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Hydraulischen Abgleich selber machen

√úber diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

04.04.2022

Letztes Update

26.01.2023

Hydraulischen Abgleich selber machen: Tipps und Hinweise

Ein richtig durchgef√ľhrter hydraulischer Abgleich sorgt f√ľr die optimale Funktion der Heizung. Erfahre hier, wie er abl√§uft und ob du den Abgleich selber machen solltest.

Inhalt des Blogartikels

Sollte ich den hydraulischen Abgleich selber machen oder Experten beauftragen?

Wir raten dir davon ab, den hydraulischen Abgleich selber zu machen. Es m√ľssen einige Annahmen getroffen werden, bei denen du dich schnell versch√§tzen kannst. Dann sind deine Einstellungen an der Anlage m√∂glicherweise nicht korrekt. Ein Fachmann hat praktische Erfahrungen und eine Profi-Software, auf die Laien keinen Zugriff haben.

Zwar kostet der hydraulische Abgleich durch einen Experten ein mehrere hundert Euro, daf√ľr arbeitet deine Anlage anschlie√üend besser und energieeffizienter. Das spart Energie und Heizkosten, wodurch du die Ausgabe wieder ausgleichst. Hinzu kommt, dass du nur dann staatliche F√∂rdergelder f√ľr den hydraulischen Abgleich erh√§ltst, wenn nachweislich der Fachmann die Arbeiten durchf√ľhrt. Wir zeigen dir den Ablauf eines hydraulischen Abgleichs der Heizung im √úberblick.

 

Ablauf des hydraulischen Abgleichs

Eine Heizungsanlage besteht neben dem Heizkessel aus einer Reihe von Heizk√∂rpern, die mit Rohren verbunden sind. Das Heizungswasser sucht den Weg des geringsten Widerstandes. Jeder Heizk√∂rper, alle Thermostatventile, Rohrkr√ľmmungen, Rohrverbindungen und auch die Rohre selbst stellen einen Widerstand dar. Daher wird der Heizk√∂rper, der sich am n√§chsten am Heizkessel befindet, ohne einen hydraulischen Abgleich sehr hei√ü, w√§hrend der am weitesten entfernte nahezu kalt bleibt. Der hydraulische Abgleich gliedert sich in die folgenden Schritte:

Wärmebedarf des Gebäudes

Der W√§rmebedarf des Geb√§udes wird durch die Bauweise, den Grad der W√§rmed√§mmung und die verwendeten Baumaterialien bestimmt. Beispielsweise hat ein modernes Niedrigenergiehaus einen W√§rmebedarf zwischen 25 und 40 Watt pro Quadratmeter Wohnfl√§che. √Ąltere Geb√§ude, die nach der W√§rmeschutzverordnung von 1977 gebaut wurden, weisen einen wesentlich h√∂heren W√§rmebedarf von 70 bis 130 Watt pro Quadratmeter auf.

Spezifische Heizlast der einzelnen Räume ermitteln

Die Heizlast eines Raumes bestimmst du, indem du den Wärmebedarf des Gebäudes mit der Fläche des Raums multiplizierst. Dabei ist zu beachten, dass Eckzimmer mit 2 Außenwänden und Räume mit mehreren und großen Fenstern eine höhere Heizlast besitzen. Der rechnerisch ermittelte Wert muss daher mit einem Korrekturfaktor entsprechend erhöht werden.

Heizflächen registrieren

In diesem Schritt des hydraulischen Abgleichs geht es darum, die technischen Daten jedes einzelnen Heizk√∂rpers und des zugeh√∂rigen Ventils aufzunehmen und in einer Tabelle zu erfassen. Dazu z√§hlen Angaben zu Abmessungen (L√§nge, H√∂he, Tiefe in Millimeter), Typ (DIN-Heizk√∂rper, Flachheizk√∂rper, R√∂hrenradiator, Badheizk√∂rper) und Ventiltyp (Fabrikat, voreinstellbar ja/nein). Dar√ľber hinaus m√ľssen die Systemtemperaturen der Heizungsanlage bekannt sein. Damit sind die Temperaturen von Vor- und R√ľcklauf gemeint. Typische Werte bei Warmwasserheizungen sind zum Beispiel 70 Grad Celsius / 50 Grad Celsius oder 55 Grad Celsius / 45 Grad Celsius. Diese Werte sind aus der in der Steuerung des Heizkessels festgelegten Heizkurve ablesbar.

Leistung der Heizkörper berechnen

Aus den im vorhergehenden Schritt ermittelten Daten l√§sst sich f√ľr jeden Heizk√∂rper die Leistung ermitteln. So kannst du feststellen, ob die Leistung f√ľr die Heizlast des jeweiligen Raumes ausreicht bzw. ob sie zu hoch oder zu niedrig ist. Korrekturen k√∂nnen beispielsweise √ľber die Anpassung der Vorlauftemperatur vorgenommen werden. Optimal ist eine Spreizung zwischen Vor- und R√ľcklauf von 15 bis 20 Kelvin.

