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Ist der Blitzschutz für eine PV-Anlage notwendig?

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

30.05.2022

Letztes Update

30.05.2022

Eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) ist ein großflächiger Aufbau auf einem Dach, der viel Metall enthält. Daher ist die Frage naheliegend, ob die Anlage gegen Blitzeinschlag gesichert werden muss. Wir verraten dir in diesem Artikel mehr.

Inhalt des Blogartikels

Ist ein Blitzschutz bei der Installation von PV-Anlagen auf Privatgebäuden Pflicht?

Es gibt keine Pflicht für die Montage eines Blitzschutzes bei Photovoltaikanlagen auf Privatgebäuden. Der Verband der Schadensversicherer (VdS) empfiehlt lediglich die Installation eines Blitzschutzes bei Anlagen mit mehr als 10 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung. Allerdings fordern manche Versicherungsgesellschaften die Einrichtung eines Blitzschutzes für die von ihnen versicherten PV-Anlagen. Oder sie berechnen eine höhere Prämie, wenn kein Blitzschutz vorhanden ist. Lies dir also am besten das Kleingedruckte im Versicherungsvertrag für deine PV-Anlage durch, um auf der sicheren Seite zu sein.

Auch technisch gesehen ist ein Blitzschutz für PV-Anlagen nicht unbedingt notwendig. Im Allgemeinen erhöht eine solche Anlage das Risiko eines Blitzeinschlags nicht. Die Ausnahme bildet eine hoch aufgeständerte Photovoltaik auf einem Flachdach, wenn die Anlage dann den höchsten Punkt in der näheren Umgebung bildet. Aber das ist eher selten der Fall.

 

Warum solltest du dennoch über einen Blitzschutz für deine PV-Anlage nachdenken?

Auch wenn die Gefahr eines Blitzeinschlags in deine PV-Anlage gering ist, ist sie nicht gänzlich ausgeschlossen. Und wenn es passiert, ist der Schaden auf jeden Fall hoch. Ein direkter Treffer zerstört die Module und die hohen Ströme werden auch die nachgeschalteten Komponenten bis hin zum Hausnetz beschädigen. Eventuell wird über den Einspeisepunkt sogar das öffentliche Stromnetz in Mitleidenschaft gezogen.

Aber es muss gar kein direkter Treffer sein. Schon ein Blitzeinschlag in der Nähe deines Hauses kann deine Photovoltaik beschädigen. Die den Blitz begleitenden starken elektromagnetischen Felder induzieren in deiner Anlage hohe Spannungen und Stromflüsse, die ebenfalls zu teuren Schäden führen. Angesichts der hohen Schadenssummen im Ernstfall ist die Installation eines Blitzschutzes für die PV-Anlage auf jeden Fall eine Überlegung wert.

 

Wie ist ein Blitzschutz für PV-Anlagen aufgebaut?

Fachleute unterscheiden zwischen äußerem und innerem Blitzschutz. Es ist wichtig zu verstehen, dass der innere nicht den äußeren Blitzschutz ersetzt und umgekehrt. Beide Bereiche gehören unbedingt zusammen.

Der äußere Blitzschutz

Der äußere Blitzschutz besteht im Wesentlichen aus mehreren, nach oben gerichteten, Metallstangen auf dem Dach, die miteinander und über eine nach unten führende Metallleitung mit der Erde verbunden sind. Bei einem direkten Treffer schlägt der Blitz in eine der Metallstangen und wird in die Erde abgeleitet. Dabei muss gewährleistet sein, dass keine Dachaufbauten (zum Beispiel der Schornstein) höher hinauf ragen als die höchste Metallstange des Systems. Die Erdleitung muss für den Blitz den Weg des geringsten (elektrischen) Widerstands darstellen, damit seine Energie tatsächlich ohne Umwege in die Erde abgeleitet wird. Achte darauf, dass die Erdleitung nicht zu nah an anderen metallischen Gegenständen des Hauses vorbeiführt. Ansonsten kann es passieren, dass der Blitz mittels Lichtbogen überspringt und direkt in das Haus eindringt.

Der innere Blitzschutz

Der innere Blitzschutz ist ein Überspannungsschutz. Er leitet die durch die elektromagnetischen Felder des Blitzes in metallischen Konstruktionen des Hauses induzierten Ströme ab. Das betrifft nicht nur die Elektroinstallation, sondern auch Wasserrohre und tragende Konstruktionen aus Metall im Baukörper. Dafür ist der Potenzialausgleich zuständig. Das heißt, Hausstromnetz, Metallrohre (Wasser- und Heizungsinstallation) und Metallkonstruktionen sind per Potentialausgleichsleitungen mit der Haupterdungsschiene verbunden. Dieser Potenzialausgleich ist in Deutschland für alle Bauten vorgeschrieben und muss daher unabhängig von einer Blitzschutzanlage gewährleistet sein.

