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Mini-BHKW mit Gas

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

21.04.2021

Letztes Update

08.12.2021

Sind Gas-Mini-BHKW noch zeitgemäß?

Kleine Blockheizkraftwerke (BHKW) erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme. Das spart Energie und schont die Umwelt. Das gilt auch für den Gasbetrieb. Ob dein Haus geeignet ist, erfährst du hier.

Inhalt des Blogartikels

Mit Gas und einem Mini-BHKW Strom und Wärme selbst produzieren

Um gleichzeitig Wärme und Strom zu erzeugen, benötigt ein Mini-BHKW einen Verbrennungsmotor. Dieser kann mit Erd-, Flüssig- und Biogas betrieben werden. Aber auch flüssige Brennstoffe wie Diesel, Heiz- und Rapsöl sind möglich, selbst Holz. Für die Stromproduktion treibt der Verbrennungsmotor einen Generator an. Während dieses Prozesses fällt im Motorblock Abwärme an. Diese wird über einen Wärmetauscher dem Heizkreis zugeführt. Zusätzlich wird zur Brauchwassererwärmung die im Abgas enthaltene Energie eingesetzt. Die doppelte Energienutzung – Strom und Wärme – ist unter dem Begriff Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bekannt. Vorteil der Kraft-Wärme-Kopplung ist, dass du mit einem Gerät eigenen Strom produzieren und das Haus beheizen kannst.

Grundsätzlich setzt sich ein Blockheizkraftwerk aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Motor
  • Generator
  • Wärmetauscher

Um Raumwärme bereitzustellen, benötigst du in der Regel zusätzlich:

Es werden aber auch Geräte mit integriertem Spitzenlastkessel angeboten. Durch die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung ist es möglich, nahezu den kompletten Energiegehalt des eingesetzten Brennstoffs zu verwerten. Ein Blockheizkraftwerk produziert Strom und Wärme etwa im Verhältnis 1 zu 3. Das bedeutet, bei einer elektrischen Leistung (Strom) von 1 Kilowatt, kannst du für deine Heizung mit einer thermischen Leistung (Wärme) von circa 3 Kilowatt rechnen. Grundsätzlich kannst du den Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser – inklusive Einsatz eines Spitzenlastkessels und Pufferspeichers – vollständig und bis zu 60 Prozent den Strombedarf decken.

 

Einsatzbereiche von Gas Mini-BHKW

Normalerweise ist der Energiebedarf von Ein- und Zweifamilienhäusern zu niedrig, um ein Mini-BHKW mit Gas oder einem anderen Brennstoff  wirtschaftlich zu betreiben. Selbst die Einspeisevergütung für Überschussstrom, der in das Stromnetz geleitet wird, ändert daran nichts. Für diese Häuser sind Nano- und Mikro-BHKW-Anlagen mit Gas interessant. Doch hier hat sich der Markt verändert. Waren bis vor kurzem im kleinen Leistungsbereich bis 3 Kilowatt Stirlingmotoren üblich, dominiert hier inzwischen die mit Brennstoffzellen betriebene Heizung. Mikro-BHKW mit Erd- oder Flüssiggas betriebenen Stirlingmotoren hat seit 2020 kein Hersteller mehr im Programm. Mit reinen Verbrennungsmotoren sind die ganz kleinen Blockheizkraftwerke „noch“ auf dem Markt vertreten. Die Bezeichnung „Mini-BHKW“ suggeriert, dass es sich hierbei um kleine stromerzeugende Anlagen für Ein- und Zweifamilienhäuser handelt. Dem ist aber nicht so, daher hier eine kurze Auflistung, welche Untergruppen es gibt:

  • Mini-BHKW: Leistung 15 bis 50 kW (Kilowatt), z. B. für Krankenhäuser, Altenheime, kommunale Gebäude und Hotels sowie große Mehrfamilienhäuser
  • Mikro-BHKW: Leistung 2,5 bis 14,9 kW, z. B. für Mehrfamilienhäuser und Gewerbebetriebe
  • Nano-BHKW: Leistung unter 2,5 kW für Ein- und Zweifamilienhäuser
  • Brennstoffzellen-BHKW: Leistung 0,7 bis 1,8 kW für Ein- und Mehrfamilienhäuser.  

