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Die Mitteltemperatur-Wärmepumpe

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

10.04.2021

Letztes Update

09.12.2021

Die Mitteltemperatur-Wärmepumpe

Im Altbau kann die Vorlauftemperatur systembedingt oder aufgrund baulicher Gegebenheiten oft nicht gesenkt werden. Dann kann eine Mitteltemperatur-Wärmepumpe die Lösung sein.

Inhaltsverzeichnis

Mitteltemperatur-Wärmepumpe: Warum gibt es unterschiedliche Typen?

Wärmepumpen sind sowohl für den Neubau als auch für den Altbau inzwischen zur Standardlösung geworden. Sie entziehen nach dem Prinzip eines rückwärts arbeitenden Kühlschranks einer Wärmequelle (zum Beispiel Wasser, Erdreich oder Luft) Energie und speisen diese über den Wärmepumpenkreislauf in das Heizsystem ein. Das funktioniert sogar bei Minustemperaturen und kann bei der Produktion von Heizwärme viel Geld und Energie einsparen.

Für den Eigenbetrieb benötigt die Wärmepumpe allerdings Strom, welchen du entweder im Idealfall vor Ort durch eine Solaranlage erzeugst oder zumindest ergänzen kannst. Wie gut die Effizienz einer Wärmepumpe letztlich ist, hängt unter anderem von den baulichen und systembedingten Voraussetzungen von Heizung und Gebäude ab. Bei Neubauten kannst du davon ausgehen, dass deine Wärmepumpe für die Heizungsunterstützung circa 25 Prozent Strom und 75 Prozent Umweltwärme benötigt. Im Altbau kann dieses Verhältnis jedoch deutlich ungünstiger ausfallen. Verantwortlich dafür sind neben anderen baulichen Voraussetzungen (zum Beispiel schlechtere Wärmedämmung) vor allem alte Heizsysteme, die höhere Vorlauftemperaturen erfordern.

Während eine Flächenheizung im Neubau mit Vorlauftemperaturen von nur 35 Grad Celsius auskommt, sind für klassische Heizkörper oft Temperaturen von weit über 50 Grad Celsius erforderlich. Deswegen bieten Hersteller verschiedene Arten von Wärmepumpen an:

  • Niedertemperatur-Wärmepumpe (bis maximal 55 Grad Celsius Vorlauftemperatur geeignet)
  • Mitteltemperatur-Wärmepumpe (bis circa 65 Grad Celsius Vorlauftemperatur geeignet)
  • Hochtemperatur-Wärmepumpe (sogar über 80 Grad Celsius Vorlauftemperatur geeignet)

Da insbesondere bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe (oder kurz Luftwärmepumpe) der Bedarf an elektrischer Energie steigt, je höher die Vorlauftemperatur ist, verschlechtert sich der Wirkungsgrad des Systems insgesamt. Dies wirkt sich auch auf die Jahresarbeitszahl (JAZ) aus, die wiederum ein wichtiger Faktor für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit beim Einsatz einer Wärmepumpe ist.

Übrigens: In unserem Blogbeitrag zur Luft-Wasser-Wärmepumpe erklären wir dir ausführlicher, wie diese Wärmepumpen-Art funktioniert.

Warum ist die Vorlauftemperatur so wichtig?

Um einen Raum auf Temperatur zu bringen, muss das Wasser in deinem Heizkörper oder in der Flächenheizung mit einer bestimmten Mindesttemperatur ankommen. Diese Wärme wird dann zum Teil an die Raumluft abgegeben, um dein Zimmer zu heizen. Anschließend fließt das Wasser über den Rücklauf zurück zum Heizkessel, um dort erneut Wärme aufzunehmen.

Die Temperaturdifferenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur bezeichnen Fachleute auch als Systemtemperatur. Sie wird für die Berechnung der Größe von Wärmetauschern oder Heizflächen herangezogen. Der Begriff Vorlauftemperatur kommt also daher, dass das Wasser vor dem Durchlauf durch die Heizkörper beziehungsweise Flächenheizung auf besagte Mindesttemperatur gebracht werden muss.

Je geringer die benötigte Vorlauftemperatur ist, desto besser ist das für den Energieverbrauch. Bauartbedingt benötigen klassische Heizkörper eine höhere Vorlauftemperatur als in etwa eine Fußbodenheizung. Es leuchtet ein, dass eine Wärmepumpe umso effizienter arbeiten kann, je geringer die benötigte Temperatur ist.

 

Wann ist der Einbau einer Mitteltemperatur-Wärmepumpe sinnvoll?

