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Was genau ist ein Passivhaus?

Lisa Becker
12.09.2020 12:00:00

Was ist das besondere Merkmal eines Passivhauses?

Der Betrieb von Gebäuden verursacht in Deutschland einen großen Anteil am Gesamtenergieverbrauch und an den CO2-Emissionen. Damit ergibt sich ein hohes Potenzial zur Einsparung von Energie und zur Senkung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase. Deshalb nimmt der Gesetzgeber schon seit Jahrzehnten über die Energieeinsparverordnung (EnEV) Einfluss, um die bestehenden Potenziale zur Erreichung der Energieeffizienz- und Klimaschutzziele zu nutzen.

Wenn du den Neubau eines Hauses oder die Sanierung eines Gebäudes planst, kommst du unweigerlich mit dieser Problematik in Kontakt. Die EnEV legt für einen Neubau und die Sanierung Mindestanforderungen zum Energieverbrauch des Gebäudes fest, deren Einhaltung nachgewiesen werden müssen. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff Passivhaus. Wir werden hier die Fragen beantworten, was ein Passivhaus ist und ob es Unterschiede zu anderen, oft genannten Begriffen wie Niedrigenergie- und KfW-Effizienzhaus gibt.

 

Warum gibt es Häuserstandards?

Standards werden benötigt, um ähnliche Produkte und Prozesse miteinander vergleichen zu können. Gleichzeitig setzen Standards bestimmte Vorgaben, die mindestens eingehalten werden müssen. Bei den oben genannten Standards für Gebäude – wie eben der des Passivhauses – geht es vor allem darum, den Energieverbrauch und die CO2-Emission bei der Nutzung zu verringern und so die langfristigen Ziele des Gesetzgebers in Richtung Umwelt- und Klimaschutz zu erreichen. Außerdem werden die Häuserstandards genutzt, um über die Gewährung oder Ablehnung von Förderanträgen zu entscheiden.

Welche Standards gibt es?

In der Einleitung hatten wir schon einige Begriffe wie Passivhaus und Niedrigenergiehaus genannt. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Häuser nicht synonym zu verstehen sind.

Niedrigenergiehaus

Das Niedrigenergiehaus ist nicht genau definiert und in dem Sinne auch kein Standard. Es bezeichnet ein Gebäude, das weniger zugeführte Energie benötigt als der in der aktuellen Energieeinsparverordnung mindestens geforderte Standard. In einzelnen Bundesländern gibt es für diese Häuser unterschiedliche Regelungen. Im Norden Deutschlands gibt es in etwa den Niedrig-Energiehaus-Standard Schleswig-Holstein.

KfW-Effizienzhaus

Beim KfW-Effizienzhaus (KfW: Kreditanstalt für Wiederaufbau) handelt es sich um einen abgestuften Standard. Im Neubau gibt es die KfW-Effizienzhäuser 55, 40 und 40 Plus. KfW 55 bedeutet zum Beispiel, dass das Gebäude nur 55 Prozent des in der EnEV festgelegten Primärenergiebedarfs pro Jahr erreichen darf.

Für die Sanierung von Bestandsbauten gelten die Standards KfW-Effizienzhaus 55, 70, 85, 100, 115 und Denkmal. Die Höhe einer möglichen Förderung richtet sich danach, in welche dieser Standards sich das betreffende Gebäude einordnen lässt.

Null-, Plus- und Niedrigstenergiehaus

Weitere Standards sind das Nullenergiehaus und das Plusenergiehaus. Nach diesen Standards errichtete Gebäude benötigen keinerlei zugeführte Primärenergie (Nullenergiehaus) oder produzieren selbst so viel Energie, dass sie ihren eigenen Heizwärmebedarf, Warmwasserbedarf etc. decken und einen Überschuss ins öffentliche Netz abgeben.

Um die Begriffsverwirrung komplett zu machen, gibt es auch noch das Niedrigstenergiehaus. Dieser Begriff und die zugehörigen Anforderungen wurden durch das Europäische Parlament festgelegt. Dabei handelt es sich um ein Gebäude, das einen besonders niedrigen Energiebedarf hat und mehrheitlich durch erneuerbare Energien gedeckt wird. In Deutschland wird dieser europäische Standard so ausgelegt, dass entsprechende Gebäude einen Primärenergiebedarf von höchstens 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aufweisen.

 

Das Passivhaus im Detail

Als Passivhaus bezeichnet man ein Gebäude, das durch seine spezielle Bauweise keine zusätzliche wasserführende Heizungs- beziehungsweise Klimatisierungsanlage benötigt. Ist an sehr kalten Tagen der Heizwärmebedarf hoch und somit eine zusätzliche Heizung im Passivhaus notwendig, wird die Wärme häufig elektrisch erzeugt. Der Wärmeenergiebedarf darf 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten.

Info: Ein KfW-Effizienzhaus ist nicht automatisch ein Passivhaus, da hier durchaus wasserführende Heizsysteme genutzt werden. Umgekehrt kann ein Passivhaus jedoch dem Standard eines KfW-Effizienzhauses entsprechen und daher gefördert werden.

