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Die Heizkurve einstellen: Wie geht das?

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

16.March 2021

Letztes Update

03.12.2021

Inhalt des Blogartikel

Effizienz erhöhen durch Einstellen der Heizkurve

Bei den Heizkosten, die den Löwenanteil der Nebenkosten ausmachen, spricht man oft von der „zweiten Miete“. Allerdings lässt sich an dieser Stellschraube durchaus etwas drehen. Zum Beispiel kannst du sie durch eine gute Gebäudedämmung begrenzen bzw. reduzieren. Zum anderen kannst du aber auch die Heizkurve einstellen lassen, um das Potenzial der Heizungsanlage im Tagesverlauf optimal auszunutzen.

 

Warum solltest du die Heizkurve einstellen?

Mal sprechen Fachleute von der Heizkurve, dann wieder von der Heizkennlinie. Gemeint ist in beiden Fällen das Gleiche: Die Heizkurve drückt die benötigte Vorlauftemperatur im Verhältnis zur Außentemperatur aus.

Mit wenig Zeit- und Geldaufwand kann ein Heizungsmonteur die exakte Einstellung der Heizkurve durchführen. Dieser Aufwand lohnt sich angesichts des Einsparpotenzials fast immer.

Die Vorlauftemperatur bestimmt den Energieverbrauch

Eine grafische Darstellung der Heizkurve in Form einer mathematischen Funktion zeigt schlicht und einfach die Relation zwischen Vorlauftemperatur und Außentemperatur. Dadurch kann das Wasser im Heizsystem – je nach witterungsbedingten Schwankungen – auf die jeweils gewünschte Temperatur abgesenkt bzw. angehoben werden, ohne dass unter hohem Energieaufwand immer die gleiche Temperatur aufrechterhalten wird. Im Winter soll die Heizung also ihre volle Leistung entfalten, während sie bei Plustemperaturen vorübergehend weniger stark heizen muss.

Bei alten Heizungen ließ sich keine exakte Heizkurve einstellen

Veraltete Heizungen verwenden eine immer gleichbleibende Vorlauftemperatur, die unabhängig von der Außentemperatur aufrechterhalten wird. Das bedeutet, dass insbesondere während der Übergangszeit im Herbst und Frühjahr häufig viel Energie sinnlos verschwendet wird. Dadurch steigt natürlich auch die Rechnung für die Heizkosten.

Moderne Heizungen hingegen besitzen die Möglichkeit zur automatischen Regelung der Vorlauftemperatur, die sich je nach Außentemperatur und somit dem aktuellen Heizbedarf nach anpasst. Das ist sehr wichtig, denn je höher die Vorlauftemperatur, desto größer der Energieverbrauch des Heizkessels. Daher spielt auch die Art der Heizung eine Rolle – klassische Radiator-Heizungen benötigen eine höhere Vorlauftemperatur als beispielsweise moderne Fußbodenheizungen.

Neben der Ersparnis für den eigenen Geldbeutel steuerst du damit übrigens auch etwas zum Umweltschutz bei, da der Verbrauch an Brennstoff (und somit die Emissionen) sowie die systemischen Wärmeverluste sinken. Und nicht nur das: Auch der Verschleiß deines Heizkessels nimmt drastisch ab, was der Lebensdauer zugutekommt.

 

Heizkurve einstellen: Darauf kommt es an

Nun könnte dir die Idee kommen, selbst die Einstellungen der Heizung zu ändern, um Nachtabsenkung oder Vorlauftemperatur zu programmieren. Doch ohne das notwendige Fachwissen und präzise Messungen können Fehler unterlaufen, die zu höheren Kosten oder einer zu geringeren Leistung der Heizung führen.

Ein Beispiel: Ist die Vorlauftemperatur zu gering, können die Heizkörper die Räume der Wohnung bei sehr kalter Witterung im Winter nicht ausreichend beheizen. Wird sie hingegen zu hoch eingestellt, verbrauchst du mehr Energie als notwendig, weil überschüssige Wärme nutzlos verloren geht.

Diese Parameter sind für die Einstellung der Heizkurve wichtig

Es gibt verschiedene Einflussfaktoren, die bei der Einstellung der Heizkurve Berücksichtigung finden. Am wichtigsten sind die folgenden Parameter:

  • Vorlaufzeit
  • Steilheit der Heizkurve
  • Parallelverschiebung
  • Nachtabsenkung
  • Heizgrenze

Am einfachsten wäre es, eine gerade Linie zu haben, bei der die Vorlauftemperatur antiproportional zur Außentemperatur verläuft. Das Einsparpotenzial ist dann nämlich entsprechend hoch. Die Heizkurve wäre in diesem Fall eigentlich eine Gerade, weil es nur 2 Bezugswerte gibt, die relevant sind. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Vorlauf- und Außentemperatur in der Realität meist nicht genau antiproportional, da weitere Faktoren den Verlauf der Geraden zu einer Kurve verzerren – zur Heizkurve bzw. Heizkennlinie eben.

