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Solarthermie befüllen: So geht‘s

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

29.08.2022

Letztes Update

29.08.2022

Nach der Installation musst du die Solarthermie befüllen. Später ist hin und wieder ein Austausch der Solarflüssigkeit nötig. Wir zeigen, wie das geht und was du beachten solltest.

Inhalt des Blogartikels

Darum ist es wichtig, auf die Solarflüssigkeit zu achten

Die Solarflüssigkeit ist ein entscheidender Bestandteil der Solaranlage. Sie nimmt in den Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach die Sonnenwärme auf und transportiert sie zum Wärmetauscher für das Heizungswasser. Damit das optimal funktioniert, muss sich ausreichend Solarflüssigkeit in der Anlage befinden und ihre chemische Zusammensetzung der Spezifikation entsprechen.

Ob genug Solarflüssigkeit in der Anlage vorhanden ist, zeigt dir der Anlagendruck. Ist er geringer als vorgesehen, deutet das auf eine zu geringe Flüssigkeitsmenge hin. Das führt dazu, dass die Solarthermie weniger Sonnenwärme auffangen und zur Heizung transportieren kann als im Normalfall möglich.

Ursache für den geringen Anlagendruck und den Mangel an Solarflüssigkeit kann ein Leck in einem Kollektor oder der Verrohrung sein. Das ist aber eher selten der Fall. Wahrscheinlicher ist folgender Effekt: Im Sommer erhitzt sich, bei sehr starker Sonneneinstrahlung und gleichzeitiger Abschaltung der Zirkulationspumpe (thermische Stagnation), die in den Kollektoren befindliche Flüssigkeit so stark, dass sie teilweise verdampft.

Der Dampf wird in einem Membranausdehnungsgefäß aufgefangen und kondensiert bei sinkender Temperatur wieder. Wenn der Anlagendruck durch die Verdampfung aber kritische Werte erreicht, wird ein Teil des Dampfes durch Sicherheitsventile abgeblasen. Die im abgeblasenen Dampf enthaltene Menge Flüssigkeit kann später nicht mehr in der Anlage kondensieren und fehlt somit.

Der ständige Temperaturwechsel und die immer mal auftretende teilweise Verdampfung mit anschließender Kondensation führt auch zur Alterung. Die Solar- oder Wärmeträgerflüssigkeit ist ein Gemisch aus Wasser, einer Glykolverbindung und eventuell noch Zusätzen für den Rostschutz. Bei der Alterung zerfällt das Gemisch nicht nur in seine Bestandteile. Auch die Bestandteile selbst zersetzen sich chemisch und es entstehen andere Stoffe, die zum Beispiel die Metallrohre angreifen. Dadurch können Verstopfungen auftreten.

Mit der Zersetzung verliert die Flüssigkeit gleichzeitig ihren Frostschutz. In dem Fall kann es passieren, dass die Solaranlage im Winter einfriert und Kollektoren sowie Leitungen platzen.

Deshalb ist es wichtig, dass du die Qualität der Solarflüssigkeit in deiner Anlage regelmäßig kontrollierst und sie ggf. komplett austauschst.

 

Wann sollte ich Solarthermie befüllen bzw. die Flüssigkeit wechseln?

Die Erstbefüllung erfolgt natürlich nach der Installation der Solarthermieanlage. Wenn du die Installation von einer Handwerksfirma durchführen lässt, ist sicher die Erstbefüllung inklusive Bereitstellung der Flüssigkeit inbegriffen. Kaufst du die Anlagenkomponenten einzeln, wirst du dir auch die Solarflüssigkeit selbst besorgen müssen.

Im Betrieb solltest du Solarflüssigkeit nachfüllen, wenn du einen Druckabfall an deiner Anlage feststellst. Bitte benutze dazu die gleiche Marke und den gleichen Hersteller, von dem die Erstbefüllung stammt. Eine Mischung mit einer anderen Marke kann zu chemischen Reaktionen zwischen alter und neuer Flüssigkeit führen und die Anlage beschädigen.

Eine eindeutige Empfehlung, nach welcher Nutzungsdauer die Solarflüssigkeit ausgetauscht werden sollte, gibt es nicht. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle des Zustands der Flüssigkeit unumgänglich. Ein guter Zeitpunkt dafür ist die Wartung der Solarthermieanlage, die in der ersten Zeit nach der Inbetriebnahme und danach jährlich oder mindestens alle 3 bis 5 Jahre erfolgen sollte (dann als umfangreiche Wartung). Wenn du damit eine Firma beauftragst, wird der Fachmann den Zustand der Flüssigkeit mithilfe eines Refraktometers prüfen und entscheiden, ob ein Austausch notwendig ist.

Du kannst die Beurteilung der Solarflüssigkeit auch selbst vornehmen. Dazu entnimmst du eine Probe aus dem Solarkreislauf und begutachtest diese nach folgenden Kriterien:

Das Aussehen der Solarflüssigkeit

Die Solarflüssigkeit kann eingefärbt sein, ist aber im Neuzustand klar. Wenn die Probe eingetrübt ist oder sich sogar Klümpchen darin befinden, ist ein Austausch notwendig.

Der Geruch der Solarflüssigkeit

Neue Flüssigkeit ist geruchlos. Riecht die Probe, ist der Alterungsprozess bereits fortgeschritten. Zeigt sich ein Ammoniakgeruch, weist das auf eine Zersetzung des enthaltenen Frostschutzmittels hin. Dann solltest du die Solarthermie neu befüllen bzw. die Flüssigkeit austauschen.

