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So kannst du mit Fernwärme heizen

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

31.12.2020

Letztes Update

08.12.2021

So funktioniert das Heizen mit Fernwärme

Fernwärme ist bequem und sauber, aber nicht überall verfügbar und teuer. Wie das Ganze funktioniert und ob sich für dich ein Anschluss trotzdem lohnt, erfährst du hier.

Inhaltsverzeichnis

Was ist mit Fernwärme genau gemeint?

Bei der Fernwärme liefern Kraftwerke die Wärme für Heizung und Warmwasser in Gebäude. Wobei sich die Abnehmer beziehungsweise Verbraucher meist in einem Umkreis von um die 20 Kilometer befinden. Vorteilhaft ist, dass in den Wohnhäusern kein Heizkessel oder ähnliches benötigt wird. In der Regel strömt bis zu 100 Grad Celsius heißes Wasser durch ein wärmegedämmtes Rohrsystem, das größtenteils unterirdisch verlegt ist und über Pump- und Übergabestationen in die Gebäude gelangt. Auf diese Weise lassen sich Stadtteile, aber auch ganze Städte mit Wärme versorgen.

Versorgt beispielsweise ein Blockheizkraftwerk (BHKW) nur einzelne Häuser oder kleine Wohnsiedlungen mit thermischer Energie für die Heizung und Warmwasserbereitung, wird dies oft als Nahwärme bezeichnet. Allerdings handelt es sich hier sowohl aus technischer als auch aus rechtlicher Sicht ebenfalls um die Versorgung mittels Fernwärme.

Fernwärme in der Wärmeversorgung auf Platz 3

Nach Erdgas (circa 48 Prozent) und Heizöl (rund 26 Prozent) zählt die Fernwärme mit knapp 14 Prozent zu den meistgenutzten Heizenergien (Stand 2019). Das heißt, dass immerhin 5,6 Millionen Haushalte in Deutschland laut BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. so mit Wärme versorgt werden. Am meisten heizen Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg mit Fernwärme. Es gibt auch ein Ost-West-Gefälle, denn in den neuen Bundesländern ist der Anteil größer als in den alten. Rund 1.400 Fernwärmenetze gibt es in Deutschland. Die Gesamtlänge beträgt über 20.000 Kilometer.

Im ländlichen Raum eher selten anzutreffen

Fernwärmenetze gibt es vor allem in Ballungsgebieten. Sie sind dort gut ausgebaut, wodurch jederzeit ein Anschluss auch nachgerüstet werden kann. Für Einfamilienhäuser oder als Etagenheizung ist Fernwärme eher ungeeignet. Die Umsetzung wäre zu teuer und das wirkt sich nachteilig auf ein wirtschaftliches Heizen. Als Zentralheizung in Mehrfamilienhäusern hingegen ist Fernwärme sinnvoll.

 

Wo wird Fernwärme erzeugt?

Grundsätzlich ist jede Art von Kraft- oder Heizwerk geeignet. Dies können Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), Blockheizkraftwerke und Fernheizwerke (zur ausschließlichen Wärmeerzeugung) sein, aber auch Geothermiekraftwerke, Müllverbrennungsanlagen und Hochtemperatur-Anlagen, beispielsweise zur Stahlproduktion.

Zu 84 Prozent stammt Fernwärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung. Die eingesetzte Energie wird hier zur Stromerzeugung und die dabei entstehende Abwärme zur Wärmeversorgung genutzt. Die Wärme ist also eigentlich ein Abfallprodukt. Das ist trotzdem äußerst effizient und umweltschonend, weil zum einen wesentlich weniger Brennstoffe für die Heizung benötigt werden und zum anderen eine spürbare CO2-Reduktion erreicht wird. Nachteilig ist allerdings, dass diese Kraftwerke vor allem mit Erdgas und Steinkohle betrieben werden.

