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Klappt Photovoltaik & Denkmalschutz?

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

25.01.2022

Letztes Update

25.01.2022

Photovoltaik und Denkmalschutz: Passt das zusammen?

Prinzipiell können Hausbesitzer selbst darüber entscheiden, eine Solaranlage zu installieren. Doch wenn Photovoltaik und Denkmalschutz miteinander kollidieren, wird es kompliziert.

Inhalt des Blogartikels

Warum ist der Denkmalschutz bei der Installation von Photovoltaikanlagen eine Herausforderung?

Deutschland nimmt das Thema Denkmalschutz sehr ernst. Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude besitzt, muss sich bei vielen Umbauten und Modernisierungen mit den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde auseinandersetzen. Gerade in Sachen Klimaschutz können Vorhaben, die bei anderen Häusern genehmigungsfrei sind, bei sogenannten Einzel-Baudenkmälern hohe Hürden mit sich bringen.

Willst du beispielsweise auf einem Denkmal das Dach sanieren und eine bessere Gebäudedämmung installieren, muss dies letztlich im Einklang mit den Denkmalschutzvorschriften stehen. Insbesondere die Beeinträchtigung des historischen Erscheinungsbildes musst du in der Regel unbedingt vermeiden.

Die Installation einer Solaranlage steht diesem Anspruch oftmals entgegen. Das bedeutet aber nicht, dass sich Photovoltaik und Denkmalschutz grundsätzlich gegenseitig ausschließen. Zum einen hängt die Genehmigung einer Anlage von vielen Faktoren ab, die du als Hausbesitzer eventuell beeinflussen kannst. Zum anderen handelt es sich fast immer um Einzelfallentscheidungen der Denkmalschutzbehörde, weshalb sich die individuelle Prüfung auf jeden Fall lohnt.

Keine einheitlichen Regeln für Photovoltaik auf Gebäuden mit Denkmalschutz

Bislang fehlt es in Deutschland an bundeseinheitlichen Regeln für den Denkmalschutz, was auch die Installation von Solaranlagen betrifft. Die Vorgaben machen die einzelnen Bundesländer und die Städte und Kommunen können diese je nach individuellem Bedarf vor Ort anpassen und ausgestalten. Deswegen ist es schwierig, sich auf Entscheidungen in anderen Städten oder gar Bundesländern zu berufen, wenn du einen Antrag für dein Baudenkmal bei der Denkmalschutzbehörde einreichst.

Umgekehrt kann aber auch ein Antrag nicht einfach auf Ablehnung stoßen, weil es anderswo unter ähnlichen Bedingungen auch so war – eine Einzelfallprüfung kann also ebenso positiv für dich ausfallen. Falls du dir nicht sicher bist, ob dein Gebäude überhaupt unter Denkmalschutz steht, ist dies der erste Schritt. Denn wenn du – auch unwissentlich – eine Solaranlage auf ein denkmalgeschütztes Haus baust, kann das teure Folgen nach sich ziehen.

Oft wird neben dem eigentlichen Denkmalschutz der sogenannte Ensembleschutz übersehen. In Städten und Dörfern, in denen eine historisch gewachsene Gebäudesubstanz das Stadtbild beherrscht, können einzelne Veränderungen das gesamte Erscheinungsbild beeinflussen. Das bedeutet, dass sich dein Haus zwar möglicherweise prinzipiell für eine Photovoltaikanlage eignet, aber aufgrund des Ensembleschutzes der Denkmalschutz doch noch greift.

 

Sind Photovoltaikanlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden erlaubt oder nicht?

Wenn Denkmalschutz ein prinzipielles Ausschlusskriterium für die Installation von Solarmodulen wäre, ließe sich diese Frage ganz einfach beantworten. Tatsächlich können aber auch Photovoltaikanlagen auf denkmalgeschützten Dächern infrage kommen, wenn du die Auflagen und Vorgaben der Denkmalschutzbehörde erfüllst.

Da dies wie geschildert in jedem Einzelfall anders aussehen kann, ist es unmöglich, klare Regeln zu beschreiben, die für jedes Gebäude anwendbar wären. Weil die optische Beeinträchtigung des Denkmals eine große Rolle spielt, kann es zum Beispiel sein, dass du für eine Photovoltaikanlage eine Genehmigung erhältst, wenn sie von öffentlichem Grund aus nicht ohne Weiteres einzusehen ist.