Viele Niedertemperatur-Wärmepumpen erreichen beim Einsatz im Altbau mit klassischen Heizkörpern keine ausreichende Vorlauftemperatur. Deswegen baut mancher Bauherr automatisch eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ein, deren hohe Temperaturen jedoch letztlich gar nicht immer erforderlich sind, um den Wärmebedarf zu decken. Als Alternative bietet sich also die Mitteltemperatur-Wärmepumpe an, die mit Vorlauftemperaturen von maximal 65 Grad Celsius in vielen Fällen ausreicht. Ihr Vorteil liegt in der besseren Energieeffizienz im Vergleich zur Hochtemperatur-Wärmepumpe.

Ob sich das Ganze rechnet, hängt vor allem davon ab, wie teuer die Anpassung deines Heizsystems an eine Niedertemperatur-Wärmepumpe wäre – und ob diese technisch überhaupt möglich ist. In vielen Gebäuden besteht die Möglichkeit, die vorhandene Vorlauftemperatur abzusenken. Das ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch des Komforts, denn natürlich muss die Heizung nach Absenkung der Temperatur weiterhin in der Lage sein, deine Wohnung ausreichend zu beheizen. Ist dies nicht der Fall oder gibt es technische Gründe, die gegen eine Senkung der Vorlauftemperatur sprechen, bliebe theoretisch auch die Umrüstung des gesamten Heizsystems auf eine moderne Niedertemperatur-Anlage mit Flächenheizungen.

Letztlich läuft es auf die Gegenüberstellung der Kosten hinaus, die ein solcher Umbau im Vergleich zum teureren Betrieb einer Mitteltemperatur-Wärmepumpe oder gar Hochtemperatur-Wärmepumpe verursachen würde. Bei Neubauten sieht es anders aus, denn hier kann das Heizsystem meist von Beginn an wirtschaftlich ausgelegt werden. Außerdem spielt es eine Rolle, woher der benötigte Strom für die Mitteltemperatur Wärmepumpe stammt. Kannst du diesen etwa durch eine Photovoltaikanlage weitgehend selbst erzeugen, relativieren sich die Kosten des zusätzlichen Stromverbrauchs.

 

Sind Mitteltemperatur-Wärmepumpen förderfähig?

Aktuell fördert der Staat Wärmepumpen besonders. Realisiert wird die Förderung von Mitteltemperatur-Wärmepumpen ebenso wie die ihrer „Geschwister“ über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Je nachdem, ob du lieber einen Zuschuss oder einen Kredit für deine Maßnahmen erhalten möchtest, kannst du beim BAFA beziehungsweise bei der KfW entsprechende Anträge stellen. Bis zu 50 Prozent Förderung sind für Wärmepumpen möglich. Beachte, dass diese Einzelmaßnahme nur für Bestandsbauten gilt.

Bist du dir nicht sicher, ob sich das alles lohnt, solltest du auch die Förderprogramme für eine generelle Heizungsmodernisierung beziehungsweise energetische Sanierung eines Altbaus ins Auge fassen. Wichtig ist jedoch, bei allen Maßnahmen die Anträge vor Beginn der Baumaßnahmen zu stellen, da nachträglich gestellte Anträge nicht genehmigt werden.

 

Vorteile und Nachteile einer Mitteltemperatur-Wärmepumpe

Eine Mitteltemperatur-Wärmepumpe kann die perfekte Lösung sein, wenn eine Hochtemperatur-Wärmepumpe zu ineffizient und eine Niedertemperatur-Wärmepumpe mit deinem Heizsystem beziehungsweise Gebäude nicht kompatibel ist.

Entscheidend ist die Frage, wie hoch die benötigte Vorlauftemperatur ist und ob sich die Kosten eines kompletten Heizungstauschs auf ein effizienteres System im Vergleich zum teureren Betrieb einer Mitteltemperatur-Wärmepumpe langfristig rechnen. Einbeziehen solltest du hierfür insbesondere den höheren Strombedarf sowie die Möglichkeit, staatliche Förderungen zu erhalten.

Vorteile

  • effizienter und günstiger als Hochtemperatur-Wärmepumpen
  • praktikable Lösung, wenn Absenkung der Vorlauftemperatur nicht möglich ist
  • Vorlauf von Mitteltemperatur-Wärmepumpen für die meisten Nutzer oft völlig ausreichend
  • bessere Heizleistung als bei Niedertemperatur-Wärmepumpen

Nachteile

  • Verschlechterung der Jahresarbeitszahl bei höherer Vorlauftemperatur
  • höherer Strombedarf als bei Niedertemperatur-Wärmepumpen
  • Umrüstung der kompletten Heizung je nach Gebäude manchmal sinnvoller
  • schlechtere Umweltbilanz durch höheren Energieverbrauch
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