Fernwärmeerzeugung Energieträger Deutschland

  • Gas und Erdölgas: 43 Prozent
  • Stein- und Braunkohle: 28 Prozent
  • erneuerbare Energien, Tiefengeothermie: 18 Prozent
  • Müll und Wärmelieferung von Dritten: 11 Prozent

So kommt Fernwärme in dein Haus

Wie bereits erwähnt, ist ein großer Vorteil der Versorgung mit Fernwärme, dass du weder einen Heizkessel noch Schornstein benötigst. Als Transportmedium kommt Wasser zum Einsatz, weil es in der Lage ist, viel Wärme zu speichern, und zudem noch günstig ist. Obwohl die Rohre sehr gut isoliert sind, geht auf ihrem Weg vom Kraftwerk (Versorger) zu den einzelnen Verbrauchern Wärme verloren. Das ist auch der Grund, warum Fernwärmeleitungen nur über begrenzte Distanzen verlegt werden. Wenn du an das Fernwärmenetz angeschlossen bist, kannst du die Wärme nicht direkt anfordern. 

Bei Bedarf fließt das Heißwasser erst über einen Wärmetauscher und von dort weiter zu den Heizkörpern. Diese Wärmeübergabestation sorgt für die hydraulische Trennung von Fernwärme- und Hausnetz. Zudem stellt sie die richtige Temperatur bereit. Dazu werden inzwischen bevorzugt Kompaktstationen eingesetzt. Sie sind mit Ausnahme des Warmwasserspeichers bereits mit allen erforderlichen Komponenten ausgestattet. Die von der Hauptleitung weggehende Hausanschlussleitung wird meist über einen Durchbruch in der Kellerwand zu den Verbrauchern gelegt. Das Leitungssystem besteht aus Vor- und Rücklaufleitungen. Das heiße Wasser wird erst an die Hausübergabestation geleitet und fließt nach der Wärmeabgabe abgekühlt über den Rücklauf wieder in das Fernwärmenetz und wird zum Kraftwerk transportiert, wo es erneut aufgeheizt wird. Für den passenden Gebäudewärmebedarf ist eine witterungsgeführte Regelung zuständig.

 

Was kostet Fernwärme?

Im Fernwärmemarkt gibt es keinen Wettbewerb wie bei der Gas- oder Stromversorgung. Vor Ort existiert nur ein Anbieter, der Kraftwerksbetreiber, also ein Energieversorger oder ein Stadtwerk, der/das dich mit Fernwärme versorgt.

Wenn du mit Fernwärme heizen möchtest, kannst du nicht zwischen verschiedenen Anbietern beziehungsweise Versorgern wechseln, sondern musst die Konditionen akzeptieren oder dich für einen anderen Energieträger entscheiden. Entsprechend unterschiedlich fallen daher auch die Kosten für Fernwärme aus. Hinzu kommen noch regionale Unterschiede. Aber im Durchschnitt kannst du mit 7 bis 12 Cent pro Kilowattstunde rechnen. Wobei es deutliche Abweichungen nach oben und unten gibt. Laut Heizspiegel zahlten im Abrechnungsjahr 2019 Mieter einer 70 Quadratmeter großen Wohnung im Schnitt 890 Euro für das Heizen mit Fernwärme. Das sind 35 Euro mehr als für eine vergleichbare Wohnung mit Zentral-Ölheizung und 170 Euro mehr als für eine mit Gas beheizte Wohnung.

Der Preis für Fernwärme besteht normalerweise aus 2 Bestandteilen:

  1. Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde
  2. Grundpreis (Anschlusswert oder Leistungspreis) pro Kilowatt angeschlossener Leistung

Der tatsächliche Wärmeverbrauch wird über den Arbeitspreis abgerechnet, der einen Anteil an den gesamten Kosten von 75 Prozent hat.

Wenn du auf Fernwärme umstellen möchtest, kannst du für ein kleines Gebäude mit einmaligen Kosten von 8.000 bis 15.000 Euro ausgehen. In diesen Kosten inbegriffen sind die Altanlagenentsorgung, der Einbau der Wärmeübergabestation und natürlich der Anschluss an das Fernwärmenetz.

