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Hydraulischen Abgleich selber machen

Ăśber diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

04.04.2022

Letztes Update

12.04.2022

Hydraulischen Abgleich selber machen: Tipps und Hinweise

Ein richtig durchgeführter hydraulischer Abgleich sorgt für die optimale Funktion der Heizung. Erfahre hier, wie er abläuft und ob du den Abgleich selber machen solltest.

Inhalt des Blogartikels

Sollte ich den hydraulischen Abgleich selber machen oder Experten beauftragen?

Wir raten dir davon ab, den hydraulischen Abgleich selber zu machen. Es mĂĽssen einige Annahmen getroffen werden, bei denen du dich schnell verschätzen kannst. Dann sind deine Einstellungen an der Anlage möglicherweise nicht korrekt. Ein Fachmann hat praktische Erfahrungen und eine Profi-Software, auf die Laien keinen Zugriff haben.

Zwar kostet der hydraulische Abgleich durch einen Experten ein mehrere hundert Euro, dafĂĽr arbeitet deine Anlage anschlieĂźend besser und energieeffizienter. Das spart Energie und Heizkosten, wodurch du die Ausgabe wieder ausgleichst. Hinzu kommt, dass du nur dann staatliche Fördergelder fĂĽr den hydraulischen Abgleich erhältst, wenn nachweislich der Fachmann die Arbeiten durchfĂĽhrt. Wir zeigen dir den Ablauf eines hydraulischen Abgleichs der Heizung im Ăśberblick.

 

Ablauf des hydraulischen Abgleichs

Eine Heizungsanlage besteht neben dem Heizkessel aus einer Reihe von Heizkörpern, die mit Rohren verbunden sind. Das Heizungswasser sucht den Weg des geringsten Widerstandes. Jeder Heizkörper, alle Thermostatventile, Rohrkrümmungen, Rohrverbindungen und auch die Rohre selbst stellen einen Widerstand dar. Daher wird der Heizkörper, der sich am nächsten am Heizkessel befindet, ohne einen hydraulischen Abgleich sehr heiß, während der am weitesten entfernte nahezu kalt bleibt. Der hydraulische Abgleich gliedert sich in die folgenden Schritte:

Wärmebedarf des Gebäudes

Der Wärmebedarf des Gebäudes wird durch die Bauweise, den Grad der Wärmedämmung und die verwendeten Baumaterialien bestimmt. Beispielsweise hat ein modernes Niedrigenergiehaus einen Wärmebedarf zwischen 25 und 40 Watt pro Quadratmeter Wohnfläche. Ă„ltere Gebäude, die nach der Wärmeschutzverordnung von 1977 gebaut wurden, weisen einen wesentlich höheren Wärmebedarf von 70 bis 130 Watt pro Quadratmeter auf.

Spezifische Heizlast der einzelnen Räume ermitteln

Die Heizlast eines Raumes bestimmst du, indem du den Wärmebedarf des Gebäudes mit der Fläche des Raums multiplizierst. Dabei ist zu beachten, dass Eckzimmer mit 2 Außenwänden und Räume mit mehreren und großen Fenstern eine höhere Heizlast besitzen. Der rechnerisch ermittelte Wert muss daher mit einem Korrekturfaktor entsprechend erhöht werden.

Heizflächen registrieren

In diesem Schritt des hydraulischen Abgleichs geht es darum, die technischen Daten jedes einzelnen Heizkörpers und des zugehörigen Ventils aufzunehmen und in einer Tabelle zu erfassen. Dazu zählen Angaben zu Abmessungen (Länge, Höhe, Tiefe in Millimeter), Typ (DIN-Heizkörper, Flachheizkörper, Röhrenradiator, Badheizkörper) und Ventiltyp (Fabrikat, voreinstellbar ja/nein). DarĂĽber hinaus mĂĽssen die Systemtemperaturen der Heizungsanlage bekannt sein. Damit sind die Temperaturen von Vor- und RĂĽcklauf gemeint. Typische Werte bei Warmwasserheizungen sind zum Beispiel 70 Grad Celsius / 50 Grad Celsius oder 55 Grad Celsius / 45 Grad Celsius. Diese Werte sind aus der in der Steuerung des Heizkessels festgelegten Heizkurve ablesbar.

Leistung der Heizkörper berechnen

Aus den im vorhergehenden Schritt ermittelten Daten lässt sich fĂĽr jeden Heizkörper die Leistung ermitteln. So kannst du feststellen, ob die Leistung fĂĽr die Heizlast des jeweiligen Raumes ausreicht bzw. ob sie zu hoch oder zu niedrig ist. Korrekturen können beispielsweise ĂĽber die Anpassung der Vorlauftemperatur vorgenommen werden. Optimal ist eine Spreizung zwischen Vor- und RĂĽcklauf von 15 bis 20 Kelvin.