Was spricht für Mini-BHKW mit Gas?

Aufgrund der hohen Verfügbarkeit über das Erdgasleitungsnetz ist es ohne großen Aufwand möglich, Erdgas als Brennstoff einzusetzen. Außerdem benötigst du für eine Mini-BHKW-Anlage mit Gas keinen zusätzlichen Lagerraum wie für Flüssiggas, Öl oder Holz. Hinzu kommt, dass Erdgas gegenüber Öl rund ein Drittel weniger CO₂ ausstößt. Beides ist vor allem in Städten von Vorteil. Holz- und Holzreste kommen daher auch bevorzugt in ländlichen Regionen zum Einsatz. Gleiches gilt für Biogas. Allerdings gibt es aktuell auch Energieversorger, die Ökogas aus 100 Prozent biogenen Reststoffen anbieten oder garantieren, dass die bei Förderung, Transport und Verbrennung entstehenden CO2-Emissionen von Erdgas durch Aufforstung und Waldschutzprojekte wieder ausgeglichen werden, wodurch eine CO2-Neutralität entsteht.

Ein Blockheizkraftwerk nutzt den Brennstoff sehr effizient. Der Strom wird vor Ort erzeugt, es entstehen somit keine großen Verluste. Es können 80 bis 90 Prozent der eingesetzten Energie als Strom und Wärme genutzt werden. Bei der Stromerzeugung in großen Kraftwerken hingegen lassen sich lediglich rund 40 Prozent der eingesetzten Energie in Strom umwandeln. Zusätzlich gehen 3 bis 6 Prozent Energie während des Transportes verloren. BHKW schützen also die natürlichen Ressourcen und reduzieren die CO2-Emission spürbar. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und helfen, die Energiekosten zu senken. Alles eigentlich beste Voraussetzungen für den Einsatz in Mehrfamilienhäusern oder größeren Gebäudekomplexen.

 

Was spricht gegen Mini-BHKW mit Gas?

Gas ist ein fossiler Brennstoff und das ist ein echtes Manko. Wenn du die aktuelle Förderpolitik genauer betrachtest, stellst du schnell fest, dass der Fokus eindeutig auf erneuerbare Energien ausgerichtet ist. Gas wird nur in Kombination mit erneuerbarer Energietechnik gefördert. So wird eine Gasheizung auch in der seit Januar 2021 gültigen Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) lediglich als Gas-Hybridheizung oder als Gas-Brennwertheizung gefördert, die auf die Kombination mit einer erneuerbaren Energie vorbereitet ist: Renewable Ready. Nano- und Mikro-BHKW-Anlagen werden nicht mehr gefördert; einzige Ausnahme ist die Brennstoffzellenheizung.

CO2-Steuer für Gas

Ebenfalls seit Jahresbeginn 2021 greift die CO2-Steuer beziehungsweise CO2-Bepreisung. Erdgas verteuert sich um 0,46 Cent pro Kilowattstunde und soll bis 2026 dann auf 1,18 Cent pro Kilowattstunde angehoben werden. Laut Verbraucherzentrale musst du bei einem für ältere Einfamilienhäuser typischen jährlichen Gasverbrauch von rund 20.000 Kilowattstunden Erdgas inklusive Mehrwertsteuer circa 120 Euro mehr bezahlen, 2025 sind es dann bereits 264 Euro. Die „normalen“ Preissteigerungen“ kommen natürlich immer noch dazu.

