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Selbstversorgungsgrad in Österreich

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

10.July 2021

Letztes Update

10.12.2021

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Wie steht es um den Selbstversorgungsgrad in Österreich?

Vor der Corona-Pandemie war der Selbstversorgungsgrad vor allem ein Begriff in der Statistik. Leere Regale und Lieferengpässe weckten das Interesse der Bevölkerung an diesem Thema.

Inhalt des Blogartikels

Der Selbstversorgungsgrad ist nicht nur ein statistischer Wert

Der Selbstversorgungsgrad ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die einen guten Anhaltspunkt gibt, in welchem Ausmaß sich ein Land mit heimischen Produkten versorgen kann. Der Fokus liegt dabei auf der Versorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, aus denen Nahrungsmittel hergestellt werden. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Autarkie, also der Unabhängigkeit von anderen Ländern.

Eine Unterversorgung ist dann gegeben, wenn ein Land mehr verbraucht, als es selbst herstellen kann. Die notwendigen Produkte müssen aus dem Ausland importiert werden, um die Nachfrage im eigenen Land zu decken. Produziert ein Land jedoch mehr, als es selbst verbraucht, liegt eine Überversorgung vor. Dieser Überschuss kann exportiert, also in andere Länder verkauft werden. In der Versorgungsbilanz werden beide Seiten gegenübergestellt.

Etwas unklar ist die Versorgungsbilanz, also die Gegenüberstellung von heimischer Produktion zu gekauften Produkten, allerdings in einem Bereich. Für die heimische Landwirtschaft ist es oft notwendig, einzelne Bestandteile wie Dünger oder Futtermittel aus dem Ausland zuzukaufen. Das Endprodukt könnte also ohne deren Beteiligung nicht oder nur in minderer Qualität und Menge hergestellt werden. Trotzdem erhöht sich rein rechnerisch der Selbstversorgungsgrad, da das Endprodukt für die Bilanz zählt.

 

Saisonale Produkte beeinflussen Österreichs Selbstversorgungsgrad

Wir sind heute daran gewöhnt, auch im Winter saisonales Obst und Gemüse wie Erdbeeren oder Paradeiser zu kaufen, schätzen die ersten heurigen Erdäpfel oder das reife Salathäuptel trotz eisiger Kälte. Dieses Kaufverhalten beeinflusst den Selbstversorgungsgrad.

Durch allzeit volle Verkaufsregale in Österreichs Supermärkten ist es schwierig geworden, die Saisonalität von manchen Lebensmitteln noch zu erkennen. Zwei Anhaltspunkte gibt es jedoch bei Obst und Gemüse: das Herkunftsland und der Preis. Außersaisonale Produkte sind durch den Transport und die begrenzte Verfügbarkeit meist teurer. Würden wir auf importierte Nahrungsmittel verzichten, wäre eine Autarkie in vielen Bereichen trotzdem möglich, da sich außersaisonale Produkte häufig ersetzen lassen.

 

Wie hoch ist der Selbstversorgungsgrad in Österreich?

Der eine oder andere kennt die Knappheit von Lebensmitteln vielleicht noch aus den Erzählungen seiner Großeltern. Für diese Generation ist das lange Anstellen oder Aufsuchen von mehreren Geschäften, um absolute Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker oder Fett zu erhalten, tief in der Erinnerung verankert.

Einen kleinen Eindruck davon, wie sich das angefühlt haben muss, gab es im Frühjahr 2020. Durch den Beginn der Corona-Pandemie und die einsetzenden Hamsterkäufe waren leere Regale in den Supermärkten plötzlich wieder präsent. Allerdings lag in diesem Fall kein wirklicher Mangel vor. Vielmehr waren durch die übermäßige Nachfrage und das nicht notwendige Bevorraten Waren so schnell ausverkauft, dass die Lieferungen aus den Zentrallagern nicht mehr hinterherkamen. Trotzdem war es für viele eine neue Erfahrung, vor leeren Toilettenpapier-, Nudel- oder Dosenregalen zu stehen. Eine reale Gefahr für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung durch ein echtes Defizit bestand jedoch nicht.

