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Droht uns ein Winter ohne Heizung?

Über diesen Artikel

Lesezeit

6 Minuten

Veröffentlichung

28.11.2022

Letztes Update

28.11.2022

Russland droht, Deutschland den Gashahn abzudrehen. Seitdem steigen die Gaspreise und es wächst die Sorge vor einem Winter ohne Heizung. Wie geht es jetzt weiter?

Inhalt des Blogbeitrags

Status Quo: Woher kommt das Erdgas in Deutschland?

Rund die Hälfte aller Haushalte in Deutschland heizt mit Erdgas. Laut offiziellen Informationen der Bundesregierung kommen 90 Prozent des fossilen Energieträgers aus dem Ausland:

  • 38,2 Prozent aus Russland
  • 34,8 Prozent aus Norwegen
  • 22,4 Prozent aus den Niederlanden
  • 4,6 Prozent aus sonstigen Quellen

Infolge des Ukraine-Krieges ist die Gasversorgung ins öffentliche Blickfeld geraten und die Gasimporte aus Russland wurden reduziert. Die Folge: Steigende Preise und die Frage, woher zukünftig die Energie kommen soll. Denn: Die fehlende Gasmenge kann am Weltmarkt nur zu Teilen gedeckt werden.

 

Winter ohne Heizung: Was kommt auf uns zu?

Durch die hohen Verbraucherpreise geraten Privatpersonen wie auch Unternehmen zunehmend in Schwierigkeiten. Viele fragen sich, wie ein sparsames Heizen möglich ist, um die Kosten zu reduzieren. Am Ende dieses Artikels geben auch wir dir einige Tipps & Alternativen mit auf den Weg.

Doch eines ist klar: Nicht Heizen ist keine Option, denn ohne Heizung kühlen Wohnungen aus. Das hat ganz unterschiedliche Folgen für das Haus und dessen Bewohner:

  • Steigende Gesundheitsrisiken (Erkältungen, erhöhter Blutdruck, höhere Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen, Verschlechterung von Asthma-Symptomen)
  • Gefahr von Schimmelbildung durch erhöhte Luftfeuchtigkeit
  • Bei länger anhaltender Kälte können Wasser- und Heizungsleitungen einfrieren und platzen.

Insbesondere Mieter müssen aufpassen, dass an der Mietsache keine Schäden entstehen. Ansonsten müssen sie gegebenenfalls für diese aufkommen, was ebenso hohe Kosten zur Folge hat.

Exkurs: Wie kalt wird es ohne Heizung?

Wie kalt es in einer Wohnung ohne Heizung wird, lässt sich schwer voraussagen. Experten der Bauhaus-Universität Weimar haben für eine Wohnung im ersten Stock eines Gebäudes mit 3 Außenwänden bei einer für Deutschland üblichen mittleren Wintertemperatur eine Raumtemperatur von 7 bis 8 °C ermittelt. Doch Achtung: Dabei handelt es sich jedoch nur ein Richtwert. Eine anders gelegene Wohnung kann sogar weitaus mehr auskühlen.

Zum Vergleich: Die Wohlfühltemperatur für Menschen liegt im Schnitt zwischen 20 und 22

°C. In Wohn- und Arbeitsräumen gilt das also als Richtwert, in Schlafräumen reichen etwa 16 bis 18 Grad. Das zeigt: Ein Winter ohne Heizen ist nicht denkbar und würde zu signifikanten Gesundheitsschäden sowie eventuellen Schäden am Gebäude führen. Was aber können wir uns von den Preisen erwarten? Wie sehr werden diese steigen?

Gaspreise: Was kommt auf uns zu?

Wie sich die Gaspreise bis Jahresende entwickeln werden, ist kaum vorauszusagen. Trotz der aktuellen Herausforderungen ist es der Bundesregierung, den Energieversorgern und der Bundesnetzagentur gelungen, bereits Mitte September 2022 einen Füllstand der Gasspeicher in Höhe von 86 % zu erreichen. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass bis zum 1. November der für diesen Stichtag geplante Füllstand von 95 % erreicht wird. Das würde den Gasmangel vorerst entschärfen. Dass der hohe Füllstand die Gaspreise wieder senken wird, ist trotzdem unwahrscheinlich.

Ganz im Gegenteil: Die Bundesnetzagentur hat bereits vor möglichen Gasrationierungen gewarnt. Verbrauchern, die die Preise nicht bezahlen können, droht die Sperrung des Gasbezugs.

