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Stromspeicher in Mehrfamilienhäusern nutzen

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

04.04.2022

Letztes Update

04.04.2022

In Einfamilienhäusern ist die Integration eines Stromspeichers in die Photovoltaikanlage relativ einfach und lohnend. Hier erfährst du, wie es mit Stromspeichern in Mehrfamilienhäusern aussieht.

Inhalt des Blogartikels

Stromspeicher im Mehrfamilienhaus: So funktioniert die gemeinsame Nutzung eines PV-Speichers

Ein Stromspeicher für die Photovoltaik führt immer zu einer Erhöhung des Eigenverbrauchs des selbst erzeugten Solarstroms. Da die Einspeisevergütungen für nicht selbst verbrauchten Solarstrom permanent sinken, ist das ein großer Vorteil. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Einfamilienhäuser nicht von Mietshäusern. Allerdings ist nur etwa jedes fünfte der in Deutschland vorhandenen Mehrfamilienhäuser dafür geeignet, eine Photovoltaikanlage mit signifikanten Stromerträgen zu installieren.

Je mehr Mietparteien im Haus wohnen, desto mehr Strom muss die Photovoltaik liefern. Das bedeutet, dass eine größere Modulfläche benötigt wird, für die der entsprechende Platz auf dem Hausdach nötig ist. Ist diese Voraussetzung erfüllt, lohnt sich auch die Integration eines entsprechend großen Stromspeichers.

Eine besondere Schwierigkeit liegt darin, exakt zu messen, zu speichern und abzurechnen, wie viel Strom welche Wohnpartei direkt von den Solarmodulen, aus dem Stromspeicher oder aus dem öffentlichen Netz bezieht. Dazu sind eichrechtskonforme Stromzähler und ein Energiemanagementsystem notwendig, die den zur Verfügung stehenden Strom bedarfsgerecht verteilen.

Den rechtlichen Rahmen für den sogenannten Mieterstrom (Solarstrom aus der PV-Anlage des Mietshauses) setzte erstmals das EEG 2017. Mit der EEG-Novelle 2021 wurden die Fördermöglichkeiten verbessert. Die organisatorische und technische Problematik erforscht das auf 3 Jahre ausgelegte Projekt MELANI. An dem Konsortium sind die Firmen Naturstrom AG und SMA Solar Technology AG sowie die Physikalisch-Technischen Bundesanstalten und das elenia Institut für Hochspannungstechnik und Energiesysteme der TU Braunschweig beteiligt. Durch das Bundeswirtschaftsministerium wird das Projekt finanziell gefördert. Außerdem unterstützen einige Verbände der Wohnungswirtschaft.

 

Das musst du über eine Photovoltaik mit Stromspeicher im Mehrfamilienhaus wissen

Wenn du dich gemeinsam mit anderen Mietern oder aber als Eigentümer deines Wohnhauses für einen Stromspeicher entscheidest, solltest du dabei folgende Punkte beachten:

Voraussetzungen für einen Mehrfamilienhaus-Stromspeicher

Die wichtigste Voraussetzung hatten wir schon genannt: Das Gebäude muss über eine Dachfläche verfügen, die die Installation einer ausreichend leistungsfähigen Photovoltaikanlage ermöglicht. Außerdem benötigst du einen sicheren Platz im Gebäude für den Stromspeicher.

Du als Vermieter musst vor der Realisierung eines solchen Projektes mit allen deinen Mietern sprechen. Möglichst alle Mieter sollten verbindlich erklären, dass sie den Solarstrom abnehmen werden. Denn die Mieter können dazu nicht verpflichtet werden. Sie haben das Recht auf freie Wahl ihres Stromanbieters.

Finden sich nicht genügend Abnehmer, kannst du als Vermieter die Anlage nicht wirtschaftlich betreiben. Wie viel teilnehmende Mietparteien du benötigst, lässt du dir am besten in der Planungsphase von einem Experten ermitteln.

Abrechnung des Eigenverbrauchs

Trotz Einsatz eines Stromspeichers wirst du bei hoher Solarstromproduktion einige Kilowattstunden (kWh) gegen Vergütung in das öffentliche Stromnetz einspeisen müssen. Diese Erträge gehören dir als Eigner/Betreiber der Anlage. Zur Ermittlung muss ein Einspeisestromzähler installiert werden.

Umgekehrt wird das Gebäude Strom aus dem öffentlichen Netz benötigen, wenn die Photovoltaik mangels Sonneneinstrahlung nicht genügend liefern kann und der Stromspeicher bereits erschöpft ist. Diese Strommenge wird über einen Summenstromzähler erfasst und vom Netzversorger an dich in Rechnung gestellt.

