Die Töne liegen in einem mittleren Frequenzbereich. Damit wollen die Entwickler erreichen, dass auch wirklich alle Altersgruppen die künstlichen Sounds des Elektroautos hören. Insbesondere bei älteren Leuten werden hohe Töne nicht oder nur noch eingeschränkt wahrgenommen. Und tiefe Töne benötigen mehr Energie, um sie in genügender Lautstärke hörbar zu machen. Zu ihrer Abstrahlung wären unverhältnismäßig große Lautsprecher notwendig.

Um die Sounds zu erzeugen, werden mehrere Tongeneratoren und unterschiedliche Frequenzen miteinander kombiniert. Ziel ist, einen ganz charakteristischen Klang zu erzeugen, mit dem der Hörer unterschiedliche Hersteller und Fahrzeuge identifiziert. Das geschieht in Anlehnung an die Praxis bei Verbrennern. Auch hier lassen sich die Produkte der verschiedenen Autobauer am Motorenklang unterscheiden.

Der Sound der Fahrgeräusche ist durch die EU-Verordnung nicht vorgeschrieben. Die Hersteller haben somit große Freiheiten bei der Kreation, die sie auch nutzen. Daher klingen die bislang mit AVAS ausgestatteten Elektrofahrzeuge nicht wie von einem Auto gewohnt. Die künstlichen Fahrgeräusche haben einen eher futuristischen Sound. Sie lehnen sich an den Klang an, den du vielleicht von Fortbewegungsmitteln aus Science-Fiction-Filmen kennst.

Die Autohersteller betreiben bei der Kreation der Fahrgeräusche einen großen Aufwand. Sie komponieren dabei geradezu die Klänge. BMW hat zum Beispiel den Klang des E-Autos i4 durch den bekannten Filmkomponisten Hans Zimmer zusammen mit dem hauseigenen Sounddesigner Renzo Vitale entwickeln lassen.

Andere große Automarken beschreiten ähnliche Wege. VW entwickelte die Geräuschkulisse für die Baureihe ID. zusammen mit dem Musiker Leslie Mandoki, dem Gründer der früheren Kultband Dschingis Khan. Aber es geht nicht nur um den reinen Klang und das An- und Abschwellen je nach Geschwindigkeit.

Mercedes hat für den EQC noch ein weiteres Soundfeature entwickelt. Bei dem Fahrzeug befindet sich vorn und hinten in den Stoßstangen je ein würfelförmiger Lautsprecher. Diese erzeugen unter anderem eine Klangwelle, die sich beim Öffnen der Türen von vorn nach hinten und beim Schließen von hinten nach vorn bewegt. So erkennt ein Passant nur vom Hören, was an dem Fahrzeug passiert und kann sich zum Beispiel auf ein baldiges Losfahren einstellen.

Wie viel Entwicklungskraft die Fahrzeughersteller in ihre spezifischen AVAS-Systeme stecken, zeigt auch das Beispiel Porsche. Der Hersteller hat im November 2021 beim Europäischen Patentamt eine Erfindung eingereicht, bei der Tongeneratoren innerhalb eines Resonanzkörpers arbeiten, der dem Endrohr eines Auspuffs ähnelt. Der Resonanzkörper verstärkt die Töne und gibt sie wie ein Auspuff an die Außenwelt ab.

Die Kreation der Fahrgeräusche schöpft nicht nur aus der elektronischen Musik, sondern wirkt mittlerweile sogar auf die Popkultur zurück. Der Stromversorger EnBW und der DJ Philipp Wolf haben zusammen das Projekt „Electric Currents" entwickelt. Der DJ hat dazu Fahrgeräusche von E-Autos, aber auch Sounds vom Ein- und Abstecken an Ladesäulen und ähnliches aufgenommen. Diese Geräusche hat er verdichtet und mit Beats unterlegt. Das Projekt haben die Macher bereits als Facebook-Livestream präsentiert.

 

Vorteile von Elektroautos und warum AVAS lebensrettend ist

Neben dem emissionsfreien und damit klimarettenden Betrieb von Elektrofahrzeugen ist auch deren geringe Geräuschentwicklung ein großer Vorteil. Gerade in Städten oder an stark befahrenen Fernstraßen gehört die starke Lärmentwicklung zu den negativen Auswirkungen des Verkehrs. Aber die nahezu lautlose Bewegung der E-Autos bei Stadtgeschwindigkeit kann auch dazu führen, dass die Fahrzeuge nicht bemerkt werden und es zu schweren Unfällen kommt. Daher können die zwingend vorgeschriebenen AVAS-Einrichtungen Leben retten.

Ein weiterer Vorteil ist finanzieller Natur und besteht in der THG-Quoten-Prämie. Als Besitzer eines emissionsfreien Elektroautos kannst du CO₂-Zertifikate verkaufen und so bis zu 400 Euro pro Jahr einstreichen. Dafür benötigst du einen Vermittler, der die Zulassung für den Quotenhandel besitzt. Die anfallenden Gebühren verringern deine Prämie. Dennoch hast du einen Gewinn einfach nur dafür, dass du ein E-Auto besitzt.

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