Besonders spannend ist der Blick darauf, wie die Selbstversorgung Österreichs mit Lebensmitteln in den einzelnen Bereichen aussieht. Die Statistik Austria erhebt dazu detaillierte Zahlen zu einzelnen Produktgruppen und unterteilt diese in die Kategorien „pflanzliche Produkte“ und „tierische Produkte“. Aktuelle Beispiele (2019/2020) für den Selbstversorgungsgrad in Österreich:

Pflanzliche Produkte:

  • Wein: 95 Prozent
  • Getreide: 88 Prozent
  • Erdäpfel: 85 Prozent
  • Gemüse: 55 Prozent
  • Ölsaaten: 51 Prozent
  • Obst: 45 Prozent
  • pflanzliche Öle: 30 Prozent
  • Käse: 113 Prozent
  • Fleisch: 109 Prozent
  • Eier: 86 Prozent
  • Butter: 69 Prozent

Tierische Produkte:

Besonders hoch ist der Selbstversorgungsgrad laut Statistik Austria in Österreich bei Milch (170 Prozent) und Fleisch (109 Prozent). Niedrig ist er bei Fisch: Lediglich 7 Prozent des heimischen Bedarfs kommen aus dem Inland. Umweltschutzorganisationen kritisieren vor allem die Tatsache, dass wertvolles Ackerland für Obst und Gemüse in Österreich eher für die extensive Produktion von Fleisch verwendet wird.

 

Was beeinflusst die Versorgungsbilanz von Österreich?

Die gute Nachricht zuerst: Grundsätzlich ist die Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln in Österreich gesichert. Der hohe Selbstversorgungsgrad bei Getreide, Erdäpfeln, Milch, Käse und Fleisch sichert die Autarkie Österreichs. Schlechter sieht es bei frischem Obst und Gemüse aus: Es muss häufig importiert werden.

Die Gefahr einer Unterversorgung besteht vor allem bei langfristigen Ausfällen in der Produktion oder anhaltenden Unterbrechungen der Lieferketten aus dem Ausland. Allerdings könnte Österreich beim Eintreten einer Krise viele wichtige Nahrungsmittel durch Äquivalente aus der heimischen Landwirtschaft ersetzen. Dies bedeutet zwar einen Komfortverlust für jeden Einzelnen; die Sicherheit der Versorgung der Bevölkerung wäre aber weiterhin gegeben.

Der EU-Binnenmarkt und die europäische Agrarpolitik fördern den Austausch von Waren. Eng vernetzte Partner und stabile Lieferketten, die auch während der Corona-Krise weiter funktionierten, sorgen für eine hohe Versorgungssicherheit. Ein Beispiel: Während Italien in etwa einen Überschuss an Obst hat, gibt es zu wenig Milch. Durch den Austausch der Waren, also den Import von Obst aus Italien und den Export von Milch aus Österreich, gleicht sich diese Differenz aus. Die Versorgungssicherheit ist für beide Seiten gewährleistet.

Schwieriger ist es bei Produkten, die nicht in Europa hergestellt werden. Durch die Abhängigkeit vom Weltmarkt ist die Versorgung bei Unterbrechungen der Versorgungswege oder Preisexplosionen schwierig.

Die Selbstversorgung mit Energie ist nicht dauerhaft gewährleistet

Österreich ist auf Energieimporte angewiesen, vor allem bei Öl und Gas. Einerseits entstehen dadurch große Abhängigkeiten von politisch eher instabilen Regionen wie Russland oder dem Nahen Osten. Andererseits sind die Transportwege wie Pipelines oder Ölfrachter wenig krisensicher. Was passiert, wenn andere Länder die Stellschraube anziehen und keine Energieautarkie vorhanden ist, lässt sich anhand der Ölkrise 1973 erahnen.

Die Zahlen aus der Studie „Energie in Österreich – Zahlen, Daten, Fakten (2020)“ des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) zeigen, dass Österreich 2019 nur in etwa 1 Drittel seines Bruttoinlandsverbrauchs an Energie selbst decken konnte.

 

Österreich ist gut aufgestellt

Der Selbstversorgungsgrad in Österreich ist insgesamt hoch und die Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln nachhaltig gesichert. Die Corona-Krise zeigte, dass auch kurzfristige Ausnahmesituationen schnell wieder ausgeglichen werden.

Schlechter sieht es bei der Energieversorgung aus. Durch die Bevorratung von Öl- und Gas können jedoch Lieferausfälle für einige Wochen kompensiert werden.

Autarkie ist für viele Menschen ein wichtiges Thema. Durch das Klima und die Lage Österreichs ist die komplette Selbstversorgung zwar schwierig, aber vor allem im ländlichen Bereich gibt es spannende Ideen und Möglichkeiten.

Besitzt du eine ungenutzte Fläche in deinem Garten? Baue selbst Obst und Gemüse an und steigere so deinen eigenen Selbstversorgungsgrad. Wohnst du in der Stadt, kannst du auch in deiner Wohnung oder auf deinem Balkon einiges anbauen. Alternativ gibt es Urban Gardening – hier teilst du dir mit mehreren Menschen eine Anbaufläche.

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