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Das Nahwärme-Blockheizkraftwerk

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

08.11.2021

Letztes Update

08.12.2021

Erzeugung von Nahwärme mit deinem Blockheizkraftwerk

Was ist Nahwärme, wer kann sie nutzen und wird zu ihrer Erzeugung immer ein Blockheizkraftwerk (BHKW) benötigt? Diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel auf den Grund.

Inhalt des Blogartikels

Was ist Nahwärme, was ist Fernwärme?

Nahwärme und Fernwärme werden außerhalb der zu versorgenden Gebäude erzeugt und über stark gedämmte unterirdische Leitungen herangeführt. Der Unterschied liegt in der Entfernung bzw. der Länge der Wärmenetze. Während Nahwärmenetze meist weniger als 1 Kilometer Länge aufweisen, wird Fernwärme über größere Entfernungen transportiert.

Die Wärme kommt in Form von warmem Wasser, bei sehr alten Anlagen als Dampf, zu den Verbrauchern. In den angeschlossenen Gebäuden befinden sich Übergabestationen. Über einen Wärmetauscher wird die Wärme an das Heizungsnetz des Gebäudes übergeben. Die Übergabestation kann auch mit einem oder mehreren Pufferspeichern für die Warmwasserversorgung des Gebäudes versehen sein.

Die abgenommene Energie wird durch einen Wärmemengenmesser registriert. Auf der Grundlage dieser Messwerte verrechnet der Versorger seine Leistung an die Kunden. Der Endpreis enthält in der Regel einen Grundpreis für den Anschluss und einen von der Abnahmemenge abhängigen Arbeitspreis.

Während Fernwärme in großen Kraftwerken erzeugt wird, erfolgt die Produktion von Nahwärme in kleineren Anlagen, die sich in der Nähe des zu versorgenden Gebiets befinden. Das können städtische Wohngebiete, kleinere Gemeinden oder auch Gewerbegebiete sein.

Heizwerke für die Nahwärmeversorgung verfügen über eine größere Heizkesselanlage, die heutzutage oft mit regenerativen Brennstoffen arbeitet. Unter dem Vorzeichen der Klimakrise wäre die Verwendung fossiler Brennstoffe wie Öl oder Gas kontraproduktiv. Je nach örtlichen Gegebenheiten können die nachhaltigen Brennstoffe zum Beispiel Holzschnitzel aus Forst- und Gartenbauabfällen oder auch Biomethan aus Abfalldeponien oder landwirtschaftlichen Betrieben sein.

Noch wesentlich effizienter ist jedoch die Kopplung der Erzeugung von Kraft (elektrischer Strom) und Wärme durch den Einsatz von Blockheizkraftwerken (BHKW). Diese Kopplung kann von Blockheizkraftwerke auch mit nachhaltigen Brennstoffen wie Biomethan, Biodiesel und sogar Holz betrieben werden.

 

Wie funktioniert die Kombination von Nahwärme und Blockheizkraftwerk?

Die meisten Blockheizkraftwerke produzieren Strom mithilfe eines Generators. Der Generator wird durch einen Verbrennungsmotor angetrieben. Bekanntlich entsteht dabei viel Wärme, die über eine ganze Reihe von Wärmetauschern abgegriffen und in das Nahwärmenetz eingespeist wird.

Das über die Wärmetauscher des BHKWs erwärmte Wasser wird mit Pumpen über das Nahwärmenetz zu den Verbrauchern geleitet. An den einzelnen Übergabestationen gibt das warme Wasser wieder über Wärmetauscher Heizenergie an die jeweilige Heizungsanlage des Hauses ab. Dabei sinkt die Temperatur des Wassers im Nahwärmenetz allmählich und wird zur erneuten Erwärmung zum BHKW zurückgeführt.

Der gleichzeitig durch das Blockheizkraftwerk erzeugte Strom wird entweder direkt über ein separates Stromnetz an angeschlossene Verbraucher abgegeben oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist. In der Praxis erfolgt beides, da der Strombedarf der Abnehmer über den Tag schwankt und überschüssiger Strom daher eingespeist werden muss.

