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Welche Heizung bei Modernisierung?

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

03.06.2022

Letztes Update

30.06.2022

Angesichts massiv steigender Brennstoffkosten wird eine Modernisierung der Heizung immer interessanter. Wir gehen der Frage nach, welches Heizungssystem für deine Zwecke das Beste ist.

Inhalt des Blogartikels

Modernisierung der Heizung: Das steckt dahinter

Private Haushalte verursachen mit Heizen und der Warmwasserbereitung rund 10 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Gemeint ist vor allem CO₂, das beim Verbrennen fossiler Energieträger entsteht.

2021 hat der Deutsche Bundestag ein neues Klimaschutzgesetz verabschiedet. Es legt das sehr anspruchsvolle Ziel fest, dass Deutschland bis 2045 CO₂-neutral ist. Das bedeutet, dass nicht mehr CO₂ erzeugt wird, als durch die Natur wieder absorbiert werden kann.

Private Haushalte können zur Erreichung dieses Ziels einen Beitrag leisten, indem sie Maßnahmen zur Modernisierung der Heizung vornehmen. Der Staat fördert die Modernisierung der Heizung durch Zuschüsse und zinsgünstige Kredite.

 

Wovon ist die Wahl der Heizung bei der Modernisierung abhängig?

Wichtig ist der bauliche Erhaltungszustand deines Hauses. Bei schlechter Wärmedämmung und Bauschäden lohnt sich der Einbau einer modernen Heizung nicht. Denn die erzeugte Wärme würde zu großen Teilen nach außen abfließen. In dem Fall ist vor dem Einbau eines modernen Heizsystems eine Sanierung und ausreichende Dämmung des Baukörpers notwendig.

Ein ähnliches Problem stellt die alte Heizanlage selbst dar. Alte Heizungen mit ihren großen Heizkörpern und Durchmessern der Heizungsrohre erfordern hohe Vorlauftemperaturen. Moderne Heizungen wie zum Beispiel Wärmepumpen können diese Vorlauftemperaturen nicht liefern. Es reicht dann nicht, wenn du nur den Wärmeerzeuger austauschst. Das gesamte Heizungssystem muss erneuert und an den vorgesehenen Wärmeerzeuger angepasst werden.

Dein erster Schritt ist daher eine Bestandsaufnahme des Gebäudes und des vorhandenen Heizsystems. Im Anschluss überprüfst du dein Budget und gleichst es mit dem notwendigen Modernisierungsaufwand und deinem Ziel ab, das du durch die Maßnahmen erreichen möchtest. Der Tausch eines alten Ölkessels gegen einen modernen Brennwertkessel für Öl oder Gas ist finanziell günstiger, als wenn du komplett auf erneuerbare Energieträger umsteigst. Allerdings ist der Effekt der Brennstoffkostensenkung und der CO₂-Einsparung bei der Modernisierung der Ölheizung wesentlich geringer.

 

Welche Heizung sollte ich bei der Modernisierung wählen?

Diese Frage kannst du nicht pauschal beantworten. Wie eben schon gesagt, kommt es auf den Zustand des Hauses und der Heizungsanlage, auf die gewünschten Effekte der Modernisierung und auf dein Budget an.

Einfache Maßnahmen

Wenn der alte Heizkessel noch zuverlässig funktioniert, kannst du schon mit relativ einfachen und kostengünstigen Maßnahmen spürbare Effekte erzielen. Dazu zählen der Einsatz moderner programmierbarer Thermostate an den Heizkörpern, der Austausch der Umwälzpumpe, eine bessere Dämmung des Pufferspeichers und der Heizungsrohre sowie ein hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage.

Bei einem hydraulischen Abgleich optimiert der Fachmann das Strömungsverhalten des Heizungswassers im Heizsystem. Einfach gesagt sorgt er dafür, dass in allen Heizkreisen der Heizungsanlage alle Heizkörper optimal durchströmt werden und genügend Wärme an den zugehörigen Raum abgeben wird. Das senkt die Brennstoffkosten, da der Kessel am optimalen Arbeitspunkt agiert.