Kannst du die Höhe der Energiekosten beeinflussen?

Das geht eigentlich nur, wenn du die Temperaturen in deinen Räumen senkst, denn der Arbeitspreis ist grundsätzlich unantastbar. Beim Grundpreis hingegen sieht es etwas anders aus: Hier hast du die Möglichkeit, die Anschlussleistung für das Gebäude prüfen zu lassen. Denn es kommt nicht selten vor, dass die Kosten für die Anschlussleistung ein gutes Stück höher angesetzt sind, als sie eigentlich sein müssten. Das kannst du überschlägig sogar selbst prüfen. Wenn du die im vergangenen Jahr verbrauchte Wärmemenge in Kilowattstunden durch die Anschlussleistung in Kilowatt dividierst, ergibt sich daraus die Nutzungsdauer, die 1.800 Stunden betragen sollte. Die Angaben zur verbrauchten Wärmemenge findest du in deiner Jahresabrechnung. Liegt deine Wärmeabnahmemenge deutlich unter 1.800 Stunden, kann dies ein Indiz dafür sein, dass deine Anschlussleistung zu hoch gewählt ist.

Verbraucherzentralen bieten hierzu einen Heiz-Check an, der auch Fernwärme beinhaltet. Dies ist zwar kein Gutachten, stärkt aber deine Position, wenn du deinen Fernwärmeversorger kontaktierst, um ihn aufzufordern, die Anschlussleistung anzupassen. Allerdings ist dieser nicht dazu verpflichtet, deiner Aufforderung nachzukommen, denn es besteht kein Rechtsanspruch.

Übrigens: Der durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Heiz-Check der Verbraucherzentrale hat eigentlich einen Wert von 330 Euro. Dank der Förderung kostet er aber nur 30 Euro und ist für einkommensschwache Haushalte sogar kostenfrei.

Anschlusszwang

Einige Gemeinden fördern die Fernwärme durch einen Anschluss- und Benutzungszwang. Rechtsgrundlage hierfür sind die jeweiligen Gemeinde- beziehungsweise Kommunalverordnungen der Bundesländer. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass Gemeinden heute immer seltener einen Anschluss- und Benutzungszwang für Fernwärme einführen.

Staatliche Förderung

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert den erstmaligen Anschluss an ein Nah- oder Fernwärmenetz durch Ergänzungskredite. Gefördert werden alle Arbeiten im Zusammenhang mit dem Anschluss inklusive Wärmeübergabestation und Hausanschlussleitung.

Wenn du bereits an ein Nah- oder Fernwärmenetz angeschlossen bist, kannst du die Förderung erhalten, wenn du zum ersten Mal eine Wärmeübergabestation einbaust, eine alte Wärmeübergabestation durch eine neue ersetzt oder deine Heizungsanlage beispielsweise durch die Dämmung der Rohrleitungen und den Austausch der Heizkörper optimierst.

Beachte: Zuschüsse aus dem KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren – Investitionszuschuss“ (430) musst du ab Januar 2021 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen.

 

Fernwärme aus erneuerbaren Energien

Noch ist der Anteil erneuerbarer Energien bei der Fernwärme relativ gering. Aber es ist ein Aufwärtstrend zu erkennen. Deutschlandweit gibt es inzwischen Wärmenetze, die ihre Wärme aus erneuerbaren Energien beziehen wie Biogas, Holzpellets oder -hackschnitzel, Solarthermie-Kraftwerke, Wärmepumpen und Tiefengeothermie. Die derzeit leistungsstärksten Geothermie-Kraftwerke Deutschlands mit jeweils rund 45 MW (Megawatt) möglicher Wärmeleistung und bis zu 7 MW elektrischer Leistung beliefern den Münchener Südosten mit grüner Fernwärme. Das dazu eingesetzte über 135 Grad Celsius heiße Thermalwasser kommt aus einer Tiefe von etwa 4.000 Metern. All dies zeigt, dass auch die Fernwärme auf einem guten Weg ist, wesentlich sauberer zu werden.

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