Der pH-Wert der Solarflüssigkeit

Im Lieferzustand ist Solarflüssigkeit alkalisch und hat einen pH-Wert zwischen 7 und 7,5. Der pH-Wert 7 entspricht dem von Wasser und ist somit neutral. Bei einem Wert unter 7 ist die Flüssigkeit bereits in den sauren Bereich gekippt. Das macht einen Austausch notwendig. Den pH-Test kannst du mit einem handelsüblichen Streifen Lackmus-Papier durchführen, den es zum Beispiel in Apotheken und Drogerien zu kaufen gibt.

 

Welche Solarflüssigkeit kommt infrage?

Generell kommt jede Solarflüssigkeit in Betracht, die im Handel für diesen Zweck angeboten wird. Bei einem Komplettaustausch musst du nicht darauf achten, dass du wieder das gleiche Fabrikat nutzt. Das ist nur beim Nachfüllen notwendig. Grundsätzlich hast du die Wahl zwischen Fertigmischungen und Konzentraten.

Ein Konzentrat lässt sich besser transportieren, weil es sich um eine geringere Flüssigkeitsmenge handelt. Allerdings musst du vor dem Einfüllen nach den Herstellerangaben eine nutzbare Mischung herstellen. Wenn du dabei Fehler machst, besteht die Gefahr, dass die befüllte Solarthermie nicht optimal funktioniert.

Bei einer Fertigmischung hast du zwar eine größere Menge zu transportieren. Aber du kannst dich darauf verlassen, dass die Komponenten im richtigen Verhältnis gemischt sind.

 

So kannst du die Flüssigkeit austauschen bzw. Solarthermie befüllen

Für einen Austausch der Flüssigkeit sind insgesamt 4 Schritte notwendig. Wenn du Solarthermie befüllen möchtest, musst du nur 2 davon durchführen – dazu später mehr. So wechselst du die Solarflüssigkeit deiner Anlage:

1. Flüssigkeit ablassen

In der Solarstation mit der Zirkulationspumpe findest du den Ablass-Anschluss. Hier schließt du einen Schlauch an und lässt die alte Solarflüssigkeit in Kanister ab. Die Flüssigkeit zählt zum Sondermüll und muss fachgerecht entsorgt werden.

2. Anlage reinigen

Durch die chemische Zersetzung der Solarflüssigkeit im Alterungsprozess bilden sich Ablagerungen in den Kollektoren und der Rohrleitung, die du entfernen musst. Der Fachhandel bietet dazu spezielle Reinigungsmittel, mit denen du die Anlage spülst. Die Zeitdauer der Reinigung beträgt laut Herstellern 20 bis 30 Minuten.

3. System spülen

Damit keine Reste des Reinigers in der Anlage verbleiben, ist eine anschließende Spülung der Solaranlage mit klarem Wasser notwendig. Das sollte etwa 5 bis 10 Minuten dauern. Auf jeden Fall musst du so lange spülen, bis sich keine Spuren des Reinigers mehr im Wasser zeigen.

4. Solarthermie befüllen

Zum Abschluss befüllst du die Solarthermie mit der neuen Solarflüssigkeit. Die richtige Menge ist erreicht, wenn sich der Anlagendruck auf den vorgesehenen Wert eingestellt hat. Bei der Befüllung solltest du darauf achten, dass möglichst keine Luft in das System gelangt. Das kannst du jedoch nicht immer vermeiden. Deswegen hat es sich bewährt, die Solarflüssigkeit nach dem Befüllen noch einige Zeit mit der Solarpumpe zirkulieren zu lassen. Durch das Schauglas in der Solarstation siehst du, ob sich noch Luftblasen in der Flüssigkeit befinden. Ist das nicht der Fall, entlüftest du die Anlage, ähnlich wie bei einem Heizkörper. Unter Umständen musst du sie mehrmals entlüften.

Erstmaliges Befüllen

Nach der Installation können sich Verschmutzungen von der Lagerung und dem Transport der Rohre sowie Kügelchen des Lötmittels in der Anlage befinden. Um spätere Störungen zu vermeiden, solltest du zunächst die Solaranlage mit Wasser durchspülen (Schritt 3) und im Anschluss die Solarthermie befüllen (Schritt 4).

 

Abschließende Hinweise

Die Anschlüsse für das Befüllen und Ablassen findest du an den Rohrleitungen für Vor- und Rücklauf in der Solarstation. Beim Ablassen läuft die Flüssigkeit allein durch die Schwerkraft aus der Anlage. Für die Reinigung, Spülung und Befüllung benötigst du jedoch Druck, den du mit einer Befüllpumpe bzw. Befüllstation erzeugst.

Profigeräte bestehen im Wesentlichen aus einem Behälter für die Flüssigkeiten und einer Pumpe mit leistungsfähigem Elektromotor. Sie sind in der Regel sehr teuer. Es gibt auch günstigere Handpumpen, die ebenfalls einen Flüssigkeitsbehälter aufweisen. Eine dritte Möglichkeit stellen Befüllpumpen dar. Diese Pumpen werden mit einer normalen Handbohrmaschine angetrieben. Für die Flüssigkeiten benutzt du in dem Fall einen großen Kübel, Bottich oder eine Wanne.

Zum Abschluss noch unser Hinweis, dass du immer auf der sicheren Seite bist, wenn ein Experte deine Solarthermie befüllt. Dieser verfügt über Profiausrüstung und bringt Fachwissen sowie Erfahrung mit.

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