Heizkurve einstellen: Steilheit und Parallelverschiebung beachten

Die Relation zwischen Vorlauftemperatur und Außentemperatur wird in der Steilheit der Heizkurve ausgedrückt. Muss die Vorlauftemperatur besonders stark ansteigen, wenn die Außentemperatur sinkt, ist dies ein Hinweis auf erhebliche Wärmeverluste im Gebäude, was zumeist an einer unzureichenden Gebäudedämmung liegt. Je flacher die Heizkurve, desto besser ist hingegen die Qualität der Dämmung.

Für die Praxis bedeutet dies:

Je steiler die Kurve, desto mehr muss die Heizung leisten, um die gewünschte Raumtemperatur zu erhalten, wenn die Außentemperatur sinkt. 

Je flacher die Kurve, desto geringer der Heizbedarf, um die Vorlauftemperatur anzuheben.

Die erforderliche Steilheit kannst du bei modernen Systemen exakt einstellen lassen.

Ein weiterer Einstellwert ist die sogenannte Parallelverschiebung. Dabei kannst du das gesamte Niveau des Kurvenverlaufs bei Bedarf nach oben oder unten korrigieren. Dann ist nicht mehr die Außentemperatur maßgeblich für die Anpassung der Vorlauftemperatur, sondern das zuvor eingestellte generelle Niveau der Vorlauftemperatur, das erhalten werden soll. Um beide Parameter in Einklang zu bringen, ist die aus allen Werten resultierende Heizkurve maßgeblich. Sie bildet die Veränderungen am gründlichsten ab. Durch eine automatische Parallelverschiebung kann beispielsweise die Nachtabsenkung eingestellt werden. Dies ist überall dort sinnvoll, wo die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht besonders hoch ausfallen und die Vorlauftemperatur tagsüber generell geringer sein sollte. Außerdem sollte eine Heizgrenze festgelegt werden, also eine Außentemperatur, ab der überhaupt nicht mehr geheizt wird.

 

Kannst du die Heizkurve allein einstellen?

Wenn du die Heizkurve einstellen möchtest, ohne einen Heizungsbauer zu bemühen, solltest du viele Faktoren beachten und sorgfältig vorgehen.
Vorbereitung:

  • Zur Einstellung der Neigung bzw. Steilheit der Heizkurve sollten weniger als +5 Grad Celsius herrschen. Die Parallelverschiebung kann hingegen erst ab einer Außentemperatur von mehr als +5 Grad Celsius exakt ermittelt werden.
  • Stelle die Thermostate in dem entsprechenden Raum auf hohe Temperaturen ein und verändere diese nicht. Liegt die Raumtemperatur zu hoch, ist die Vorlauftemperatur ebenfalls zu hoch.
  • Erstelle ein Protokoll, in das du später unter anderem die gemessenen Innen- und Außentemperaturen einträgst.

Durchführung:

Nach dieser Vorbereitung kannst du die Messung durchführen. Hierfür stellst du bei drohender Kälte eine bestimmte Vorlauftemperatur ein und beobachtest einige Tage, ob die Raumtemperatur eher zu warm oder zu kalt ausfällt. Das trägst du entsprechend in das Protokoll ein. Nach einiger Zeit erhältst du eine verlässliche Datenbasis, mit der sich die Heizkurve einstellen lässt. Am besten ist es, wenn du die Messung bei unterschiedlichen Außentemperaturen wiederholst, um die Relation zur Vorlauftemperatur zu kalibrieren. Das Ziel ist, am Ende eine möglichst flache und niedrige Heizkurve zu erhalten, ohne die Raumtemperatur auf unkomfortable Werte absinken zu lassen.

Bitte beachte: Alle Einstellungen, die über die reine Anhebung oder Absenkung der Parallelverschiebung bzw. der Ausgangswerte hinausgehen, solltest du vom Fachbetrieb durchführen lassen. Gleiches gilt für einen hydraulischen Abgleich der Heizung. Gerät das hydraulische Gleichgewicht nämlich durcheinander, werden manche Heizkörper mit zu warmem Wasser durchflossen, während andere eventuell nicht genügend Wärme abbekommen.

 

Weitere Tipps zum Energiesparen

Wenn die Heizkurve eingestellt wurde und sie zu steil verläuft, kann eine nachträgliche Wärmedämmung des Gebäudes sinnvoll sein. Viel Arbeit spart dir außerdem eine Umrüstung auf Smart-Home-Komponenten, etwa fernsteuerbare Thermostate für die Heizung und präzise Temperaturmessungen, die sich per App verwalten und ggf. grafisch darstellen lassen. Auch die Raumtemperatur kannst du somit besser überwachen und einstellen. Nimm dir Zeit für die Einstellung der Heizkurve, denn es kann schon einmal eine komplette Heizsaison dauern, die optimalen Werte zu ermitteln. Anschließend profitierst du jedoch von einer Reduzierung der Heizkosten, weil das gesamte System effizienter arbeitet. Nicht zuletzt freut sich die Umwelt über die geringeren Emissionen deiner nun perfekt eingestellten Heizung.

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