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Alles zum Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

26.12.2022

Letztes Update

31.01.2023

Mit erneuerbaren Energien kann keine gleichförmige Stromerzeugung erzielt werden. Eine stabile Stromversorgung benötigt daher intelligente Netze und Stromzähler. Das legt das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende, kurz GDEW, fest.

Inhalt des Blogartikels

Was ist das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW)?

Die Energiewende bringt es mit sich, dass immer mehr Erzeuger Strom in das Netz einspeisen, deren Stromerzeugung systembedingt schwankt. Bekanntlich generieren Windräder ihren Strom abhängig von der Windstärke, Photovoltaikanlagen abhängig von der Intensität der Sonneneinstrahlung. Hinzu kommt, dass auch die Stromabnahme durch die Verbraucher im Tagesverlauf schwankt.

Die Netzbetreiber stehen daher täglich vor der Herausforderung, das durchwachsene Angebot mit einer ebenfalls schwankenden Nachfrage in Übereinstimmung zu bringen. Doch mit der steigenden Anzahl von Stromerzeugern wird diese Aufgabe immer schwieriger und ist nur noch mit einer Digitalisierung der Netze und Stromabnahmemessstellen bei den Nutzern zu gewährleisten.

Hinzu kommt, dass die seit längerer Zeit bestehende europäische Vorgabe zur Sicherung der Transparenz über Energieverbräuche umgesetzt werden muss.

Diesen Vorgaben und Aufgaben kommt das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende nach. Es korrespondiert mit dem Messstellenbetriebsgesetz, das zeitgleich erschien. Mit dem Gesetz hat die Bundesregierung einen Roll-Out-Plan für intelligente Stromzähler festgelegt. Nach Vorgabe der Bundesnetzagentur gibt es für die modernen Messeinrichtungen von 20 EUR pro Jahr für Einbau und Betrieb.

 

Inhalte des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende für Verbraucher

Was genau beinhaltet das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende und was bedeuten die Maßnahmen für dich als Verbraucher? Wir zeigen dir nachfolgend, welche Paragrafen besonders wichtig sind und was du dazu wissen musst.

§ 1 Anwendungsbereich: Zur Ausstattung und zum Betrieb intelligenter Messsystemen

Der Paragraf 1 eröffnet Teil 1 des Gesetzes. In diesem Paragrafen ist lediglich aufgeführt, zu welchen Themen das Gesetz Festlegungen trifft. Im Einzelnen sind das die folgenden:

  • Ausstattung von Messstellen der leitungsgebundenen Energieversorgung mit modernen Messeinrichtungen bzw. intelligenten Messsystemen,
  • zum Messstellenbetrieb und zur freien Wahl eines Messstellenbetreibers,
  • zur Aufgabentrennung von Messstellenbetrieb und Netzbetrieb,
  • zu technischen Mindestanforderungen an intelligente Messsysteme,
  • zu energiewirtschaftlicher und allgemeiner Datenkommunikation mit Smart Meter Gateways,
  • zur Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von Messwerten.

Detaillierte Regelungen zu diesen Punkten folgen in weiteren Paragrafen des Gesetzes. Der Paragraf 2 ist ebenfalls im 1. Teil des Gesetzes verankert. Er enthält in 28 Punkten Erläuterungen zu wichtigen Begriffen. Zum Beispiel unterscheidet das Dokument zwischen Anschlussnehmer und Anschlussnutzer. Anschlussnehmer ist derjenige, dem das angeschlossene Grundstück oder Gebäude gehört (§ 2 Ziffer 2.). Anschlussnutzer ist derjenige, der als Letztverbraucher den Anschluss nutzt (§ 2 Ziffer 3.).

Noch eine kurze Erklärung vorab: Bei den Messstellen handelt es sich um die altbekannten Stromzähler, die sich am Stromanschluss an das öffentliche Netz befinden. Allerdings werden diese alten analogen Stromzähler nach Vorgabe des Gesetzes nach und nach gegen moderne und zum Teil intelligente, sogenannte Smart Meter, ausgetauscht.

§ 14-18: Wechsel des Messstellenbetreibers

Bislang war der Netzbetreiber, der den Strom an den Anschlussnutzer liefert, auch der Betreiber der Messstelle, also zuständig für den Stromzähler des Kunden. Wenn du noch einen alten Stromzähler hast, wirst du darauf einen Aufkleber mit der Zählernummer und der Bemerkung „Eigentümer des Netzbetreibers" finden. Neuere Zähler tragen schon die Kennzeichnung „Eigentum des Messstellenbetreibers".

Das ist ein Hinweis darauf, dass das Betreiben des Netzes und der Messstellen nach Maßgabe des Gesetzes zu trennen ist. Der Netzbetreiber bleibt allerdings der zuständige Messstellenbetreiber. Das bedeutet: bei Ausfall des eigentlichen Messstellenbetreibers übernimmt er zeitweise den Betrieb der betroffenen Messstelle.

Dementsprechend befassen sich die oben genannten Paragrafen mit folgenden Regelungen:

§ 14: Wechsel des Messstellenbetreibers

Der Anschlussnutzer hat die Möglichkeit, sich einen Messstellenbetreiber zu wählen. Wenn du den Messstellenbetreiber wechseln möchtest, bist du verpflichtet, deinen bisherigen Betreiber in Schriftform darüber zu informieren. Dabei sollte dein Schriftstück deine komplette Anschrift, die Anschrift der Anschlussstelle inklusive Zählernummer sowie die komplette Anschrift des neuen Messstellenbetreibers enthalten.

