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chargeBIG: Innovative Ladelösung

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

29.10.2021

Letztes Update

17.01.2022

Think big bei der Ladeinfrastruktur – ist chargeBIG die Lösung?

Wenn es um Elektroautos geht, dreht sich meist alles um Ladeinfrastruktur mit viel Leistung. Mit chargeBIG sollen hingegen mehr Ladepunkte geschaffen und diese intelligenter genutzt werden. Erfahre alles zur innovativen Ladelösung!

Inhaltsverzeichnis

Ein firmeninternes Startup von MAHLE will den Durchbruch schaffen

Das schwäbische Unternehmen MAHLE ist als Zulieferer für die Automobilindustrie bekannt. Doch das absehbare Ende des Verbrennungsmotors ist insbesondere für Zulieferfirmen eine Herausforderung. Elektroantriebe benötigen nicht nur andere Bauteile, sondern in der Regel auch deutlich weniger. Daher will sich das Unternehmen auf die Änderungen im Automobilbau rechtzeitig einstellen. Das firmeninterne Corporate Startup chargeBIG ist ein Ergebnis der dualen Strategie. Bei chargeBIG geht es um die Konzeption einer skalierbaren Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, bei der nicht die Ladeleistung des einzelnen Ladepunktes im Vordergrund steht, sondern die Möglichkeit, viele Autos über eine zentrale Ladeeinheit zu laden. Folgende Vorteile bringt das Lademanagementsystem mit sich:

  • Benutzerfreundlichkeit und Full-Service-Konzept
  • Netzdienlichkeit, das bedeutet die intelligente Steuerbarkeit abhängig vom Stromnetz
  • Die Skalierbarkeit in Bezug auf die Anzahl an Ladepunkten
  • Die großflächige Elektrifizierung an Standorten, an denen Fahrzeuge lange stehen, soll durch zentralisierte Ladeinfrastrukturlösungen vorangebracht werden

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Das Problem: Zu wenige Ladepunkte bremsen die Elektromobilität aus

Als sich die Experten bei MAHLE Gedanken um die Elektromobilität machten, fiel immer wieder auf, dass die meisten Ladestationen und Autohersteller auf hohe Ladeleistungen und kurze Standzeiten ausgerichtet sind. Bei einer Reise auf der Autobahn ist es natürlich sinnvoll, ein Fahrzeug möglichst schnell zu laden. Doch Ladestationen mit wirklich hoher Leistung belasten das Stromnetz stärker und sind teurer bei Installation und Wartung, eignen sich also nicht für den großflächigen Einsatz. Gleichzeitig sieht die Realität so aus, dass die meisten Fahrzeuge (und das gilt auch für Elektroautos) den Großteil des Tages auf einem Parkplatz oder in einem Parkhaus stehen und nur vergleichsweise geringe Distanzen zurücklegen müssen. Sei es beim Pendeln auf die Arbeit, beim Einkaufen oder zuhause vor der Tür: Wenn ein Elektroauto längere Zeit ungenutzt herumsteht, kann diese Zeit intelligenter genutzt werden, indem man die Batterien mit weniger Leistung auflädt. Das Konzept der chargeBIG Ladelösung geht genau diesen Weg. Eine zentralisierte Steuereinheit kann bis zu 36 Ladepunkte auf einmal versorgen. Die Einzelleistung dieser Punkte ist zwar geringer, doch wenn das Auto mehrere Stunden dort geparkt ist, spielt das für den Nutzer keine Rolle. Durch die gesteuerte und geringere Leistung wird das Stromnetz weitaus weniger belastet. Installationskosten sinken, weil keine Erweiterung der Netzanbindung benötigt wird. Vielmehr bestehen die chargeBIG Ladepunkte aus fest angeschlagenen Ladekabeln direkt am Parkplatz, die mit der Zentraleinheit verbunden sind. Die Abwicklung wird benutzerfreundlich über eine App realisiert.

 

Für welche Bereiche ist die chargeBIG Ladelösung geeignet?