Beibehaltung des gewohnten Energieträgers

Die Beibehaltung des bisher genutzten Energieträgers Erdgas oder Heizöl hat den Vorteil, dass du deinen vorhandenen Gasanschluss oder Öltank einfach weiternutzen kannst. Du lässt deinen alten Kessel durch ein neues Gerät ersetzen. Aktuelle Öl- und Gaskessel arbeiten mit Brennwerttechnik. Sie nutzen den Energiegehalt der Brennstoffe effizienter aus als ältere Kessel. Dadurch benötigen sie weniger Brennstoff und stoßen weniger CO₂ aus. So senkst du deine Heizkosten und leistest gleichzeitig einen Beitrag zur Erreichung der langfristigen Klimaschutzziele unseres Landes. Sofern an deinem Wohnort möglich, kannst du Biobrennstoffe wie Bio-Gas oder Bio-Öl für deine Heizung nutzen und damit den CO₂-Ausstoß weiter minimieren. Die aus Pflanzen oder landwirtschaftlichen Abfällen hergestellten Brennstoffe emittieren bei der Verbrennung nur so viel CO₂, wie die ursprünglichen Pflanzen aus der Luft aufgenommen haben. Dadurch wird kein zusätzliches CO₂ ausgestoßen, wie bei fossilen Energieträgern.

Es gibt jedoch noch einen weiteren positiven Aspekt. Wie alle technischen Anlagen unterliegen auch Heizkessel der Alterung. Mit fortschreitender Lebensdauer steigt die Fehleranfälligkeit bis hin zum Totalausfall an. Das betrifft besonders die Anlagen, die nicht regelmäßig gewartet werden. Mit einem neuen Heizkessel bist du für die nächsten Jahre vor solchen Ausfällen sicher.

Umstellung auf ökologische Energieträger

Hier bieten sich drei unterschiedliche Energieträger zur Heizungsmodernisierung an: Holz, Umweltwärme und die Sonne.

Holz

Der natürliche Brennstoff Holz wird in verschiedenen Formen eingesetzt. Mittlerweile recht bekannt sind Pelletheizungen. Die kleinen Holzpellets werden aus Holzabfällen hergestellt. Sie sind fast überall gut verfügbar und kostengünstig. Der Nutzer benötigt allerdings Platz für die Lagerung der Pellets und für eine automatische Beschickungsanlage. Ähnlich funktionieren Hackschnitzelheizungen.

Für klassische Holzscheite bietet die Industrie ebenfalls moderne Kessel an. Sie funktionieren anders als ein Kamin, bei dem die Holzscheite einfach nur herunterbrennen und daher öfter nachgelegt werden muss. Durch den besonderen Aufbau mit zwei Brennkammern wird aus dem Holz sogenanntes Holzgas gewonnen, das in der zweiten Brennkammer unter Zugabe von zusätzlichem Sauerstoff mit hoher Hitzeentwicklung verbrennt. So wird der Energiegehalt der Holzscheite wesentlich effizienter ausgenutzt als bei einer einfachen Verbrennung im Kamin oder Ofen. Holzscheite sind in waldreichen ländlichen Gebieten kostengünstig verfügbar. Der CO₂-Ausstoß beschränkt sich auch hier auf die Menge, die der Baum aus der Umwelt aufgenommen hatte.

Umweltwärme

Zur Gewinnung von Umweltwärme aus der Umgebungsluft, dem oberflächennahen Erdboden oder aus dem Grundwasser werden Wärmepumpen verwendet. Die Technik ist seit Jahren im Gebrauch und ausgereift. Folgerichtig entscheiden sich immer mehr Eigenheimbesitzer für diese modernen Wärmeerzeuger. Allerdings muss die Heizungsanlage an das von der Wärmepumpe maximal lieferbare Wärmeniveau angepasst sein. Deshalb ist es eventuell notwendig, alte Heizkörper auszutauschen und Heizungsrohre mit geringem Durchmesser einbauen zu lassen. Oder du steigst auf Flächenheizung (Fußboden, Wand, Decke) um. Unter Umständen ist also ein erhöhter Modernisierungsaufwand notwendig, wenn du eine Wärmepumpe für die Heizung nutzen willst.