Durch Stromzähler in den einzelnen Wohneinheiten registriert, welche Mietpartei wie viel Netzstrom nutzt. Damit kannst du den Stromverbrauch jeder Mietpartei berechnen. Der Preis pro Kilowattstunde richtet sich nach dem Preis des Stromversorgers. Möglich ist auch ein Modell, bei dem jede Mietpartei den aus dem Netz bezogenen Strom direkt mit dem Versorger abrechnet.

Doch auch der Solarstrom, der aus der Anlage oder dem Speicher durch die Mietparteien verbraucht wird, muss für jede Wohnung extra erfasst werden, um ihn zu berechnen. Den Preis pro Kilowattstunde legst du dabei selbst fest. Er darf jedoch nicht höher sein als maximal 90 Prozent des Strompreises deines örtlichen Grundversorgers. Dazu ist ebenfalls je ein Stromzähler pro Wohnung notwendig.

Wer ist gegenüber dem Mieter für den Stromspeicher im Mehrfamilienhaus zuständig?

Das richtet sich nach dem genutzten Mieterstrom-Modell. Wenn du als Vermieter auch als Betreiber der Photovoltaikanlage samt Stromspeicher im Mehrfamilienhaus auftrittst, dann bist du für alle Fragen im Zusammenhang mit der Stromversorgung für deine Mieter zuständig.

Es gibt jedoch mittlerweile auch spezialisierte Unternehmen, die Photovoltaikanlagen zur Versorgung von Mehrfamilienhäusern oder ganzen Wohnquartieren errichten und betreiben. Dann sind diese Unternehmen zuständig und du nimmst nur die Pacht für die zur Verfügung gestellte Dachfläche ein.

Welche Speicherkapazität ist für den Mehrfamilienhaus-Stromspeicher notwendig?

Es ist sinnvoll, gleich den Speicher bei Errichtung der Anlage zu installieren. Planer und ausführende Firma werden die notwendige Größe bzw. Speicherkapazität im Planungsprozess ermitteln.

Sollte dein vermietetes Mehrfamilienhaus bereits über eine Photovoltaik verfügen und du über die Nachrüstung eines Stromspeichers nachdenken, musst du dich an der installierten Modulfläche bzw. elektrischen Leistung orientieren. Die Speicherkapazität sollte der installierten Modulleistung entsprechen. Verfügt die Anlage zum Beispiel über eine Leistung von 30 Kilowatt (kW), sollte die Speicherkapazität 30 kWh betragen.

Die Einbindung des Stromspeichers in die Anlage erfolgt über ein Energiemanagementsystem, das den erzeugten Solarstrom verteilt. Vorrang hat dabei der direkte Verbrauch. Der Solarstrom, den die Verbraucher im Haus nicht abnehmen, wird gespeichert. Ist der Stromspeicher voll, wird der überschüssige Strom in das öffentliche Netz eingespeist.

Steht zu wenig oder kein Solarstrom für die Verbraucher im Haus zur Verfügung, werden die Wohnparteien aus dem Speicher versorgt. Erst wenn auch der Speicher nicht ausreichend Strom liefert, schaltet das Energiemanagement auf Stromversorgung aus dem öffentlichen Netz um.

 

Kosten eines Stromspeichers für ein Mehrfamilienhaus

Die Anschaffungskosten für einen Stromspeicher im Mehrfamilienhaus liegen inklusive Installation bei etwa 1.500 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Der oben als Beispiel genannte Stromspeicher mit 30 kWh Kapazität kostet demnach 45.000 Euro. Im Rahmen der jährlichen Wartung und Kontrolle der Anlage entfällt auch ein geringer Kostenanteil auf den Speicher.

 

Vor- und Nachteile eines Stromspeichers für ein Mehrfamilienhaus

Die Vor- und Nachteile von Stromspeichern im Mehrfamilienhaus unterscheiden sich nicht von denen im Eigenheim.

Vorteile:

  • Erhöhung des Eigenverbrauchs des erzeugten Solarstroms
  • Senkung der Abhängigkeit von steigenden Strompreisen öffentlicher Versorger
  • Senkung des CO₂-Ausstoßes bei der Stromerzeugung
  • höhere Effektivität und Lebensdauer der aktuellen Speichertechnologie

Nachteile:

  • Stromspeicher muss bedarfsgerecht geplant werden
  • zusätzlicher Platzbedarf des Speichers
  • Herstellung des Speichers klimaschädlich, lange Nutzungsdauer notwendig
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