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Die Kosten einer Erdwärme-Heizung

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

03.08.2021

Letztes Update

07.12.2021

Die Erdwärme-Heizung: Überblick über Vor- und Nachteile sowie Kosten

Erdwärme zählt zu den umweltfreundlichsten Heizwärmequellen. Dennoch scheuen viele wegen angeblich hoher Kosten vor ihrem Einsatz zurück. Ist das berechtigt? Wir haben nachgehakt.

Inhalt des Blogartikels

Erdwärme oder Geothermie: Was ist das?

Vulkane und Thermalquellen beweisen, dass in der Tiefe unserer Erde sehr viel Wärme steckt. Diese Wärmeenergie steht kostenlos zur Verfügung und lässt sich daher für Heizungszwecke nutzen. Geothermie ist einfach nur ein anderer Begriff für Erdwärme. Um sie zu nutzen, musst du nicht einmal sehr tief nach unten gehen.

Schon die alten Römer haben heiße Quellen zur Beheizung ihrer Häuser und zum Betreiben von Dampfbädern genutzt. Und auch heute noch wird die Erdwärme vorwiegend für Heizzwecke eingesetzt. Eine etwas andere Nutzung findest du in Form von Geothermie-Kraftwerken, die aus Erdwärme Strom produzieren.

Allerdings gibt es nicht überall heiße Quellen, die theoretisch direkt in die Heizungsrohre eingespeist werden könnten. Doch auch der Erdboden selbst speichert Wärme, die angezapft und über eine Wärmepumpe auf eine für Heizzwecke geeignete Temperatur gebracht werden kann.

 

Wie entsteht Erdwärme? Wie wird sie gewonnen?

Die höchsten Temperaturen herrschen tief im flüssigen Erdkern. Sie betragen etwa 6.000°C. Die darüber liegenden Schichten Erdmantel und Erdkruste sind rund 3.000 Kilometer dick. Sie sorgen dafür, dass auf der Erdoberfläche für uns angenehme Temperaturen herrschen. Gleichzeitig wirken sie wie die Wand eines Thermogefäßes und erhalten die Erdkern-Temperatur aufrecht.

Dieser Aufbau bewirkt auch, dass in unseren Breiten bereits 2-3 Meter unter der Erdoberfläche relativ konstante Temperaturen von 10 bis 13°C herrschen. Das gilt unabhängig von den jahreszeitlich bedingten Temperaturschwankungen an der Erdoberfläche.

Moderne Nutzung der Erdwärme

Diese Temperatur wird durch oberflächennah verlegte Flächenkollektoren, Grabenkollektoren, Erdwärmekörbe oder Tiefensonden bis zu einer Tiefe von 100 Meter aufgenommen und an die Erdwärmepumpe, das eigentliche Heizgerät, weitergeleitet. In den Sonden und Kollektoren kreist die Sole, eine Mischung aus Wasser und Frostschutzmittel, und erwärmt sich auf die Temperatur des sie umgebenden Erdreiches. Diese Wärmeenergie wird über einen Wärmetauscher an den Wärmepumpenkreislauf abgegeben.

Das hier kreisende Kühlmittel nimmt die Wärme auf und wird dadurch gasförmig. Ein Kompressor verdichtet das Gas, wodurch es sich weiter erwärmt. Diese nun höhere Temperatur gibt das gasförmige Kältemittel über einen weiteren Wärmetauscher an den Wasserkreislauf der Heizung ab. Dabei wechselt das Kältemittel zurück in den flüssigen Aggregatzustand und passiert anschließend ein Expansionsventil, in dem weiter Druck abgebaut wird. Das Kältemittel kann nun wieder Wärme aufnehmen und der Prozess beginnt von vorn.

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, wenn man mit Erdwärme heizen möchte?

Wenn du mit einer Erdwärme-Heizung sowohl heizen als auch warmes Wasser erzeugen willst, muss dein Haus einen möglichst geringen Heizwärmebedarf haben. Das heißt, das Gebäude muss über eine hohe Wärmedämmung verfügen und weitgehend luftdicht sein. Das ist notwendig, damit keine Wärme nach außen entweichen kann.

Ein weiteres Kriterium ist die Vorlauftemperatur, die die Heizungsanlage benötigt, um die Räume ausreichend zu temperieren. Eine Erdwärmepumpe kann am effektivsten bei Vorlauftemperaturen unter 50°C betrieben werden. Daher sind Flächenheizungsanlagen (Fußboden- und Wandheizung) am besten geeignet, weil sie mit relativ niedrigen Vorlauftemperaturen auskommen.

Außerdem muss sich dein Grundstück für die Verlegung von Kollektoren oder Erdsonden eignen. Flächenkollektoren benötigen viel Platz und die genutzte Fläche kann nicht mehr uneingeschränkt für andere Zwecke verwendet werden. Der Boden muss Wasser und damit auch Wärme speichern können. Bohrungen für Erdsonden erfordern ebenfalls bestimmte geologische Voraussetzungen und sind genehmigungspflichtig.

