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Strohpellets-Heizung als regionale Alternative

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

21.02.2022

Letztes Update

21.02.2022

Die Preise für Öl und Gas sind immens gestiegen. Alternativen sind gefragt. Nachhaltige und klimaneutrale Strohpellets-Heizungen beispielsweise. Doch lohnt sich der Einsatz?

Inhalt des Blogartikels

Heizen mit Stroh: Die Strohpellets-Heizung

Holzpellets als Heizenergiealternative kennen inzwischen die meisten oder sie haben zumindest davon gehört. Doch Strohpellets als Brennstoff für die Heizung? Wo das wirtschaftlich möglich ist, haben wir für dich recherchiert.

 

Herstellung der Strohpellets für die Heizung

Strohpellets werden aus gepresstem Getreidestroh hergestellt. Es handelt sich also um einen erneuerbaren Energieträger, der schnell nachwächst und in ausreichender Menge vorhanden ist. In erster Linie wird Stroh als Humus- und Nährstoffquelle in den Boden der Äcker eingearbeitet. Dies geschieht direkt nach der Ernte oder in Form von Mist zum Düngen nach der Nutzung als Einstreu. Allerdings wird Stroh vielfältig eingesetzt. Daher stehen andere Einsatzbereiche in Konkurrenz zur Heizenergie Stroh.

Dies sind insbesondere:

Gibt es ausreichend Stroh zum Heizen?

In Deutschland gibt es Stroh in großen Mengen – sogar mehr als für landwirtschaftliche Zwecke benötigt wird. Wobei es sowohl Regionen mit Überschuss an Getreidestroh gibt als auch welche mit Strohmangel. Diese können dann ihren Bedarf aus angrenzenden Gegenden decken. Strohüberschuss besteht vor allem im Nordosten Deutschlands, in Mitteldeutschland in den Gegenden um den Harz herum, in Baden-Württemberg und in einigen Teilen Nordbayerns. Zu den Regionen mit Strohmangel zählen der Norden und Osten Nordrhein-Westfalens, Bereiche Niedersachsens und Teile Süddeutschlands.

 

Wie werden Strohpellets hergestellt?

Stroh wird in einem ersten Schritt entweder zermahlen oder sehr fein gehäckselt. Anschließend wird es unter Wasserdampf befeuchtet. Um den Strohpellets eine bessere Bindung und Festigkeit zu verleihen, werden Stärke, Melasse oder Öle beigemischt. Danach wird diese Masse durch die Löcher einer Flachmatrize gepresst. Wichtig ist, dass die Restfeuchte der Pellets weniger als 15 Prozent beträgt. Daher werden sie oft in einem letzten Arbeitsschritt noch getrocknet.

Die Strohpellets sind in der Regel 6 bis 10 Millimeter dick und knapp ein Zentimeter lang. Angeliefert werden sie als Schüttgut oder in Big-Bags. Es gibt auch spezielle Pelletpressen für landwirtschaftliche Anlagen, um die Pellets selbst vor Ort herzustellen. Diese kosten etwa 1.300 bis knapp 3.000 Euro.

 

Wie nachhaltig sind Strohpellets für die Heizung?

Zum einen ersetzen sie fossile Energieträger wie Öl und Gas, was schon einmal gut für das Klima ist. Im Gegensatz zu Holz ist Stroh zudem wirklich CO2-neutral, weil es sehr schnell nachwächst. Wird Holz verbrannt, verweilt das CO2 so lange in der Atmosphäre, bis entsprechend viele neue Bäume nachgewachsen sind, um diese Menge wieder zu binden. Und das dauert 30 Jahre und länger. Umwelt und Klima sollten wir aber sofort entlasten. Werden die Bäume jedoch nicht abgeholzt oder zu Bauholz verarbeitet, dient das Holz weiter als CO2-Speicher.

Vor allem im ländlichen Raum leistet die Herstellung und Nutzung von Strohpellets auch einen Beitrag im Rahmen der regionalen Wertschöpfungskette. Schließlich werden hierbei weder Erdgas oder Öl importiert und transportiert. Das Geld bleibt größtenteils in der Region. Außerdem werden Arbeitsplätze erhalten oder sogar geschaffen.

 

Welche Arten von Strohpellets-Heizungen gibt es?