Klar ist natürlich, dass ein Dach funktional und statisch mit den zusätzlichen Belastungen einer Solaranlage zurechtkommen muss. Besonders historische Dächer sind aufgrund ihrer Konstruktionsweise und Tragfähigkeit nicht immer mit schweren Solarmodulen kombinierbar.

 

Sind die Kosten von Photovoltaik auf einem Baudenkmal höher als bei anderen Gebäuden?

Da die Auflagen oft einen höheren Aufwand erfordern, können die Kosten für eine Photovoltaikanlage auf einem Baudenkmal deutlich höher ausfallen als bei anderen Gebäuden.

So gibt es manchmal nur eine Genehmigung für eine Photovoltaik-Fassade oder direkt ins Dach integrierte Solardachziegel, deren Kosten erheblich höher sind als bei klassische Modulen. Auch die Verlegung von Leitungen für die Anlage kann einen Mehraufwand bedeuten, da diese keine optische Beeinträchtigung darstellen dürfen.

Fördermittel für Photovoltaik bei Denkmalschutz

Im Rahmen einer energetischen Sanierung kann sich dein Vorhaben für entsprechende Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder anderer Stellen (zum Beispiel auf kommunaler Ebene) eignen.

Tatsächlich unterliegt die Sanierung von Baudenkmälern als „besonders erhaltenswerte Bausubstanz“ vereinfachten Förderbedingungen. So darf die KfW-Effizienzhaus-Stufe Denkmal einen deutlich höheren Jahres-Primärenergiebedarf von maximal 160 Prozent des Wertes eines Referenzgebäudes nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) aufweisen.

 

Wie ist der Ablauf bei der Installation einer Solaranlage auf einem denkmalgeschützten Gebäude?

Folgende Grundvoraussetzungen solltest du bei der Planung einer Solaranlage bedenken, wenn das Haus unter Denkmalschutz steht:

  • Die Anlage sollte das äußere Erscheinungsbild möglichst wenig beeinträchtigen.
  • Optische Anpassungen in Farbe und Form an das Originaldach sind wünschenswert.
  • Nachhaltigkeit und Umweltschutz werden bei der Entscheidung berücksichtigt.
  • Die grundlegende Charakteristik des Denkmals muss erhalten bleiben.

Um diese und andere Vorgaben von Beginn an zu berücksichtigen, solltest du möglichst früh Kontakt mit deiner zuständigen Denkmalschutzbehörde aufnehmen. Der Ablauf kann je nach Wohnort und Bundesland unterschiedlich ausfallen, für gewöhnlich gestalten sich die Entscheidungsprozesse aber immer ähnlich:

  • Individuelle Prüfung der örtlichen Gegebenheiten: Wo kann eine Photovoltaikanlage installiert werden und wie ist die Einsehbarkeit aus dem öffentlichen Raum?
  • Es erfolgt ein Termin oder Telefonat mit der Unteren Denkmalschutzbehörde zur ersten Abklärung, ob eine Solaranlage grundsätzlich genehmigungsfähig ist.
  • Es findet eine Vor-Ort-Besichtigung mit dem Denkmalpfleger statt. Er schätzt ein, ob und gegebenenfalls in welcher Größe beziehungsweise mit welcher Art Solaranlage die Realisierung auf dem Denkmal möglich sein könnte.
  • Du reichst den Antrag für die Genehmigung zur Errichtung einer Photovoltaikanlage ein. Achte darauf, dass alle geforderten Belege nach Möglichkeit bereits enthalten sind, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen.
  • Falls nach circa 6 Wochen noch keine Entscheidung zu deiner geplanten Anlage gefallen ist, solltest du nachfragen.
  • Prüfe im Falle einer Ablehnung deine Möglichkeiten zum Einspruch. Oft kann sinnvoll argumentiert werden, wenn in etwa vorhandene Installationen (Antennen, Dachfenster etc.) das Erscheinungsbild des Ensembles bereits beeinträchtigt haben.
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