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Anlage für Solarthermie entlüften: Darum ist es so wichtig

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

19.08.2022

Letztes Update

19.08.2022

Eigentlich sind Solaranlagen geschlossene Systeme. Dennoch kann mitunter Luft in die Leitungen gelangen, weshalb du deine Anlage für Solarthermie regelmäßig entlüften solltest.

Inhalt des Blogartikels

Woher kommt die Luft in deiner Solarthermieanlage?

Grundsätzlich handelt es sich bei Solaranlagen um geschlossene Systeme. Warum ist es also überhaupt notwendig, die Anlage für Solarthermie zu entlüften? Der Grund dafür liegt in der Funktionsweise der Anlage: In den Leitungen des Systems zirkuliert die Solarflüssigkeit, mit der die Wärme vom Kollektor zum Pufferspeicher deiner Heizungsanlage übertragen wird. Diese Flüssigkeit besteht aus einem Gemisch aus Frostschutzmittel und Wasser.

Über längere Zeiträume hinweg verdunsten Teile dieses Gemischs. Insbesondere an Tagen mit hohen Temperaturen und sehr starker Sonneneinstrahlung kann es regelrecht zu einer Dampfbildung im Rohrsystem kommen. Dieses Phänomen entsteht, wenn der Wärmebedarf im Haus eher gering ausfällt und sich die Solarflüssigkeit im Kollektor anstaut. Das Solarfluid kann dann sogar zu kochen beginnen, was zur erwähnten Bildung von Dampfblasen führt.

Da das Rohrsystem in der Regel nie zu 100 Prozent dicht ist (speziell bei selbstgebauten Solaranlagen), entweicht der Wasserdampf (wenn auch sehr langsam) über sehr kleine Undichtigkeiten (z. B. an Verbindungsstellen von Kollektoren und Rohrleitungen). Bestehen tatsächlich größere Leckagen an den Leitungen, ist Luft im System eine logische Folge. Die durch Verdunstung abhanden gekommene Flüssigkeit muss außerdem regelmäßig durch das Auffüllen mit neuem Solarfluid ersetzt werden. Doch auch beim Befüllen kann Luft ins System gelangen. Beheben lässt sich das Problem, indem du im Rahmen der regelmäßigen Wartung deine Anlage für Solarthermie entlüften lässt – oder diesen Vorgang sogar selbst übernimmst.

 

Warum ist Luft in der Solaranlage überhaupt problematisch?

Stellt Luft in der Solaranlage überhaupt ein Problem für die Konstruktion dar? Bei kleineren Mengen ist dies an sich nicht problematisch. Dennoch können selbst kleine Luftblasen an der falschen Stelle zu Blockaden des ungehinderten Durchflusses der Solarflüssigkeit führen. Außerdem beschleunigt Luft im System die Zersetzung des Solarfluids in seine Bestandteile. Insbesondere das Frostschutzmittel kann dabei ausflocken und Klumpen bilden, die nicht nur die Effizienz der Solaranlage reduzieren, sondern auf Dauer auch eine Beschädigung der Solarkollektoren verursachen können. Noch schlimmer ist es, wenn Luft in die Pumpe gelangt, denn diese kann dadurch heißlaufen, überhitzen und schließlich den Dienst ganz einstellen. Dass dies eine teure Reparatur nach sich zieht, liegt auf der Hand. Negative Auswirkungen hat Luft in der Solaranlage übrigens auch auf die sogenannte Schwerkraftbremse, die ein Auskühlen des Pufferspeichers über Nacht verhindern soll. Somit kommt es zu unnötigen Wärmeverlusten.

Negative Auswirkungen von Luft in der Solaranlage:

  • Zersetzung von Solarflüssigkeit, Klumpenbildung, Blockaden
  • Schäden an Kollektoren und Pumpen sind durch Luft im System möglich
  • Schwerkraftbremse funktioniert weniger effizient
  • Die Effizienz der Solaranlage wird insgesamt reduziert

Diese Reihe an Gefahren macht deutlich, wie wichtig es ist, deine Solarthermieanlage regelmäßig von Luft zu befreien. Die Effizienz der Anlage lässt sich ganz einfach erhalten (bzw. verbessern), indem du sie in regelmäßigen Abständen entlüftest.

 

Luftblasenbildung beim Befüllen vermeiden

Beim Auffüllen der Solarflüssigkeit kommt es beinahe zwangsläufig zum Eindringen von Luft ins System. Das ist selbst dann der Fall, wenn die Befüllung von Fachleuten durchgeführt wird. Allerdings lässt sich die Menge an Luft durch das richtige Befüllen durch eine erfahrene Fachkraft stark reduzieren, sodass die Entlüftung der Solarthermieanlage einfacher abläuft.