Überall dort, wo viele Elektroautos über mehrere Stunden hinweg parken, macht die zentralisierte Ladeinfrastruktur Sinn. Denn es nützt der Elektromobilität nichts, wenn es in einem Parkhaus drei oder vier Hochleistungs-Ladesäulen gibt, aber geladene Fahrzeuge den Ladeplatz anschließend noch über längere Zeit belegen und andere Nutzer keinen Anschlussplatz finden. Die flächendeckende Ausrüstung mit Hochleistungsladesäulen ist außerdem nicht nur teuer, sondern aufgrund der erforderlichen Anpassungen an das örtliche Stromnetz in älteren Gebäuden oft nicht möglich. Das chargeBIG Ladesystem lässt sich hingegen auch in älteren Gebäuden kostengünstig installieren und bietet die Möglichkeit der Elektrifizierung einer Vielzahl von Standplätzen. Interessant ist dieses Konzept also vor allem für Unternehmen und Einrichtungen, die große Fahrzeugflotten unterhalten oder ihrer Kundschaft mit Elektrofahrzeugen einen Parkplatz mit Lademöglichkeit bieten möchten. MAHLE denkt dabei vor allem an Flughäfen, Shoppingcentern, Parkhäusern oder Mietwagenfirmen, wo es nicht primär auf Ladegeschwindigkeit ankommt.

Aber auch zuhause ist der Einsatz denkbar in der Wohneigentumsgemeinschaft ist der Einsatz denkbar. Während Eigenheimbesitzer ihre Garagen inzwischen oft mit einer Wallbox ausrüsten, ist für Mieter in größeren Wohnobjekten z. B. in der Tiefgarage die Einrichtung einer Ladestation mit teuren und hohen technischen Hürden versehen. Wohnungsbaugesellschaften stehen dabei vor dem gleichen Problem wie andere Anbieter von Parkraum: Die zur Verfügung stehende Ladeinfrastruktur ist durch die Netzbelastung von Hochleistungsladepunkten begrenzt. Mit chargeBIG lassen sich hingegen kostengünstig Dutzende von Ladeplätzen schaffen, an denen die Fahrzeuge z. B. über Nacht bequem aufladen können.

 

Wie funktioniert chargeBIG?

Im chargeBIG Ladesystem steht die zentrale Steuereinheit im Fokus. Sie unterscheidet das System von der einzeln montierten Wallbox oder Ladesäule, die von anderen Anbietern erhältlich sind. Eine solche Steuereinheit kann bis zu 36 Ladepunkte mit Strom versorgen. Dieser kommt aus dem öffentlichen Stromnetz, kann aber durch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen ergänzt werden, um Spitzen bei der Ladenutzung abzufangen und Grünstrom direkt im Verkehr einzubringen. Die 36 Ladepunkte sind über ein intelligentes Lademanagementsystem miteinander vernetzt, um sogenannte Schieflasten im Netz zu vermeiden. Attraktiv wird das System dadurch, dass es sich so einfach skalieren lässt. Ab 18 und über 100 Ladepunkten sind mit chargeBIG Ladestationen realisierbar. Dabei wird die Ladeleistung über das intelligente Lastmanagement zwischen 2,3 und 7,2 kW geregelt und auf die belegten Parkplätze verteilt. Das bedeutet, dass bei einer Ladezeit von etwa vier Stunden bereits die übliche Pendlerstrecke von 40 bis 50 Kilometer am Tag problemlos abgedeckt wird. Für andere Nutzergruppen, die Bedarf am schnelleren Laden haben, können optional einige ungeregelte Ladepunkte mit 22 kW Ladeleistung eingerichtet werden. Das firmeneigene MAHLE Mitarbeiterparkhaus diente als erstes Testobjekt. Seit Mitte 2019 können dort über 100 Fahrzeuge aufgeladen werden. Neben reinen Elektrofahrzeugen sind natürlich auch Plug-in-Hybride dort aufladbar. Damit wirklich jeder Ladebedarf abgedeckt wird, findet sich darüber hinaus ein DC-Schnellladepunkt mit 120 kW für längere Strecken oder sehr niedrige Akkustände. Durch die fest angeschlagenen Typ-2-Ladekabel müssen die Nutzer in der Regel nicht die eigenen Ladekabel auspacken.

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Ist chargeBIG die flächendeckende Ladelösung?

Der Erfolg der Mobilitätswende steht und fällt mit der flächendeckenden und großflächigen Ladeinfrastruktur. Die herkömmlichen Ansätze sind aber teuer, wenig wartungsfreundlich, aufwändig bei der Installation und belasten die Netze oft sehr stark. Das MAHLE-Konzept geht mit vielen Ladepunkten, aber einer geringeren Einzelladeleistung einen neuen Weg. Überall dort, wo Fahrzeuge mehrere Stunden geparkt sind, können chargeBIG Ladepunkte die bestehende Infrastruktur kostengünstig ergänzen. Dass dies schon heute realisierbar ist, beweist unter anderem der Flughafen Stuttgart, wo das Ladesystem von chargeBIG für Mitarbeiter- und Kundenfahrzeuge sowie z. T. für das Laden von Flottenfahrzeugen erfolgreich eingesetzt wird.

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