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Vorlauftemperatur von Gasthermen

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

28.10.2020

Letztes Update

03.12.2021

So hast du die Vorlauftemperatur deiner Gastherme im Griff

Nur mit der richtig eingestellten Vorlauftemperatur arbeitet deine Heizung effizient. Das schont dann die Umwelt und deine Finanzen. Auch der Komfort in den Räumen ist so optimal.

Inhaltsverzeichnis

Die Gastherme: Platzsparend, verbrauchs- und emissionsarm

Erdgas wird in 48,2 Prozent der 40,6 Millionen Wohnungen in Deutschland für die Wärmeversorgung genutzt. Das sind immerhin 19,6 Millionen Wohnungen. Vor allem in Ein- und Mehrfamilienhäusern sind wandhängende Gasthermen sehr beliebt, weil die kompakten Heizgeräte wenig Platz benötigen. In jeder Wohnung befindet sich eine eigene Gastherme für die Raumheizung und Warmwasserbereitung. Das hat für den Mieter den Vorteil, dass er individuell bestimmen kann, wie hoch sein Verbrauch ist und dass er nicht einen Teil der Heizkosten der anderen Mieter im Haus mitbezahlen muss.

Für die Warmwasserbereitung ist kein Speicher notwendig. Das Wasser wird erst dann erhitzt, wenn es angefordert wird. Bei ganz alten Modellen brennt deswegen permanent eine kleine Zündflamme. Die nachfolgenden Gasthermen werden alle mittels Piezozünder aktiviert, um einen unnötigen Gasverbrauch zu vermeiden. Es gibt Heizwertgeräte und verbrauchsärmere Brennwertgeräte, wobei Heizwertgeräte eigentlich seit Ende September 2015 nicht mehr verkauft werden dürfen. Allerdings ist es der Heiztechnik-Branche gelungen, für Gasthermen bei der dezentralen Wohnungsbeheizung in Mehrfamilienhäusern eine Ausnahme zu erreichen. Das hängt damit zusammen, dass beim Austausch einer einzelnen Gastherme gegen eine Brennwertheiztherme auch alle anderen Geräte im Haus ausgetauscht werden müssten, weil für die Brennwerttechnik ein spezieller Schornstein erforderlich ist.

 

Was ist die Vorlauftemperatur bei der Heizung?

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizungswassers aus der Gastherme über die Heizleitungen in die Heizkörper oder in die Fußbodenheizung fließt. Ihr Gegenstück ist die Rücklauftemperatur. Hierbei handelt es sich um das abgekühlte Heizwasser, das von den Heizkörpern zurück zum Kessel strömt. Die Temperaturspreizung (Temperaturunterschied) zwischen Vorlauf und Rücklauf beträgt bei Heizkörpern meist 30 Prozent. Bei Flächenheizsystemen wie Fußbodenheizungen sind es ungefähr 10 Grad Celsius. An den jeweiligen Heizungsrohren befinden sich Thermometer. Hier kannst du die Temperatur von Vor- beziehungsweise Rücklauf ablesen. Die erforderliche Vorlauftemperatur kannst du über die Bedienelemente direkt an der Gastherme einstellen. Ältere Geräte besitzen dazu einen Drehknopf mit Strichen. Moderne Systeme verfügen über ein Display und lassen sich auch über ein Smart-Home-System oder per App via Smartphone, Tablet und Laptop einstellen.

Vorlauf- und Rücklauftemperaturen verschiedener Heizungen

Heizsystem

Vorlauftemperatur/Rücklauftemperatur
(in Grad Celsius)

Altbau

90/70 beziehungsweise 75/65

Niedertemperatur

70/50 beziehungsweise 70/55

Brennwert

60/45 beziehungsweise 55/45

Fußbodenheizung

45/35

 

Darum ist die Einstellung der richtigen Vorlauftemperatur so wichtig

Je höher die Vorlauftemperatur der Heizung ist, desto mehr Energie wird benötigt, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen. Dabei beeinflussen auch die Wärmedämmung des Gebäudes und die Außentemperatur die Vorlauftemperatur. Je schlechter die Dämmung oder je kälter es draußen ist, desto höher muss dann die Vorlauftemperatur eingestellt sein. Ist allerdings die Vorlauftemperatur zu hoch gewählt, wird es schwieriger, die Heizung zu steuern. Denn das Heizungswasser strömt dann mit viel zu hohen Temperaturen in die Heizkörper. Außerdem muss die Therme mehr Wärme produzieren, als die Heizkörper eigentlich benötigen. Das führt natürlich dazu, dass zum einen die Heizkosten steigen, zum anderen aber auch die Umweltbelastung. Wenn die Heizkörperthermostate dafür sorgen, dass die eingestellte Raumtemperatur eingehalten wird, werden die Räume zwar nicht überheizt, aber die Gastherme heizt trotzdem mit voller Power weiter.

