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Welche Wärmepumpe eignet sich für den Altbau?

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

13.07.2021

Letztes Update

09.12.2021

Welche Wärmepumpe eignet sich für den Altbau?

In rund jedem zweiten Neubau wird eine Wärmepumpe eingebaut. Sind Wärmepumpen im Altbau auch eine Empfehlung wert? Mehr zu den Möglichkeiten und Voraussetzungen erfährst du hier.

Inhalt des Blogartikels

Wärmepumpen sollen Öl und Gas im Altbau ersetzen

Neue Ölheizungen dürfen ab 2026 nicht mehr eingebaut werden. Das ist Fakt. Das Verbot von Gasheizungen könnte sehr schnell folgen. Eine Studie von Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende zeigt, wie die Bundesregierung mit schnellem und konsequentem Handeln das Klimaschutzziel für 2030 erreichen könnte. Dazu zählt auch ein Verbot von Öl- und Gasheizungen im Neubau bereits ab 2024. Bei der Wärmeversorgung der Gebäude sollen generell Heizöl und Erdgas vor allem durch Wärmepumpen und erneuerbare Fernwärme abgelöst werden.

Die Studie basiert auf dem Gutachten „Agenda Wärmewende 2021“ vom Öko-Institut e.V. und Hamburg Institut vom 10. Juni 2021. Bereits in der Vergangenheit hat die Bundesregierung solche Studien in die Umsetzung ihrer Vorschriften und Richtlinien einbezogen. Das Aus für fossile Heizungen könnte also durchaus früher kommen als bislang angenommen. Es ist daher sinnvoll, bei aktuellen Bauvorhaben und Sanierungen Öl und Gas für deine neue Heizung soweit möglich außen vor zu lassen und auf eine moderne Wärmepumpe zu setzen.

 

Wärmepumpen im Altbau: Voraussetzungen

Weil sie zur Wärmeerzeugung einen großen Anteil erneuerbarer Energien nutzen, sind Wärmepumpen für den Klimaschutz besonders wichtig. Damit das auch im Altbau wirtschaftlich möglich ist, muss jedoch das Umfeld stimmen. Die Elektro-Wärmepumpe heizt dann besonders sparsam, wenn die Temperaturen der Energiequelle (Luft, Erde, Wasser) und des Heizsystems (Fußbodenheizung, Heizkörper) dicht beieinanderliegen: eine hohe Wärmequellentemperatur und eine niedrige Vorlauftemperatur unter 50 Grad Celsius.

Um das zu erreichen, muss dein Haus möglichst gut wärmegedämmt und auch die Wärmeverluste dürfen nicht allzu groß sein. Falls du in einem unsanierten Altbau wohnst, empfiehlt es sich auf jeden Fall, das Dach und die Außenwände dämmen zu lassen. Eine wärmegedämmte Fassade und moderne Fenster sorgen für geringe Wärmeverluste und vor allem für einen wesentlich geringeren Wärmebedarf. Das bedeutet, dass deine Wärmepumpe weniger Heizarbeit leisten muss und gut mit niedrigen Vorlauftemperaturen zurechtkommt.

Aber auch das Wärmeverteilsystem muss zur Wärmepumpe passen. Ideal sind großflächige Heizsysteme wie Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen. Doch spezielle Heizkörper sind oftmals ebenfalls geeignet. Bei der Wärmequelle Luft ist der Aufstellort besonders wichtig, damit die Nachbarn nicht durch die Geräuschentwicklung gestört werden.

 

Welche Wärmepumpe ist im Altbau die richtige?

Für welche Wärmepumpe du dich für dein Haus entscheidest, hängt von verschiedenen Kriterien ab und deckt sich vielleicht nicht immer ganz mit deiner Wunschvorstellung. Da du bereits Geld für die Sanierung der Gebäudehülle ausgegeben hast, tendierst du eventuell zur Wärmequelle Luft.

Luft-Wasser-Wärmepumpe: Kostengünstig, aber nicht so effektiv

Luft-Wasser-Wärmepumpen sind einfach zu installieren, genehmigungsfrei, günstig in der Anschaffung und du kannst sie grundsätzlich für nahezu alle Altbauten nutzen. Zudem entfällt die kostenintensive Erschließung der Wärmequelle. Leider ist die Temperatur der Luft ausgerechnet dann besonders niedrig, wenn die meiste Heizarbeit zu leisten ist: im Winter. Aus diesem Grund ist der Stromverbrauch an extrem kalten Tagen besonders hoch. Über das ganze Jahr betrachtet sind dies in der Regel jedoch nur wenige Tage.

