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Klimakonferenz Glasgow: Gefährlicher Pfad

Über diesen Artikel

Lesezeit

2 Minuten

Veröffentlichung

19.11.2021

Letztes Update

29.11.2021

Klimakonferenz in Glasgow entscheidet über Zukunft der Erde

Nach 2 Wochen Verhandlungen der Staatengemeinschaft endet die Klimakonferenz in Glasgow. Wir zeigen dir die wichtigsten Ergebnisse.

Die zentralen Beschlüsse der Klimakonferenz in Glasgow

Auf der internationalen Klimakonferenz COP 26 in Glasgow haben sich die etwa 200 Staaten auf neue Maßnahmen gegen den Klimawandel geeinigt und diese im "Klimapakt von Glasgow" festgehalten. Experten sprechen von einer erfolgreichen Konferenz, bewerten die vereinbarten Maßnahmen aber als nicht ausreichend.

Erstmalige Zusage zum Kohleausstieg wird abgeschwächt

Zum ersten Mal erklärt eine COP-Entscheidung fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zum Auslaufmodell. Über 190 Staaten, Regionen, Institutionen und Unternehmen unterzeichneten eine Selbstverpflichtung, aus der Kohleverbrennung auszusteigen – sofern das Kohlendioxid nicht aufgefangen und gespeichert wird. Allerdings wurden die entsprechenden Formulierungen – durch den Druck der kohleabhängigen Staaten China und Indien – im Schlussdokument abgeschwächt. Hier ist nicht mehr die Rede von einem Kohleausstieg, sondern einem schrittweisen Abbau.

Darüber hinaus fordert der Klimapakt von Glasgow, ineffiziente Subventionen für fossile Energieträger abzuschaffen. Etwa 40 Länder möchten auch die Finanzierung fossiler Energieträger im Ausland beenden.

1,5 Grad-Ziel und verbesserte Klimaschutzpläne

Das Pariser Abkommen sieht vor, die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad Celsius zu begrenzen. Auf der Klimakonferenz in Glasgow setzte sich nun das strengere Ziel durch. In der Begründung der COP26-Rahmenentscheidung heißt es, dass die Auswirkungen des Klimawandels bei einem Anstieg der Temperatur um 1,5 Grad Celsius viel geringer sind als bei 2 Grad Celsius. Hierfür rief die COP 26 in Glasgow alle Staaten dazu auf, ihre Klimaschutzanstrengungen zu beschleunigen und die nationalen Klimaschutzziele (NDC) schneller zu prüfen – bereits bis Ende 2022.

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, sieht der Klimapakt darüber hinaus vor, dass sich der weltweite Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent reduzieren muss.

Der USA-China-Pakt

Die beiden größten Treibhausgasproduzenten USA und China haben auf der Klimakonferenz in Glasgow überraschend erklärt, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu gründen. Sie möchten eine klimaneutrale Weltwirtschaft beschleunigen und dazu ehrgeizigere Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg bringen. Geplant sind Kooperationen und ein Austausch zur Dekarbonisierung, zum Waldschutz, Ausbau erneuerbarer Energien sowie zur Reduktion des Treibhausgases Methan.

Zahlungen der Entwicklungsländer

Die reichen Länder haben ihre Zusage von 2009 in Kopenhagen, bis 2020 100 Milliarden Dollar pro Jahr zu mobilisieren, nicht eingehalten. Der Klimagipfel in Glasgow forderte die Entwicklungsländer nun dazu auf, dies nachzuholen. Das zugesagte Geld soll in den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel fließen – Beispiele sind eine klimaresistente Landwirtschaft und der Deichbau. Zudem sollen die Staaten die Finanzhilfen von aktuell rund 20 auf 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro) bis 2025 erhöhen.

COP 26: Die Konferenz der schnellen Projekte

Der Gastgeber Großbritannien hat im Rahmen des Klimagipfels in Glasgow noch weitere Initiativen angestoßen, bei denen unter anderem mehr als 110 Staaten zusagten, den weltweiten Verlust der Wälder und ihre Zerstörung bis 2030 zu stoppen. Über 100 Länder möchten zudem den Methan-Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent reduzieren.

 

Die Welt bewegt sich immer noch auf gefährlichem Pfad

Für den Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sind die Beschlüsse ein Fortschritt, der allerdings nicht reicht: "Vor Glasgow war die Welt auf einem Desaster-Pfad, nach Glasgow sind wir noch immer auf einem gefährlichen Pfad", resümierte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Nach den Berechnungen des Wissenschaftsverbundes Climate Action Trackers betrug die erwartete Erderwärmung vor der Konferenz 2,7 Grad Celsius und nach den Zusagen 1,8 bis 2,4 Grad Celsius. Hinzu kommt, dass sich die Staaten auch tatsächlich an die Ziele halten und Taten folgen müssen.