 

Welche Hilfen sind geplant?

Die Bundesregierung stützt inzwischen Energieversorger, die durch die hohen Beschaffungspreise in finanzielle Probleme geraten sind. Weitere Maßnahmen werden gerade beraten. Privathaushalte sollen ebenfalls durch Hilfsmaßnahmen wie einmalige Heizkostenzuschüsse unterstützt werden. Sehr wahrscheinlich wird das aber nicht ausreichen, um die Krise zu entschärfen und die Verbraucher langfristig zu entlasten. Sehen wir uns also einige Tipps an, wie du dich am besten für einen Winter ohne Heizung vorbereiten kannst.

 

Tipps für einen Winter ohne Heizung

Wer sich in kalten Räumen aufhalten muss, sollte sich warm anziehen, das ist klar. Deshalb: Für die abendlichen Stunden auf der Couch solltest du dich schonmal vorsichtshalber mit warmen Decken eindecken. Als Alternative bieten sich moderne Schlafsäcke an: Diese sind leicht und halten sehr warm. Auch eine Wärmflasche ist eine gute Idee: Unter der Bettdecke oder im Schlafsack liefert sie über einen längeren Zeitraum viel Wärme.

Doch neben diesen recht naheliegenden Tipps möchten wir dir weitere Möglichkeiten mitgeben, wie du dich jetzt schon auf den Winter vorbereiten kannst und einige Alternativen zum Heizen mit Gas und Öl vorstellen.

Haus isolieren für den Winter

Einen guten Auskühlungsschutz bietet eine dicke Wanddämmung. Aber in der kurzen, noch zur Verfügung stehenden Zeit ist es kaum möglich, ein bisher ungedämmtes Gebäude zu isolieren. Als Wohnungsmieter ist es nochmal schwieriger, da die Erlaubnis vom Vermieter einzuholen ist.

Doch keine Sorge: Die Abdichtung von Fenstern und Türen ist auch für Wohnungsmieter kurzfristig möglich. Selbstklebende Dichtstreifen gibt es in jedem Baumarkt. Ergänzend kannst du innen an der Eingangstür, an der Tür zum am meisten genutzten Raum und auch vor Fenstern mit dicken Vorhängen das Eindringen kalter Luft bzw. das Abfließen wärmerer Luft eindämmen.

Auch Vorhänge können nützlich sein: Früher wurden an Eingangstüren im Winter schwere Filzvorhänge benutzt. Ansonsten bieten sich an Fenstern und Türen sogenannte Verdunkelungsvorhänge an. Deren Gewebe ist sehr dicht und dämmt damit gut.

Heizen ohne Gas und Öl: Alternativen

Wenn auch du mit Gas oder Öl heizt, fragst du dich vielleicht, ob es kurzfristige Alternativen gibt, um den Gasverbrauch zu senken. Wir stellen dir einige Möglichkeiten vor.

Heizlüfter & Heizstrahler einsetzen

Eine Option stellen Heizlüfter und Heizstrahler dar. Diese Geräte sind zwar in der Lage, einen nicht zu großen Raum schnell zu erwärmen. Der Nachteil: Sie benötigen viel Strom. Die Gasknappheit hat jedoch auch einen negativen Einfluss auf die Stromversorgung und bewirkt auch hier eine Preissteigerung. Zudem kann die gleichzeitige Nutzung vieler Heizlüfter in Haushalten einen Stromausfall zur Folge haben, da das Netz überlastet werden könnte. Daher sind diese eher sparsam einzusetzen. Wie das Heizen mit Heizlüfter ohne Strom funktionieren kann, erfährst du im verlinkten Blogartikel.

Kochen & Backofen nutzen

Hin und wieder wird in den Medien empfohlen, bei kalter Wohnung mehr zu kochen oder den Backofen zu nutzen, um sie wieder aufzuwärmen. Das geht natürlich nur, wenn diese Haushaltsgeräte elektrisch betrieben werden und kein Stromausfall herrscht. Zudem benötigen auch Herd sowie Backofen viel Strom, sodass das oben gesagte auch hier gilt.

Heizen mit Teelichtern

Ein etwas unkonventioneller Tipp, jedoch gilt: Auch Kerzen liefern Wärme. Der in letzter Zeit populäre Teelicht-Ofen wirkt sogar wie ein kleiner Kachelofen. Hier darfst du kreativ werden: Er besteht im Wesentlichen aus zwei ineinander gesteckten Blumentöpfen aus Ton und einer feuerfesten Grundplatte. Im Internet findest du viele Bauanleitungen, die du einfach DIY umsetzen kannst.