Volumenstrom berechnen

Im Anschluss wird der notwendige Volumenstrom des Heizungswassers f√ľr jeden Heizk√∂rper in allen Heizkreisen berechnet. Dazu m√ľssen Werte zur Heizk√∂rperleistung, Dichte des Wassers, spezifischen W√§rmekapazit√§t von Wasser sowie die Temperaturspreizung zwischen Vor- und R√ľcklauf vorliegen. Die Druckdifferenz vor und nach dem Thermostatventil sollte zwischen 50 und 100 Millibar liegen. F√ľr die Thermostatk√∂pfe der Ventile empfiehlt sich eine Regeldifferenz von 1 Kelvin.

Voreinstellung der Heizkörperventile

Mit einem Auslegungsdiagramm des Ventilherstellers l√§sst sich aus dem errechneten Volumenstrom und dem Differenzdruck die notwendige Voreinstellung des Ventils ermitteln. Manche Hersteller bieten daf√ľr kostenlose Auslegungsprogramme oder Smartphone-Apps an.

Verwendung von Differenzdruckreglern

Beim hydraulischen Abgleich ist der Einsatz von Differenzdruckreglern sinnvoll, wenn Heizungskreise √ľber mehr als ein Stockwerk verlaufen. Damit wird der Differenzdruck im Strang konstant gehalten. Zudem k√∂nnen die Heizk√∂rperventile in einem Bereich arbeiten, in dem sie keine Str√∂mungsger√§usche durch eine zu hohe Druckdifferenz verursachen. Der Einbau eines Differenzdruckreglers erfordert die Auftrennung der Rohrleitung und sollte daher nur vom Fachmann vorgenommen werden.

F√∂rderh√∂he und F√∂rderstrom f√ľr die Heizungspumpe berechnen

Der Förderstrom (Volumenstrom) lässt sich beim hydraulischen Abgleich auf 2 Arten berechnen:

  • Zum einen aus der Gesamtheizlast des Geb√§udes, die wir am Anfang bestimmt haben. Bei dieser Methode wird die Heizlast mit einem Faktor aus den Konstanten von Dichte und W√§rmekapazit√§t des Wassers multipliziert und durch die Temperaturspreizung aus Vor- und R√ľcklauf geteilt.
  • Einfacher ist die zweite Methode, bei der die Volumenstr√∂me aller Heizk√∂rper miteinander addiert werden.

Die F√∂rderh√∂he hat nichts mit der H√∂he des Hauses oder der L√§nge der Rohrleitungen zu tun, durch die die Pumpe das Heizungswasser bewegen soll. Es geht um den Druck, den die Pumpe aufbauen muss, um das Wasser in der gew√ľnschten Weise durch die Heizungsanlage zu transportieren. Die entsprechende Ma√üeinheit ist Meter Wassers√§ule. Dabei handelt es sich um eine veraltete Ma√üeinheit, die im Heizungs-/Sanit√§rbereich noch genutzt wird.

Der Wert berechnet sich aus dem Reibungswiderstand der Rohrleitungen mal der Summe aus (L√§nge und Breite des Geb√§udes plus die summierten Raumh√∂hen der Etagen) mal den Korrekturfaktor f√ľr das Vorhandensein von Formst√ľcken in der Rohrleitung. Das Ergebnis ist durch 10.000 zu teilen, um auf die Ma√üeinheit Meter Wassers√§ule zu kommen. Anhand dieser beiden Werte kann die passende Heizungspumpe ausgew√§hlt und nach dem Einbau die Werte am Pumpendisplay eingestellt werden.

Hydraulischen Abgleich dokumentieren

Ein Fachmann dokumentiert ausf√ľhrlich alle aufgenommenen Daten, die Arbeitsschritte und die ermittelten Ergebnisse. Das ist eine Voraussetzung, um staatliche F√∂rdermittel f√ľr den hydraulischen Abgleich zu bekommen. Solltest du die Arbeiten selbst durchf√ľhren, ist die Dokumentation ebenfalls notwendig. So kannst du sp√§ter nachvollziehen, auf welcher Grundlage du welche Einstellungen an deiner Anlage vorgenommen hast.

 

Der Abgleich bei Fußbodenheizungen

Auch Fu√übodenheizungen ben√∂tigen f√ľr ihre optimale Funktion einen hydraulischen Abgleich. Die Vorgehensweise ist √§hnlich wie bei den oben beschriebenen Heizk√∂rperanlagen. Du musst allerdings bedenken, dass verschiedene Fu√übodenbel√§ge √ľber der Fu√übodenheizung die Heizleistung mit unterschiedlicher Wirkung beeinflussen. Ein Fliesenfu√üboden leitet die W√§rme aus der Heizung beispielsweise nahezu verlustfrei weiter. Bei Laminat und textilen Bel√§gen ist das nicht der Fall. Deswegen musst du bei der Berechnung der notwendigen Volumenstr√∂me entsprechende Korrekturfaktoren hinzuf√ľgen.

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