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Virtuelle Stromspeicher: Ihre Funktion

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

23.10.2020

Letztes Update

24.11.2021

Für wen lohnt sich ein virtueller Stromspeicher?

Mit einer PV-Anlage und einem Batteriespeicher möchtest du möglichst energieautark sein und nachhaltig Strom erzeugen. Doch es gibt technische Grenzen. Eine Lösung: virtuelle Stromspeicher.

Inhalt des Blogartikels

 

Strom der Sommersonne für den Winter zwischenlagern

Ein Stromspeicher speichert aus Sonnenenergie gewonnenen Strom, damit dieser bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt entnommen werden kann. Grundsätzlich ist mit „späteren Zeitpunkt“ gemeint, dass du abends oder bei schlechtem Wetter auf den Solarstrom zurückgreifen kannst, den die PV-Anlage mittags im Überfluss produziert hat.

Mit einem Stromspeicher versuchst du also, möglichst wenig teuren Strom aus dem Netz beziehen zu müssen, um einen großen Eigenverbrauchsanteil zu erreichen. Das funktioniert in der Regel auch recht gut. Mit einem Stromspeicher kannst du den Eigenverbrauch des Stroms aus deiner Solaranlage bis zu 80 Prozent erhöhen.

Doch viele Betreiber einer Anlage möchten möglichst autark durch selbst erzeugten Strom werden. Jetzt besteht aber nicht nur mittags ein Überangebot an Sonnenenergie. Im Vergleich zu den Wintermonaten ist dies vor allem im Sommer der Fall, weil dann die Produktion des Solarstroms weitaus größer ist als während der kurzen und kalten Wintertage. Und hier kommt der virtuelle Stromspeicher beziehungsweise die Solarcloud ins Spiel. Sie soll diese Versorgungslücke ausgleichen.

Das Prinzip des virtuellen Stromspeichers

Um das Prinzip zu erklären, greifen die meisten auf den Vergleich mit einem Sparbuch oder Konto zurück. Und irgendwie passt das auch. Du zahlst in den Sommermonaten den angesammelten Überschuss an Solarstrom ein und bedienst dich im Winter oder während längerer Schlechtwetterphasen aus deinem Solarguthaben. Der Betreiber liefert dir so lange „deinen“ Strom, bis das Konto beziehungsweise der virtuelle Speicher leer ist. Benötigst du dann trotzdem Strom, musst du diesen bezahlen. Allerdings ist dein Anteil am virtuellen Speicher begrenzt; je nachdem, für welche Größe du dich entschieden hast. Eine übliche Speichergröße sind 1.000 Kilowattstunden. Wenn deine Solarcloud bereits voll sein sollte, wird dein Solarstrom ins Netz eingespeist und gemäß Einspeisevergütung nach den Sätzen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) vergütet.

Übrigens: Betreiber einer Cloud garantieren, dass du aus dem virtuellen Speicher mit Ökostrom versorgt wirst. Was so aber nicht stimmen kann, weil es nicht möglich ist, konventionell und erneuerbar erzeugten Strom voneinander zu trennen. In das Stromnetz speichern alle Stromerzeuger ein, also auch Kohle- und Gaskraftwerke. Was du bekommst, ist dann quasi ein Strommix. Aber je mehr Ökostrom eingespeist wird, desto grüner wird dann auch der Strom, der aus dem Netz kommt.

Kontrolle via App

Wie der aktuelle Stand des angesparten Stromguthabens ist, kannst du per App über Smartphone, Tablet oder Laptop jederzeit überprüfen. Wenn du dich für einen virtuellen Stromspeicher entscheidest, kannst du in der Regel von einer Mindestvertragslaufzeit von 1 Jahr ausgehen.

Wirst du mit einer Solarcloud zu 100 Prozent energieautark?

Mit einem virtuellen Speicher ist es tatsächlich theoretisch möglich, die eigene Photovoltaikanlage vollkommen energieautark zu betreiben. Weil aber viele große Energieversorger zu den Anbietern von Solarclouds gehören, ist ihr Angebot meist an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt. Schließlich wollen sie Geld verdienen. Und mit über 1,8 Millionen Photovoltaikanlagen, die in Deutschland bis Ende 2019 installiert wurden, öffnet sich für virtuelle Stromspeicher ein Markt mit enormem Potenzial. Hinzu kommen noch etwa 10 Millionen für Photovoltaikanlagen geeignete Dächer.