Voraussetzungen zum korrekten Befüllen

  • Die Solaranlage nur im kalten Zustand und nicht bei starker Sonneneinstrahlung befüllen, um direkte Dampfbildung an heißen Stellen im System zu vermeiden.
  • Rohrsystem der Anlage gründlich durchspülen: Hierfür sollte eine starke Pumpe zum Einsatz kommen, damit die Flüssigkeit ohne Blasenbildung durchläuft.
  • Das korrekte Anmischen der Solarflüssigkeit ist wichtig, um ein temperaturstabiles Solarfluid zu erhalten. In der Regel ist ein Mischungsverhältnis von 40 Prozent Frostschutz und 60 Prozent destilliertem Wasser empfehlenswert. Dies kann aber je nach Anlagentyp variieren (Herstellerangaben beachten).
  • Befüllen der Anlage: Die Pumpe muss so lange laufen, bis die Luft vollständig aus dem System entwichen ist. Das erkennst du daran, dass am Ende der Solarthermieanlage nur noch Flüssigkeit austritt.
  • Nach dem Befüllen solltest du die Anlage für Solarthermie nochmals entlüften, indem du am Entlüftungsventil auch die letzten Blasen austreten lässt.

Tipp: Nach der Befüllung und dem Entlüften der Solaranlage sollte unbedingt der Druck im System kontrolliert werden. Dieser muss den Herstellerangaben entsprechen, um die Effizienz der Anlage im Betrieb zu gewährleisten.

 

Wie funktioniert das Entlüften der Anlage für Solarthermie im Detail?

Das eigentliche Entlüften wird entweder über ein manuelles Entlüftungsventil oder mit automatischen Entlüftern erledigt. Es hängt vom Typ und der Leitungsführung deiner Solaranlage ab, welche Art der Entlüftung erforderlich ist.

  • Sogenannte Drain Back Solaranlagen müssen nicht entlüftet werden, da sie zum Betrieb Luft im System benötigen. Das verhindert ein Überhitzen des Systems bei diesem spezifischen Anlagentyp.
  • Geschlossene Solaranlagen werden bei Wartung und Inbetriebnahme komplett gespült und entlüftet. Zusätzliche Entlüftungsventile sind in der Regel nicht vorhanden; die Solaranlage lässt sich bei Bedarf über einen Luftabscheider in der Solarstation nachträglich entlüften – dies geschieht entweder automatisch oder manuell.
  • Einige Solaranlagen verfügen über mehrere Entlüftungsventile, die an den Stellen platziert sind, wo sich die meiste Luft ansammelt. Dies ist in der Regel an den Solarkollektoren der Fall. Achtung: Die Entlüftung sollte nicht erfolgen, wenn die Kollektoren aufgeheizt sind, da sonst heiße oder sogar kochende Flüssigkeit bzw. Dampf austreten kann. Daraus ergibt sich eine hohe Verletzungsgefahr.
  • Besitzt dein System eine automatische Entlüftung, wird die Luft in der Solaranlage regelmäßig durch selbsttätiges Öffnen und Schließen der Ventile entfernt. Solche Entlüftungsventile verfügen außerdem über eine automatische Absperrfunktion, die beim Erreichen des Siedepunkts der Solarflüssigkeit die Ventile schließt.

Wo sollte das Entlüftungsventil in der Solaranlage sitzen?

Besonders bei Anlagen, die selbst konzipiert wurden, stellt sich die Frage nach der korrekten Position des Entlüftungsventils im System der Solarthermieanlage. Wenn vom Hersteller nicht anders vorgegeben, platzierst du dieses am besten in der Nähe des Wärmetauschers. Verwendet deine Anlage einen automatischen Entlüfter, spart dir das einiges an Arbeit. Es ist jedoch wichtig, dass sich der Entlüfter absperren lässt, wenn die Solarflüssigkeit zu sieden beginnt.

 

Selbstständig die Anlage für Solarthermie entlüften: Geht das?

Obwohl der eigentliche Vorgang der Befüllung und Entlüftung einer Solarthermieanlage relativ wenig Arbeitsaufwand und auch kein besonderes Spezialwerkzeug erfordert, empfehlen wir unbedingt die Durchführung des Entlüftens durch einen Fachbetrieb. Gerade bei neueren Solaranlagen ergeben sich so bei Fehlern oder Defekten keine Probleme mit eventuellen Garantieansprüchen, die durch das inkorrekte Vorgehen aufkommen können. Auch versicherungstechnisch kann es zu Problemen kommen, falls Schäden durch unsachgemäße Arbeiten entstehen oder begünstigt werden.

Außerdem erfordert die Entlüftung der Solarkollektoren auf dem Dach in vielen Fällen gefährliche Kletterpartien, die nur von Fachleuten durchgeführt werden sollten. Auf keinen Fall solltest du darauf verzichten, deine Anlage für Solarthermie zu entlüften, denn auf Dauer riskierst du Schäden an der Pumpe und der gesamten Anlage. Zudem reduziert es den Ertrag deiner Solaranlage erheblich, wenn sich größere Mengen Luft über längere Zeit im System befinden. Die Beauftragung einer Fachkraft mit dem Entlüften deiner Anlage für Solarthermie zahlt sich dadurch langfristig aus.

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