Eine weitere, im Normalfall nicht vorhandene, Einrichtung schützt die Elektroinstallation der PV-Anlage vor Spannungsspitzen durch Blitzeinschlag. Es wird parallel zur Verbindung zwischen Modulen und dem Wechselrichter eine spezielle Erdungsleitung gezogen. Diese Leitung besitzt im Normalbetrieb einen sehr hohen Widerstand, sodass über sie nahezu kein Strom fließt. Erst bei den hohen Überspannungen eines direkten oder in der Nähe erfolgten Blitzeinschlags wird der Widerstand sehr klein und die Überspannungen werden in die Erdung abgeleitet.

 

Installation und Zusammenspiel des Blitzschutzes für PV-Anlagen

Es ist am günstigsten, wenn du die Photovoltaikanlage und den Blitzschutz gemeinsam planen und installieren lässt. Dann sind beide Systeme aufeinander abgestimmt und sollten optimal funktionieren.

Montage einer PV-Anlage bei vorhandenem Blitzschutz

Ist auf deinem Haus bereits ein äußerer Blitzschutz vorhanden, besteht die Aufgabe, die Photovoltaikanlage in seinen Schutzbereich einzupassen. Alle Leitungen des Blitzschutzsystems müssen in einem Abstand von 0,5 bis 1,0 Meter von den Modulen und ihrer Tragekonstruktion verlaufen. Dadurch wird ein Überschlagen eines eingefangenen Blitzes von den Leitungen des Blitzschutzes auf die Photovoltaik verhindert.

Es kann sein, dass du aufgrund des vorhandenen Schutzes weniger Module auf dem Dach montieren kannst. Die Tragekonstruktion verbindest du mit der Haupterdungsschiene des Hauses. Auf keinen Fall darfst du sie an die Leitungen des Blitzschutzes anschließen! Außerdem musst du zusätzlich den inneren Blitzschutz für die Photovoltaik, den wir im vorhergehenden Abschnitt beschrieben haben, nachrüsten.

Nachträglicher Einbau eines Blitzschutzes bei vorhandener PV-Anlage

Diese Aufgabe ist womöglich noch komplizierter als der zuvor beschriebene Fall. Zumindest trifft das für den äußeren Blitzschutz zu. Die PV-Module nutzen in der Regel den zur Verfügung stehenden Platz auf dem Dach optimal aus. Daher kann es schwierig sein, bei der Installation des Blitzschutzes die notwendigen Abstände zu Modulen und Tragekonstruktion einzuhalten. Unter Umständen ist ein teilweiser Rückbau, die Verringerung der Modulanzahl oder eine andere Anordnung notwendig.

Im Gegensatz dazu kannst du die Nachrüstung des inneren Blitzschutzes, der den Überspannungsschutz realisiert, mit relativ geringem Aufwand realisieren.

Was passiert im Falle eines Einschlags?

Zielt der Blitz tatsächlich direkt auf dein Haus, fängt ihn der äußere Blitzschutz ein und leitet die Energie in die Erde ab. Die Module auf dem Dach sollten dabei keinen Schaden nehmen. Die trotzdem im Gebäude auftretenden Spannungsspitzen werden durch den Potenzialausgleich und die spezielle Blitzschutzleitung von den Modulen zum Wechselrichter unschädlich gemacht. Sind der äußere und innere Blitzschutz korrekt installiert, treten keine oder allenfalls marginale Schäden auf. Ein durch die Spannungsspitzen trotz Überspannungsschutz defekter Fernseher ist nichts im Vergleich mit der kompletten Zerstörung der PV-Anlage und einem Brand durch den Blitzeinschlag in ein ungeschütztes Gebäude.

 

Die Vorteile eines Blitzschutzes bei PV-Anlagen

Ein direkter oder auch nur in der Nähe erfolgter Blitzeinschlag richtet hohe Schäden an. Die Photovoltaikanlage wird komplett zerstört. Und die Wucht des Blitzes kann auch das Gebäude selbst beschädigen sowie einen Brand auslösen. Es entstehen sehr hohe Kosten, ganz abgesehen von weiteren katastrophalen Folgen für den betroffenen Haushalt. Eine Blitzschutzanlage verhindern dies weitgehend und ist daher absolut empfehlenswert.

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