Die zentrale Anlage eines Nahwärmenetzes erzeugt in der Regel weniger als ein Megawatt Heizleistung. Fernwärme ist meist ein „Abfallprodukt" großer Kraftwerke. Die an das Fernwärmenetz abgegebene Heizleistung liegt daher weit darüber.

 

Was kostet die Nahwärme dem Nutzer?

Sowohl bei Fern- als auch bei Nahwärme unterscheiden sich die Kosten regional ganz erheblich. Das Online-Portal co2online.de weist auf Basis des bundesweiten Heizspiegels derzeit bei Fernwärme einen durchschnittlichen Preis von 9,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) aus. Laut Untersuchungen des AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V. beträgt der Preisunterschied von Region zu Region bis zu 28 Prozent.

Für die Nahwärme haben wir bislang keinen bundesweiten Durchschnittspreis gefunden. Zur Orientierung hier der Preis, den die Stadtwerke Wetter derzeit mit 8,89 Cent pro kWh ausweisen. Hinzu kommen die jährlichen Anschlusskosten in Höhe von 31,55 Euro pro Kilowatt (kW) Anschlussleistung.

Als Nutzer von Fern- oder Nahwärme steht dir keine Förderung zu. Gefördert wird jedoch der Umstieg auf Fern- oder Nahwärme sowie die energetische Optimierung der Übergabestation für Wärme. Die Förderungen betreffen also die Eigner und Betreiber von Gebäuden, die an Fern- oder Nahwärmenetze angeschlossen werden.

Die Förderungen des Bundes sind Bestandteil der Bundesförderungen für energieeffiziente Gebäude (BEG). Zum Beispiel wird die Installation von Wärmeübergabestationen zum Anschluss an ein Wärmenetz mit einem Zuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert, wenn bei der Wärmeerzeugung ein Anteil von mindestens 25 Prozent erneuerbarer Energien eingesetzt wird.

Darüber hinaus gibt es eine Fülle unterschiedlicher Fördermaßnahmen von Ländern, Kommunen, Stadtwerken und privatwirtschaftlichen Energieversorgern. Erkundige dich bei dir vor Ort, welche Möglichkeiten du nutzen kannst. Zu deiner Information sei noch gesagt, dass bei den Förderungen nicht zwischen Nah- und Fernwärme unterschieden wird.

 

Lohnt sich das Nahwärme-Blockheizkraftwerk?

Diese Frage geht etwas an der Praxis vorbei. Als Privatperson wirst du sicher kein BHKW samt Nahwärmenetz errichten. Das wirst du nur als Unternehmen oder unternehmensähnliche Eigentümergemeinschaft tun. Ob sich das lohnt, hängt ganz von den Investitionskosten und den erzielbaren Umsätzen ab.

Als Hauseigentümer stellt sich für dich aber die Frage, ob sich der Anschluss deines Gebäudes an ein Wärmenetz lohnt. Voraussetzung ist, dass im Bereich deines Hauses überhaupt ein solches Netz existiert. Ist das der Fall, kann es aber auch sein, dass ein Anschlusszwang besteht. Dann hast du ohnehin keine Wahl.

Vor- und Nachteile im Überblick

Wenn du die Wahl hast, solltest du Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen.

Vorteile:

  • Übergabestation ist weniger kompliziert als Heizkessel
  • kein Schornstein notwendig
  • geringere Wartungskosten
  • geringerer Platzbedarf
  • keine Bevorratung von Brennstoff notwendig
  • Anschlusskosten förderfähig
  • Investitions- und Wärmekosten werden auf alle angeschlossenen Haushalte umgelegt

Nachteile:

  • kein Anbieterwechsel möglich
  • langfristige Vertragsbindung (10 Jahre üblich)
  • festgelegte Abnahmemenge selten nachträglich anpassbar

Angesichts der Fördermöglichkeiten und der vielen Vorteile lohnt sich für Hauseigentümer die Nutzung von Nahwärme. Nachhaltig ist diese Lösung, wenn zur Wärmeerzeugung hocheffiziente BHKWs und ein möglichst hoher Anteil erneuerbarer Energieträger eingesetzt wird.

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