 

Autarkie oder neue Abhängigkeiten?

Virtuelle Stromspeicher sind eigentlich eine tolle Idee, wären da nicht die bereits erwähnten Voraussetzungen, an die sie oftmals geknüpft sind. Meist erhältst du den Zugang zum virtuellen Stromspeicher nur in Verbindung mit dem Kauf eines realen Stromspeichers. Hinzu kommen dann noch monatliche Grundgebühren für die Dienstleistung. Eine Solarcloud mit einem Speichervolumen von 1.000 Kilowattstunden kostet pro Monat etwa 15 bis 30 Euro. Mit wachsendem Speichervolumen erhöhen sich aber auch die Monatsgebühren für die Cloud; beispielsweise 3.000 Kilowattstunden für 55 Euro oder bei einem anderen Anbieter im Oktober 2020 für 3.500 Kilowattstunden 91 Euro.

Ein weiteres Modell sind Komplettangebote. Hier werden Photovoltaikanlage, Stromspeicher für das Haus und virtueller Speicher gemeinsam verkauft. Je nach Anbieter kostet ein solches Komplettpaket zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Die monatliche Servicegebühr ist dabei noch nicht mitgerechnet. Bei einigen Angeboten musst du die komplette EEG-Einspeisevergütung an den Anbieter der Cloud abgeben. Die Versorgung von Wärmepumpe und Elektroauto über die Solarcloud wird teilweise ebenfalls angeboten.

Ein regionaler Cloud-Anbieter hat im Februar 2020 sein Angebot komplett umgestellt. Die Teilnahme am Cloud-System ist jetzt nicht mehr an den Kauf eines Solarstromspeichers gekoppelt. Die Cloud-Lösung steht bundesweit jedem zur Verfügung: unabhängig davon, wo der Speicher gekauft wurde und um welchen Hersteller es sich handelt. Auch die recht hohen Anschaffungskosten in Höhe von 950 Euro für die Hardware-Komponenten wurden gestrichen.

 

Wie groß sollte ein virtueller Stromspeicher sein?

Idealerweise ist die Solarcloud am Ende der Vertragslaufzeit leer beziehungsweise das Konto ausgeglichen. Um das zu erreichen, muss die Größe des virtuellen Speichers den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Und die hängt von der Leistung der Solaranlage, des Batteriespeichers und dem jeweiligen Stromverbrauch der Bewohner ab. Damit sich das Ganze für dich als Kunden rechnet, sollten im Laufe des Vertragsjahres 15 bis 20 Prozent mehr Solarstrom produziert als verbraucht werden.

 

Lohnt sich ein virtueller Stromspeicher?

Das Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmens EuPD Research hat im Frühjahr 2019 Cloud-Lösungen verschiedener Anbieter unter die Lupe genommen. Dabei gab es große Unterschiede bei den Angeboten mit Hardware. Die Stromkosten decken viele der Anbieter durch die Einspeisevergütung und das Freistromkontingent ab. Bei wenigen entstehen durch den Verzicht auf die EEG-Einspeisevergütung Zusatzkosten. Es gibt auch Anbieter, die die aus der Cloud bezogene Strommenge von der Einspeisevergütung abziehen. Für den Kunden ist oft nicht sofort ersichtlich, dass dies den Ertrag aus der Einspeisung reduziert. Bei anderen Modellen lässt sich nicht eindeutig nachvollziehen, wie sich der kostenlose Strom refinanziert.

Aufgrund der doch teilweise sehr unterschiedlichen Solarcloud-Modelle ist es ratsam, dass du dich ausführlich informierst und beraten lässt. Denn günstig ist der Strom aus dem virtuellen Stromspeicher nur dann, wenn du dein „Solarstromkonto“ nicht überziehst und den virtuellen Speicher optimal ausnutzen kannst.

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