Bewohnst du ein altes Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte, kann die Aufstellung der Luft-Wasser-Wärmepumpe zum Problem werden. Der Ventilator und der Verdichter sorgen für eine ordentliche Geräuschentwicklung. In 2 Meter Abstand sind dies immerhin 30 bis 50 Dezibel. Hinzu kommen noch die Strömungsgeräusche durch das Ansaugen und Ausblasen der Luft.

Die ausgeblasene Luft ist sehr kalt, dadurch kann es passieren, dass sich bereits im Herbst auf Wegen Eis bildet. Deswegen solltest du einen Mindestabstand von etwa 3 Meter zu Nachbargebäuden, Pflanzen oder Terrassen einhalten. Neben den Nachbargebäuden solltest du die Wärmepumpe auch nie in unmittelbarer Nähe zu Schlafräumen aufstellen – Mindestabstand 3 bis 4 Meter. Der Schall soll sich möglichst ungehindert verteilen oder zumindest auf schallschluckende Flächen treffen. Bei Grundstücksflächen um die 400 Quadratmeter ist das meist nicht der Fall.

Sole-Wasser-Wärmepumpen: Sehr effizient und kostenintensiv

Sole-Wasser-Wärmepumpen nutzen das Erdreich als Wärmequelle. Unterhalb der Frostgrenze bewegen sich die Temperaturen je nach Jahreszeit zwischen 0 und 10 Grad Celsius, ab etwa 20 Meter Tiefe sind die Temperaturen mit 8 bis 10 Grad Celsius relativ konstant.

Die Bohrung für Erdwärmesonden ist genehmigungspflichtig. Im Bereich Altbau gibt es jedoch nicht immer überall ausreichend Platz für das Bohrfahrzeug. Das Verlegen von Flächenkollektoren für die Wärmepumpe ist zwar in der Regel genehmigungsfrei, allerdings brauchst du eine sehr große unbebaute Fläche.

Wasser-Wasser-Wärmepumpen: Äußerst effizient und teuer

Die Wärmequellenerschließung für eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe ist genehmigungspflichtig und wird nicht immer erteilt. Du brauchst 2 Brunnen: 1 zur Entnahme des Grundwassers und 1 zur Rückführung des abgekühlten Wassers. Grundwasser hat meist konstant hohe Temperaturen. Allerdings muss es in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sein. Auch hier brauchst du eine Zufahrtsmöglichkeit für das schwere Bohrgerät.

 

Neue Wärmepumpen-Generation für Altbauten

Auf der IHS digital in Frankfurt, der Weltleitmesse für die Heizung, stellten im März 2021 viele namhafte Hersteller ihre neuen Gerätegenerationen vor. Diese Wärmepumpen wurden speziell für den effizienten Betrieb in Altbauten mit höherem Wärmebedarf entwickelt.

Mit Vorlauftemperaturen von bis zu 71 Grad Celsius lassen sie sich auch mit Heizkörpern im Haus betreiben. Fußbodenheizungen sind somit nicht mehr zwingend erforderlich und vorhandene Radiatoren kannst du weiter nutzen. Es wurden auch Wärmepumpen mit Vorlauftemperaturen bis zu 65 Grad Celsius vorgestellt, die ein Hersteller als Lösung für den einfachen Austausch von Gas- und Ölheizungen in Häusern ab Baujahr 1990 anbietet. Diese neue Wärmepumpen-Generation für den Altbau ist dank neuer Kältemittel leistungsfähiger und effizienter.

Hybridheizung: Bestehendes Heizsystem plus Wärmepumpe

Auch die Umrüstung auf eine Hybridheizung ist eine Möglichkeit, um die Wärmepumpe im Altbau zu nutzen. Allerdings ist ein Pufferspeicher mit einem Fassungsvermögen zwischen 700 und 800 Liter Wasser erforderlich, der durch die beiden Energiequellen – beispielsweise Gas und Umweltwärme – mit Wärme versorgt wird.

Die Installation einer modernen Hybridheizung ist jedoch teurer als beispielsweise die einer neuen Gasheizung. Zudem muss ausreichend Platz für 2 Heizsysteme und den Pufferspeicher vorhanden sein.

 

Wärmepumpen lohnen sich auch im Altbau

In einem unsanierten Haus haben Wärmepumpen wenig Sinn. Sie würden zu viel Strom verbrauchen. Nach einer energetischen Sanierung hingegen lohnt sich die „Umweltheizung“ auch im Altbau. Zudem werden aktuell Einzelmaßnahmen wie Dämmung und Austausch der Heizung mit hohen Zuschüssen vom Staat gefördert. Allein für die Wärmepumpe sind bis zu 50 Prozent möglich.

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