Bei einem Neubau kannst du das gesamte Projekt ideal auf den Einsatz einer Wärmepumpe abstimmen lassen. Möchtest du ein Bestandsgebäude sanieren, solltest du durch einen Energieberater oder Heizungsfachmann ermitteln lassen, ob sich dein Haus im Rahmen der Modernisierung kosteneffizient für den sinnvollen Einsatz einer Wärmepumpe umbauen lässt.

 

Welche Vor- und Nachteile bringt eine Erdwärme-Heizung mit sich?

Hauptnachteil ist der hohe technische und damit finanzielle Aufwand, um Erdwärme für Heizungszwecke zu erschließen. Dem steht der Vorteil gegenüber, dass du dich fast vollständig von öffentlichen Versorgern unabhängig machst. Kostensteigerungen bei den fossilen Brennstoffen Öl und Gas tangieren dich nicht mehr. Nachfolgend haben wir wichtige Vor- und Nachteile aufgelistet:

Vorteile:

  • Erdwärme ist unbegrenzt vorhanden
  • kostenloser Energieträger
  • nahezu überall verfügbar
  • umweltschonend
  • steht konstant über das ganze Jahr zur Verfügung
  • unabhängig von Preissteigerungen anderer Brennstoffe
  • Amortisation der Aufwendungen während der Regelnutzungszeit
  • staatlich gefördert
  • geringe Heiz- und Wartungskosten
  • hohe Betriebssicherheit
  • auch zur Kühlung nutzbar
  • lange Lebensdauer

Nachteile:

  • hohe Anschaffungskosten
  • hohe Installationskosten
  • Grundstück muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen
  • Bohrungen für Sonden genehmigungspflichtig
  • für unsanierten Altbau nicht geeignet

Du wirst uns sicher zustimmen, dass die Vorteile die wenigen Nachteile bei Weitem überwiegen.

 

Was kostet eine Erdwärme-Heizung?

Um einen genauen Überblick über die finalen Kosten zu erhalten, gliedern wir für dich einzelne Kostenpunkte auf:

Anschaffungskosten

Wie immer bei technischen Anlagen musst du zwischen Erstellungs- und Betriebskosten unterscheiden. Die Erstellungskosten, also Anschaffung und Installation, sind in der Regel höher als bei Gas- oder Ölheizkesseln. Natürlich lässt sich hier kein pauschaler Preis nennen, weil der Installationsaufwand der Kollektoren oder Erdsonden bei jedem Projekt ein anderer ist. Als grobe Orientierung kann man sagen, dass Erdwärmepumpen mit Kollektoren in der Preisspanne 15.000 bis 18.000 Euro liegen. Bei Erdsonden mit einer Bohrtiefe bis zu 100 Metern musst du mit 18.000 bis 25.000 Euro rechnen.

Laufende Betriebskosten

Dagegen hat die Erdwärmepumpe bei den Betriebskosten die Nase vorn. In der laufenden Nutzung entstehen nur Kosten für den Strom, den der Kompressor benötigt. Auch die Wartungskosten sind gering, da kein Schornstein existiert, keine Abgaswerte überprüft und ggf. eingestellt und auch keine Brenner gewartet werden müssen.

Fördermöglichkeiten

Die staatliche Förderung von Wärmepumpen mildert die hohen Investitionskosten erheblich. Maßgeblich ist die seit 2021 geltende Richtlinie der Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG). Die Förderung kann als Zuschuss oder als zinsgünstiger Kredit erfolgen. Verantwortlich für die Förderungen sind das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Bei der Altbausanierung kannst du dir eine Wärmepumpe als Einzelmaßnahme oder im Rahmen einer umfassenden energetischen Sanierung fördern lassen. Bei der Einzelmaßnahme beträgt der Zuschuss bzw. Kredit mit Tilgungszuschuss 35 Prozent der Kosten. Ersetzt die Wärmepumpe eine Ölheizung, erhöht sich die Förderung auf 45 Prozent. Läuft das Projekt unter einem sogenannten individuellen Sanierungsfahrplan, kannst du weiter 5 Prozent Förderung bekommen und trägst somit nur noch die Hälfte der Kosten selbst.

Im Neubau kannst du nur dann eine Förderung für eine Wärmepumpe beantragen, wenn sie maßgeblich zum Erreichen eines KfW-Effizienzhausstandards beiträgt. Die konkrete Förderhöhe hängt davon ab, welcher Effizienzhausstandard erreicht wird. Beim Effizienzhaus 40+ beträgt der Zuschuss zum Beispiel 25 Prozent von maximal 150.000 Euro förderfähiger Kosten pro Wohneinheit.

 

Warum die Erdwärme-Heizung eine klimaschonende Alternative darstellt

Im Gegensatz zur Heizung mit fossilen Brennstoffen werden bei der Nutzung von Erdwärme keinerlei klimaschädliches CO₂ oder andere Schadstoffe freigesetzt. Wenn du eine Photovoltaikanlage besitzt, kannst du zudem den für den Kompressor der Wärmepumpe benötigten Strom selbst und ebenfalls CO₂-frei erzeugen. Damit wird die ohnehin schon gute Umweltbilanz einer Erdwärmenutzung noch positiver. Die Verwendung von Erdwärme für die Heizung deines Hauses stellt damit einen großen Beitrag zum Klimaschutz und zur Begrenzung der Klimaerwärmung dar.

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