Der Begriff Passivhaus leitet sich daraus ab, dass der größte Teil der benötigten Wärme aus „passiven Quellen“ wie Sonnenstrahlung und Erdwärme gewonnen wird. Bei der Sonnenstrahlung geht es aber nicht um Solarthermie oder Photovoltaik, sondern um die Sonnenwärme, die über große Fensterflächen, die möglichst nach Süden zeigen, in das Haus gelangt. Hinzu kommt die Wärme, die durch Haushaltsgeräte und die Bewohner selbst erzeugt wird.

Es kommt beim Passivhaus also darauf an, die vorhandene Wärme im Gebäude zu halten. Das wird in erster Linie mit einer starken Wärmedämmung des gesamten Hauses, einschließlich Dach und Boden sowie der Fenster erreicht. Zum Einsatz kommen beim Passivhaus zum Beispiel 3-fach verglaste Fenster mit Wärmedämmglas und möglichst schmalen, aber luftdichten Rahmen. Die Dämmung von Wänden, Dach und Boden zum Keller oder zur Bodenplatte muss einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,15 W/qmK oder besser aufweisen. Dieser mit dem Buchstaben U benannte Koeffizient besagt, wie viel Wärmeenergie pro Quadratmeter Fläche und pro Grad Temperaturunterschied zwischen warmer und kalter Seite durch ein Bauteil des Passivhauses hindurchtritt. Je kleiner der Wert, desto besser. Laut EnEV muss mit einer Dämmmaßnahme an einer Ziegelwand eine Verbesserung des U-Wertes von 1,99 W/qmK auf 0,24 W/qmK erreicht werden. Der Passivhausstandard ist hier also wesentlich schärfer. Darüber hinaus müssen Wärmebrücken in der Gebäudehülle vermieden werden.

Die zweite wichtige Voraussetzung zur Minimierung der Wärmeverluste im Passivhaus ist eine hohe Luftdichtigkeit der Gebäudehülle. Um dennoch den notwendigen Luftaustausch zu gewährleisten, verfügen Passivhäuser über eine Lüftungsanlage. Damit die Frischluft an kalten Tagen nicht unter Einsatz von Primärenergie erwärmt werden muss, wird sie häufig über einen Erdwärmetauscher geführt. Im Anschluss gelangt sie in einen weiteren Wärmetauscher, in dem sie bis zu 80 Prozent der in der Abluft enthaltenen Wärme aufnimmt und als warmer Luftstrom in die Räume gelangt.

 

Was kostet ein Passivhaus?

Natürlich verursacht der Bau eines Passivhauses höhere Kosten als konventionelle Bauweisen. Hier schlagen besonders die Kosten für die aufwendige Wärmedämmung und die Spezialfenster zu Buche. Wenn du zum Bauen eines Passivhauses einen Kredit benötigst, hast du dadurch einen höheren Kapitalbedarf und höhere Kapitalkosten beziehungsweise eine längere Rückzahlzeit.

Auf der anderen Seite sparst du als Besitzer eines Passivhauses jedes Jahr erheblich an den Heizkosten. Auf lange Sicht gleichen sich so die höheren Baukosten aus. Außerdem besteht die Möglichkeit einer lukrativeren Förderung des Bauvorhabens durch die KfW und Bundesländer. Abgesehen von der Kostenfrage gibt es beim Passivhaus noch weitere Vorteile. Zum Beispiel entfallen Schornsteine, ein Teil des Platzbedarfs für die Heizungstechnik und die Lagerung von Brennstoffen.

Förderung von Passivhäusern

Aufgrund der niedrigen Werte beim Verbrauch von Primärenergie sind Passivhäuser in der Regel förderungsfähig. Die KfW hat zwar kein explizites Förderprogramm für Passivhäuser. Aber im Wesentlichen kann ein Passivhaus mit einem KfW-Effizienzhaus gleichgesetzt werden. Darüber hinaus existieren unterschiedliche lokale Förderprogramme von Bundesländern und Kommunen. Zahlreiche erfolgreich realisierte Projekte haben in den letzten Jahren bewiesen, dass auch Bestandsbauten nach dem Passivhausstandard saniert werden können. Ein solches Vorhaben kann ebenfalls gefördert werden.

 

Für wen eignet sich ein Passivhaus?

Grundsätzlich ist ein Passivhaus für jeden Bauherren geeignet. Allerdings muss der vorgesehene Bauplatz eine möglichst unverschattete Orientierung der Hauptfensterfront nach Süden und die Installation eines Erdwärmetauschers ermöglichen. Außerdem solltest du in der Lage sein, die finanziellen Anforderungen in der Bauphase und auf lange Sicht zu tragen.

Leben im Passivhaus weist ein paar Besonderheiten auf. Innenraumklima und -temperatur bleiben immer gleich. Das mag angenehm sein. Manch einer kann das aber auch als Nachteil empfinden, da er nicht selbst eingreifen kann.

Andererseits gibt es im Haus keine kalten Wände und Böden, an denen sich Feuchtigkeit niederschlagen und Schimmel bilden können. Das Öffnen von Fenstern zum Lüften solltest du allerdings unterlassen, da im Passivhaus der notwendige Luftaustausch nur über die Lüftungsanlage erfolgen soll. Auch das ist sicher gewöhnungsbedürftig.

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