Mini-BHKW mit Gas sind teuer

Ein weiterer Nachteil sind die hohen Anschaffungskosten. Ein Mikro-BHKW mit Gas-Verbrennungsmotor für ein normal großes Mehrfamilienhaus kostet im Schnitt etwa 15.000 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für Installation, einen Pufferspeicher und eine spezielle Abgasführung. Zusammen können das noch einmal rund 9.000 Euro sein, also insgesamt 24.000 Euro. Entscheidest du dich für ein Mini-BHKW mit Gas, musst du von etwa 39.000 Euro ausgehen, davon 30.000 Euro allein für das Gerät. Die jährlichen Betriebskosten kannst du mit etwa 1.500 bis 2.000 Euro veranschlagen. Das klingt viel, aber du darfst dabei nicht vergessen, dass dein BHKW ja auch Strom erzeugt. Ein reiner Kostenvergleich mit anderen Heizsystemen ist daher nicht realistisch.

Hoher bürokratischer Aufwand

Weil dein BHKW auch Strom erzeugt, musst du dein Mini-BHKW beim Netzbetreiber anmelden. Denn Strom, den du ins Netz einspeist, aber auch selbstgenutzter BHKW-Strom, wird gemäß Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWK-Gesetz) mit einem Zuschlag gefördert. Dazu muss die Anlage allerdings vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zugelassen werden. Eine Einspeisevergütung nach EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) gibt es nur für mit Biomasse bzw. Biogas betrieben Anlagen. BHKW-Brennstoffe erhalten einen ermäßigten Steuersatz. Daher kannst du bei dem für dich zuständigen Hauptzollamt die komplette Rückerstattung der Energiesteuer beantragen. Allerdings muss gemäß Energiesteuergesetz (EnStG) dein BHKW mindestens 70 Prozent der eingesetzten Energie in Strom und Wärme umwandeln.

 

Wirtschaftlichkeit deines Mini-BHKW

Sorgfältige, exakte Planung und Berechnung der erforderlichen Leistungsgröße sind unabdingbar. Doch die richtige Leistungsgröße für dein BHKW zu ermitteln, ist nicht so einfach und Fehler werden durch finanzielle Einbußen bestraft. Kern der Planung ist daher die Ermittlung der richtigen Leistungsgröße. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ist ebenfalls sehr wichtig. Das solltest du dabei unbedingt beachten:

  • Leistungsbedarf, Anschaffungskosten, Zusatzkosten wie Installation, spezieller Kamin, Pufferspeicher, zusätzliche Stromzähler, eventuelle bauliche Veränderungen und Anpassung des Aufstellortes sowie Betriebs- und Wartungskosten, bei Finanzierung Zinsen
  • regionale Fördergelder
  • Einspeisevergütung
  • Energiesteuerrückerstattung

Überlasse Planung und Umsetzung immer einem Fachmann, denn zu viele individuelle Faktoren beeinflussen die Wirtschaftlichkeit deines BHKWs. Eine pauschale Berechnung ist hier nicht zielführend. Damit dein Mini-BHKW wirtschaftlich arbeitet, sollte das Haus ganzjährig einen hohen Wärmebedarf haben: mindestens 40.000 Kilowattstunden und einen jährlichen Strombedarf von ca. 10.000 Kilowattstunden, und das ist sehr viel. Ein unsaniertes Haus aus den 1950er Jahren mit 130 Quadratmeter Wohnfläche hat im Schnitt einen Energiebedarf von 23.400 Kilowattstunden.

So gut der Einsatz von Mini-BHKW für die Umwelt auch ist, ihr Einsatz in Einfamilienhäusern und kleinen Mehrfamilienhäusern ist nur in wenigen speziellen Ausnahmefällen wirtschaftlich möglich. Wenngleich die zahlreichen positiven Artikel im Internet einen anderen Eindruck entstehen lassen, so sprechen die Zahlen aus der Praxis eine deutliche Sprache: Hersteller haben kleine BHKW bereits 2020 aus dem Programm genommen. Die geringen Verkaufszahlen sind seit einigen Jahren weiter rückläufig. Selbst aus der Bundesförderung effizienter Heizsysteme wurden 2021 kleine BHKW gestrichen.

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