§ 15: Mitteilungspflichten beim Übergang

Der neue Messstellenbetreiber hat den zuständigen Stellen seine Adresse, Angaben zu seiner Firma, Kontaktdaten zur elektronischen Kontaktaufnahme und den Zeitpunkt des Übergangs mitzuteilen.

§ 16: Übergang technischer Einrichtungen; Meldepflicht

Der alte Messstellenbetreiber hat dem neuen alle technischen Einrichtungen der Messstelle zum Kauf anzubieten. Falls der neue Betreiber das ablehnt, hat der alte Betreiber die Einrichtungen zu entfernen oder zu dulden, dass der neue Betreiber diese Aufgabe übernimmt und ihm die ausgebauten Geräte übergibt.

§ 17: Wechsel des Anschlussnutzers

Wechselt der Anschlussnutzer, muss der Messstellenbetreiber auf Verlangen des zuständigen Messstellenbetreibers den Betrieb so lange übergangsweise fortführen, bis er von dem neuen Anschlussnutzer mit dem Betrieb beauftragt wird. Der Übergangszeitraum beträgt längstens 3 Monate.

§ 18: Ausfall des Messstellenbetreibers

Fällt der Messstellenbetreiber aus, ist der zuständige Messstellenbetreiber verpflichtet, den Betrieb fortzuführen. Daraus dürfen dem Anschlussnutzer keine Kosten entstehen.

§§ 19-28: Technische Vorgaben zum Datenschutz und Datensicherheit beim Einsatz von Smart Meter Gateways

Ein Smart Meter Gateway ist ein Internet-Zugang des intelligenten Stromzählers. Dieses Gateway ist verpflichtend für Smart Meter an Stromanschlüssen, über die ein Verbrauch von mehr als 6.000 kWh pro Jahr realisiert wird.

Eine vierköpfige Familie verbraucht im Jahr etwa 4.000 bis 4.500 kWh Strom. Wenn das auch für deinen Haushalt zutrifft, muss ein Smart Meter für deinen Stromanschluss nicht über einen Gateway verfügen. Aber du kannst beantragen, dass dein Anschluss damit ausgestattet wird.

Die oben genannten Paragrafen enthalten Festlegungen darüber, welchen Mindestanforderungen die intelligenten Messsysteme genügen müssen. So müssen sie die Erhebung, Übermittlung, Speicherung und Löschung von Messdaten gewährleisten, um die Daten für Abrechnungszwecke zu verarbeiten. Auch die Administration der Geräte und die Fernsteuerung der angeschlossenen Anlagen sind sicherzustellen. Ebenfalls zu sichern ist die Visualisierung der Verbrauchsdaten, damit der jeweilige Anschlussnutzer sein Verbrauchsverhalten analysieren und Einsparungsmöglichkeiten identifizieren kann.

Die Geräte müssen sich aus der Ferne vom jeweiligen Administrator updaten und um neue Funktionen erweitern lassen. Die Datensicherheit muss nach den Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik gewährleistet sein. Die Kommunikation zwischen den Geräten und den Administratoren bzw. Messstellenbetreibern erfolgt dabei verschlüsselt. Oder anders gesagt: Kein Unberechtigter darf digital Zugriff auf die Geräte haben und die Kommunikation darf sich nicht abfangen lassen.

Um das zu gewährleisten, haben die Smart Meter Gateways ein Zertifizierungsverfahren des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik zu durchlaufen. Ohne vorliegende Zertifizierung dürfen die Geräte nicht installiert werden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Physikalisch-Technische Anstalt und die Bundesnetzagentur sichern das einheitliche Sicherheitsniveau aller eingesetzter Smart Meter, analysieren den Ist-Zustand und eventuelle Schwachstellen und entwickeln die Sicherheitsprofile weiter.

 

Vorteile der Smart Meter Technik für die Verbraucher

Du fragst dich, ob sich Smart Meter auch für dich lohnen? Wir zeigen dir, welche Vorteile sie mit sich bringen:

  • Visualisierung des Stromverbrauchs in Echtzeit
  • bessere Kostenkontrolle für den Anschlussnutzer
  • Identifikation von Stromfressern im Haushalt
  • Vermeidung von Stromnachzahlungen durch die bessere Kostenkontrolle
  • Identifizierung von Möglichkeiten zur Reduzierung des Stromverbrauchs
  • Nutzung zeitvariabler Stromtarife
  • Fernablesung des Zählerstands, kein Besuch durch Ableser mehr notwendig
  • bessere Transparenz: Vergleich des eigenen Verbrauchs mit dem durchschnittlichen Verbrauch vergleichbarer Haushalte möglich

 

Warum ist das Gesetz besonders jetzt wichtig?

Das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz 2022/2023 wird den Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien für die Stromerzeugung stark beschleunigen. Das bedeutet, es werden immer mehr kleine und größere Stromerzeuger ans Netz gehen. Je mehr Stromerzeuger, desto mehr Aufwand muss betrieben werden, um das bundesweite Stromnetz stabil zu halten und allen Verbrauchern zuverlässig und jederzeit den benötigten elektrischen Strom bereitzustellen. Ohne moderne Digitaltechnik ist das nicht zu schaffen. Smart Meter sind ein wichtiger Baustein, zumal sie auch zur Einsparung beim Stromverbrauch beitragen können.