Campingheizer

Eine weitere Alternative sind Campingheizer, die mit Gaskartuschen oder Petroleum betrieben werden. Achte bei solchen Heizgeräten unbedingt darauf, dass sie für Innenräume geeignet sind. Durch die Verbrennung von Gas oder Petroleum entstehen nämlich im geringem Maß CO und CO₂. Vermeide es daher, bei einem laufenden Campingheizer einzuschlafen und lüfte den Raum regelmäßig. Zur Sicherheit kannst du einen CO/CO2-Gaswarner verwenden, wenn der Campingheizer läuft.

Heizen mit Kamin oder Kachelofen

Als Besitzer von Kachelöfen oder Kamin bist du in der gegenwärtigen Situation klar im Vorteil. In diesem Fall solltest du die verbleibende Zeit nutzen, um dich mit genügend Brennstoff einzudecken. Dabei solltest du keine Zeit verlieren:  Die Preise für Holz sind bereits stark angezogen und das Angebot ist ohnehin knapp.

Auch wichtig: Hast du deinen Kamin oder Kachelofen längere Zeit nicht benutzt, besteht die Gefahr, dass er keine Betriebszulassung mehr hat. Lass die Brennstelle daher zeitnah vom zuständigen Bezirksschornsteinfeger überprüfen und ggf. entsprechend nachrüsten. Die Benutzung eines Kamins ohne Zulassung kann ein Bußgeld von bis zu 50.000 € nach sich ziehen!

 

Sparsam heizen: So geht’s

Selbst wenn genügend Gas zur Verfügung stehen sollte, solltest du auf sparsames Heizen achten. So kannst du Heizkosten senken und die Umwelt schonen. Wie das geht? Wir zeigen es dir.

Raumtemperatur senken

Untersuchungen haben gezeigt, dass das dauerhafte Absenken der Raumtemperatur um nur 1 Grad rund 6 Prozent Energie und damit Kosten spart. Meist kannst du die maximale Temperatur ganz einfach am Raumthermostat oder direkt am Thermostat des Heizkörpers einstellen.

Auf einen Raum konzentrieren

Noch mehr Einsparung erzielst du, wenn du das Wohnen auf einen Raum konzentrierst, zum Beispiel das Wohnzimmer. Alle anderen Räume kannst du nur so weit temperieren, dass sie nicht auskühlen.

Smarte Thermostate nutzen

Noch mehr Möglichkeiten bieten dir elektronische oder intelligente Heizkörper-Thermostate. Diese sind programmierbar, sodass sie automatisch nur in den Zeiträumen für eine angenehme Temperatur sorgen, an denen du dich gewöhnlich zu Hause aufhältst. Mit diesen Thermostaten ist auch eine automatische Nachtabsenkung an dem jeweiligen Heizkörper einstellbar.

Diese Thermostate haben noch einen weiteren Vorteil. Sie erkennen, wenn du im betreffenden Raum ein Fenster öffnest. Ein klassischer Thermostat würde durch die eindringende kalte Luft das Heizkörperventil weiter öffnen. Damit wird Heizenergie verschwendet. Der intelligente Thermostat schließt in diesem Fall das Heizkörperventil und verhindert so Energieverschwendung.

Regelmäßig lüften

Auch wenn du dir Sorgen machst, dass die Wohnung abkühlt: Zumindest die oft genutzten Räume solltest du unbedingt regelmäßig lüften. Schlechte Luft ist nicht gut für dich und wärmt sich zudem schlechter auf, als frische Luft.

Allerdings empfiehlt es sich, die Fenster immer nur kurz komplett zu öffnen (Stoßlüftung) und am besten zusammen mit einem weiteren Fenster (Kreuzlüftung). Auf keinen Fall Fenster längere Zeit angekippt lassen!

 

Winter ohne Heizen: Fazit

Sollte die Heizung längere Zeit ausfallen, nutze warme Kleidung und eventuell andere Heizmöglichkeiten wie Teelicht-Öfen oder Campingheizer. Elektroheizer solltest du wegen einer möglichen Überlastung des Stromnetzes möglichst sparsam einsetzen.

Energie und Kosten sparen kannst du insbesondere durch temperaturreduziertes Heizen. Beschränke dich zudem auf den Raum, den du vorzugsweise nutzt.