Volumenstrom berechnen

Im Anschluss wird der notwendige Volumenstrom des Heizungswassers fĂĽr jeden Heizkörper in allen Heizkreisen berechnet. Dazu mĂĽssen Werte zur Heizkörperleistung, Dichte des Wassers, spezifischen Wärmekapazität von Wasser sowie die Temperaturspreizung zwischen Vor- und RĂĽcklauf vorliegen. Die Druckdifferenz vor und nach dem Thermostatventil sollte zwischen 50 und 100 Millibar liegen. FĂĽr die Thermostatköpfe der Ventile empfiehlt sich eine Regeldifferenz von 1 Kelvin.

Voreinstellung der Heizkörperventile

Mit einem Auslegungsdiagramm des Ventilherstellers lässt sich aus dem errechneten Volumenstrom und dem Differenzdruck die notwendige Voreinstellung des Ventils ermitteln. Manche Hersteller bieten dafür kostenlose Auslegungsprogramme oder Smartphone-Apps an.

Verwendung von Differenzdruckreglern

Beim hydraulischen Abgleich ist der Einsatz von Differenzdruckreglern sinnvoll, wenn Heizungskreise über mehr als ein Stockwerk verlaufen. Damit wird der Differenzdruck im Strang konstant gehalten. Zudem können die Heizkörperventile in einem Bereich arbeiten, in dem sie keine Strömungsgeräusche durch eine zu hohe Druckdifferenz verursachen. Der Einbau eines Differenzdruckreglers erfordert die Auftrennung der Rohrleitung und sollte daher nur vom Fachmann vorgenommen werden.

Förderhöhe und Förderstrom für die Heizungspumpe berechnen

Der Förderstrom (Volumenstrom) lässt sich beim hydraulischen Abgleich auf 2 Arten berechnen:

  • Zum einen aus der Gesamtheizlast des Gebäudes, die wir am Anfang bestimmt haben. Bei dieser Methode wird die Heizlast mit einem Faktor aus den Konstanten von Dichte und Wärmekapazität des Wassers multipliziert und durch die Temperaturspreizung aus Vor- und RĂĽcklauf geteilt.
  • Einfacher ist die zweite Methode, bei der die Volumenströme aller Heizkörper miteinander addiert werden.

Die Förderhöhe hat nichts mit der Höhe des Hauses oder der Länge der Rohrleitungen zu tun, durch die die Pumpe das Heizungswasser bewegen soll. Es geht um den Druck, den die Pumpe aufbauen muss, um das Wasser in der gewünschten Weise durch die Heizungsanlage zu transportieren. Die entsprechende Maßeinheit ist Meter Wassersäule. Dabei handelt es sich um eine veraltete Maßeinheit, die im Heizungs-/Sanitärbereich noch genutzt wird.

Der Wert berechnet sich aus dem Reibungswiderstand der Rohrleitungen mal der Summe aus (Länge und Breite des Gebäudes plus die summierten Raumhöhen der Etagen) mal den Korrekturfaktor für das Vorhandensein von Formstücken in der Rohrleitung. Das Ergebnis ist durch 10.000 zu teilen, um auf die Maßeinheit Meter Wassersäule zu kommen. Anhand dieser beiden Werte kann die passende Heizungspumpe ausgewählt und nach dem Einbau die Werte am Pumpendisplay eingestellt werden.

Hydraulischen Abgleich dokumentieren

Ein Fachmann dokumentiert ausführlich alle aufgenommenen Daten, die Arbeitsschritte und die ermittelten Ergebnisse. Das ist eine Voraussetzung, um staatliche Fördermittel für den hydraulischen Abgleich zu bekommen. Solltest du die Arbeiten selbst durchführen, ist die Dokumentation ebenfalls notwendig. So kannst du später nachvollziehen, auf welcher Grundlage du welche Einstellungen an deiner Anlage vorgenommen hast.

 

Der Abgleich bei FuĂźbodenheizungen

Auch Fußbodenheizungen benötigen für ihre optimale Funktion einen hydraulischen Abgleich. Die Vorgehensweise ist ähnlich wie bei den oben beschriebenen Heizkörperanlagen. Du musst allerdings bedenken, dass verschiedene Fußbodenbeläge über der Fußbodenheizung die Heizleistung mit unterschiedlicher Wirkung beeinflussen. Ein Fliesenfußboden leitet die Wärme aus der Heizung beispielsweise nahezu verlustfrei weiter. Bei Laminat und textilen Belägen ist das nicht der Fall. Deswegen musst du bei der Berechnung der notwendigen Volumenströme entsprechende Korrekturfaktoren hinzufügen.

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