Ist die Vorlauftemperatur hingegen zu niedrig eingestellt worden, hat die Gastherme das Problem, die Heizkörper mit der erforderlichen Heizwärme zu versorgen. Hinzu kommt, dass mehr Heizungswasser im Heizkreislauf zirkulieren muss. Dadurch ist die Heizungspumpe sehr oft in Betrieb, was die Stromkosten spürbar erhöht. Denn alte Heizungspumpen können jährliche Stromkosten von 117 bis 176 Euro verursachen.

 

Wie sind die Vorlauf- und Rücklauftemperaturen von Gasthermen einzustellen?

Allgemein lässt sich das nicht sagen, weil die Vorlauftemperatur auch von der energetischen Beschaffenheit des Gebäudes abhängt. Normalerweise liegt der Bereich aber zwischen 75 Grad Celsius Vorlauftemperatur und 60 Grad Celsius Rücklauftemperatur. In der Regel werden Gasthermen mit konventionellen Heizkörpern kombiniert. Der Einsatz mit einer Fußbodenheizung (45 und 35 Grad Celsius) ist aber ebenso möglich. Jedoch solltest du im Falle einer Fußbodenheizung möglichst eine Gasbrennwerttherme wählen, denn diese eignet sich besser für niedrige Rücklauftemperaturen.

Ändert sich die Vorlauftemperatur bei einer Hybrid-Gastherme?

Die Hybridheizung wählt automatisch immer die effizienteste Betriebsweise. Eine Hybridheizung, die beispielsweise aus einer Luft-Wasser-Wärmepumpe und einem Gasbrennwertgerät besteht, erreicht Vorlauftemperaturen von 25 bis 70 Grad Celsius. Bei dieser Kombination übernimmt die Wärmepumpe die Grundlast. Die Gasbrennwerttherme, die auf höhere Temperaturen ausgelegt ist als die Wärmepumpe, wird entweder zur Abdeckung von Spitzenlasten zugeschaltet (hoher Warmwasserbedarf) und übernimmt immer dann als alleiniger Wärmerzeuger, wenn hohe Vorlauftemperaturen erforderlich sind, beispielsweise an sehr kalten Wintertagen. 

Solche Hybrid-Systeme eignen sich auch für den Gebäudebestand, um beispielsweise die vorhandene Gastherme mit einer Wärmepumpe zu koppeln. Meist müssen die alten Wärmeverteilsysteme (Heizkörper oder Fußbodenheizung) inklusive der Rohrleitungen nicht einmal ausgetauscht werden.

Wird eine Solarthermieanlage mit einem Gasgerät kombiniert, ist ein gemeinsamer Wärmespeicher erforderlich, an den die Gastherme und die Solarkollektoren ihre Wärme abgeben. Im Sommer übernimmt die Solarthermieanlage die komplette Warmwasserversorgung. Die Heizung springt nur ein, wenn die abgegebene Solarwärme nicht ausreicht. In den Wintermonaten übernimmt dann die Gastherme mehr oder weniger allein die Versorgung des Hauses mit Wärme und Warmwasser. Die Gastherme wird nach wie vor mit den voreingestellten Vorlauftemperaturen betrieben. Dank der Solarwärme muss sie jedoch wesentlich weniger arbeiten.

 

Fazit: Was ist die optimale Vorlauftemperatur?

Normalerweise nimmt der Heizungsinstallateur anhand der ermittelten Heizkurve die Einstellung der optimalen Vorlauftemperatur bereits bei der Installation vor oder passt sie während der letzten Wartung an.

Was ist die Heizkurve? Die Heizkurve zeigt die notwendige Vorlauftemperatur im Verhältnis zur Außentemperatur auf. Mehr zur Einstellung der Heizkurve erfährst du in diesem Beitrag.

Bei alter Heiztechnik kann die Temperatur des Vorlaufs bis zu 90 Grad Celsius betragen. In gut gedämmten Häusern mit Heizkörpern sollten 50 Grad Celsius eingestellt werden. Ist die Wärmedämmung schlecht, sind es mindestens 60 bis 65 Grad Celsius. Für Fußboden-, Wand- und Deckenheizungen genügen Vorlauftemperaturen unter 30 Grad Celsius, um eine angenehme Raumtemperatur zu erzeugen. Bereits kleine Veränderungen der Vorlauftemperatur können sich negativ oder positiv auf den Brennstoffverbrauch auswirken. Lässt du die Vorlauftemperatur deiner Gastherme korrekt einstellen, heizt sie effizient und umweltschonend.

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