Für Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es spezielle Pelletkessel für Strohpellets und Strohbriketts, die für die Besonderheiten dieses Brennstoffes ausgelegt sind:

  • hoher Ascheanteil,
  • Schlackenbildung,
  • Korrosionsschäden an Kesselinnenwand und Rohren durch Freisetzung von Chlorgas bei der Verbrennung möglich.

Die Strohheizung funktioniert wie die Holz-Pelletheizung vollautomatisch. Aus einem möglichst nahen Lagerraum werden die Strohpellets beispielsweise über eine Förderschnecke der Heizung zugeführt und verbrannt. Anschließend wird die Asche in einem Aschebehälter aufgefangen. Vor der festsitzenden Schlacke schützt ein luft- und wassergekühlter Rost und verhindert so, dass sich diese in den Heizungsrohren absetzt und sie dadurch mit der Zeit verstopft. Aus diesem Grund solltest du ausschließlich für das Verheizen von Strohpellets zugelassene Pelletkessel verwenden. Außerdem musst du die gesetzlichen Vorschriften der Feuerungsverordnungen (FeuVO) deines Bundeslandes beachten und deine Strohpellets-Heizung muss die Grenzwerte der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) einhalten. Handwerksbetriebe oder Schornsteinfeger sollten das aber wissen. Vereinzelt werden Strohpellets neben Strohballen auch in Heizkraftwerken verbrannt.

 

Wo lohnt sich der Einsatz von Strohpellets für die Heizung?

Vor allem in ländlichen Regionen und für landwirtschaftliche Anlagen mit hohem Bedarf an Wärmeenergie ist das Heizen mit Strohpellets eine gute Alternative. Insbesondere dann, wenn du die Möglichkeit hast, die Strohpresslinge selbst herzustellen. Vorteilhaft ist auch, dass du weniger Lagerraum benötigst als für die gleiche Menge Holzpellets. Auch für größere Gewerbebetriebe im ländlichen Raum sind Strohpellets zum Heizen durchaus interessant.

 

Wie gut ist der Brennwert von Strohpellets?

Mit einem Heizwert von 4,78 Kilowattstunden (kWh) pro Kilogramm Trockenstroh bewegen sich die Strohpellets knapp unter dem von Pellets aus Laubholz, die einen Heizwert von 5,11 Kilowattstunden pro Kilogramm mitbringen. Zum Vergleich: Heizöl hat einen Heizwert von 10 Kilowattstunden pro Kilogramm. Mit etwa 2 bis 2,5 Kilogramm Strohpellets ersetzt du demnach ca. 1 Liter Heizöl oder 1 Kubikmeter Erdgas.

 

Was kostet eine Strohpellets-Heizung?

Kleine Heizkessel für Strohpellets bekommst du für ungefähr 10.000 bis 15.000 Euro. Hinzu kommen dann noch die Kosten für das Pelletsilo mit etwa 1.500 bis 3.000 Euro, die Kosten für das Fördersystem kannst du mit 1.500 bis 2.500 Euro ansetzen und die Installation mit 2.000 bis 4.000 Euro. Erkundige dich bei Installationsbetrieben in deiner Region, die bereits Erfahrung mit Strohpellets-Heizungen haben.

 

Was sind die Vor- und Nachteile von Strohpellets?

Bei der Strohpellets-Heizung handelt es sich um ein Nischenprodukt, das für den Einsatz in Ein- und Mehrfamilienhäusern weniger geeignet ist. Wie viele in Deutschland installiert sind, lässt sich nicht genau sagen. Im Jahr 2015 ging man von etwa 100 Heizungen aus.

Zusammenfassend kannst du hier noch einmal die Vor- und Nachteile der Strohpellets-Heizung einsehen:

Vorteile der Strohpellets

  • günstiger als Öl und Gas
  • CO2-neutral
  • nachhaltig
  • ähnlicher Heizwert wie Holzpellets
  • geringerer Platzbedarf als Holzpellets
  • können selbst hergestellt werden
  • relativ preisstabil

Nachteile von Strohpellets

  • spürbar teurer als eine Holz-Pelletheizung
  • Verbrennung nicht so sauber wie bei Holzpellets
  • Korrosionsschäden an Materialien aus Metall durch Freisetzung von Chlorgas möglich
  • doppelter Ascheanteil als bei Holzpellets
  • Schlackenbildung
  • rieselfähige Beschaffenheit; Schäden des Brennstoffs durch den Transport möglich
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