Die hohen Kosten holst du später wieder rein. Denn die Wärmepumpe benötigt für ihren Betrieb lediglich etwas Strom, aber keinerlei Brennstoffe. CO₂ wird im Wärmepumpenprozess ebenfalls nicht erzeugt. So koppelst du dich vollständig von den rasant steigenden Kosten für Öl und Gas ab.

Sonnenwärme

Die Nutzung der Sonnenwärme für die Heizung trägt die Bezeichnung Solarthermie. Die Sonnenwärme wird mit großen Dachmodulen eingefangen und mit einer Wärmeträgerflüssigkeit in das Hausinnere transportiert. Dort übergibt ein Wärmetauscher die Wärme an das Heizungssystem und die nun abgekühlte Flüssigkeit wird zurück in die Module transportiert.

Solarthermie benötigt ebenfalls keinerlei Brennstoffe und stößt kein CO₂ aus. Die Umwälzpumpe für die Wärmeträgerflüssigkeit braucht allerdings etwas Strom. Damit ist Solarthermie bei den Betriebskosten ähnlich günstig, wie eine Wärmepumpe. Allerdings wird die Wärme nur tagsüber erzeugt. Deshalb musst du Solarthermie immer über einen Pufferspeicher in das Heizsystem einkoppeln. Zudem reicht die Wärmemenge von der Solarthermie in der Regel nicht aus, um den Wärmebedarf eines Hauses komplett zu decken. Sie wird daher eher in Kombination mit anderen Wärmeerzeugern eingesetzt.

 

Hybridlösungen

Auch Hybridlösungen zur Heizungsmodernisierung können infrage kommen. Die Kombination mehrerer Wärmeerzeuger in einer Heizungsanlage bezeichnen Experten als Hybridsystem. Wenn du zum Beispiel eine Gasheizung mit einer Solarthermie kombinierst, kannst du dein gewohntes Heizsystem weiter als Haupterzeuger der Energie nutzen und die Betriebskosten dennoch senken. Die Solarthermie übernimmt in der Kombination zum Beispiel die Erzeugung des Warmwassers.

Es gibt jedoch auch Kombinationen mit der umgekehrten Gewichtung. Das ist der Fall, wenn deine Wärmepumpe für die generelle Erzeugung von Heizungswärme und Warmwasser zuständig ist und ein kleiner Gaskessel in Spitzenlastzeiten zusätzlich mitarbeitet. Solche Spitzenlasten treten zum Beispiel auf, wenn an sehr kalten Wintertagen die Leistung der Wärmepumpe nicht mehr ausreicht.

Unter Umständen kann ein Hybridsystem die Ideallösung sein, wenn du deine Heizung modernisieren möchtest. Das trifft aber nicht auf jedes Modernisierungsprojekt zu.

 

Förderungen bei der Modernisierung der Heizung

Heizungsmodernisierungen werden durch den Staat gefördert. Dazu existiert des Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude". Förderungen einer Modernisierung der Heizung erfolgen als Zuschuss oder in Form zinsgünstiger Kredite. Zuständig sind das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Förderbank KfW. Gefördert wird der Ersatz alter Heizungsanlagen durch Systeme auf Basis erneuerbarer Energien. Für den Einsatz eines modernen Gas-Brennwertkessels gibt es also keine Förderung. Dagegen ist die Heizungsoptimierung in Form eines hydraulischen Abgleichs förderfähig. Die Zusammenarbeit mit einem Energieberater, die für die Beantragung eines Kredits bei der KfW sogar vorgeschrieben ist, wird ebenfalls gefördert.

 

Zukunft und Trends bei der Heizungsmodernisierung

Der Staat legt mithilfe seiner Förderinstrumente den Fokus immer stärker auf die Verwendung von Heizsystemen auf Basis von erneuerbaren Energien. Der Einsatz moderner Gasheizungen wird unattraktiver, weil du die Kosten für einen neuen Gaskessel vollständig selbst tragen musst.

Noch strikter geht der Staat bei Ölheizungen vor. Sie werden nicht nur nicht gefördert. Ab 2026 ist der Neueinsatz von Ölheizungen verboten.

Sämtliche Fördermaßnahmen beziehen sich aktuell nur auf die Modernisierung der Heizung in Bestandsbauten. Im Neubau werden derzeit keine Heizsysteme speziell gefördert.

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