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Die Vorlauftemperatur der Heizung

Eleni Tsoukanta
23.09.2020 16:00:00

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Energie sparen mit der richtigen Vorlauftemperatur

Geht es um die Heizung, sind die Themen Energieeinsparung, Umwelt- und Klimaschutz sowie Energiekosten echte Dauerbrenner. Und zu Recht. Aber nicht nur, weil diese in engem Zusammenhang miteinander stehen, sondern vor allem, weil gerade die Heizung ein hohes Einsparpotenzial besitzt. Unabhängig vom Energieträger führt eine falsch eingestellte Heizungsanlage schnell dazu, dass unnötig viel Energie und somit Geld verheizt wird; hohe Umwelt- und Klimabelastung meist inklusive.

Ist die Vorlauftemperatur deiner Heizung korrekt eingestellt, entstehen keine unnötigen Kosten und du schonst zudem die Heizung. Während Mieter lediglich die Möglichkeit haben, ihre gewünschte Temperatur über die Thermostate an den Heizkörpern oder an der Wand einzustellen, genießen Hausbesitzer den Vorteil, dass sie dies auch über die Heizungsregelung manuell direkt am Kessel beziehungsweise Wärmerzeuger machen können. Wer eine moderne Heizung besitzt, darf sich glücklich schätzen, denn diese heizt nicht nur von Haus aus effizient, sondern passt die Vorlauftemperatur über eine intelligente Regelung automatisch den jeweiligen Erfordernissen wie Innen- und Außentemperatur, Tages- oder Nachtzeit an. Selbst der aktuelle Wetterbericht vor Ort kann berücksichtigt werden.

 

Was ist die Vorlauftemperatur der Heizung eigentlich genau?

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser den Heizkessel oder beispielsweise die Wärmepumpe verlässt und über die Heizleitungen in die Heizkörper oder Fußbodenheizung (Flächenheizung) strömt. Auf ihrem Weg dorthin sind Wärmeverluste des Heizwassers nicht ausgeschlossen. Aus diesem Grund ist die Vorlauftemperatur immer höher als die für die Heizkörper tatsächlich benötigte Temperatur.

Generell wird eine hohe Vorlauftemperatur immer dann benötigt, wenn der Wärmebedarf im Haus, also an kalten Tagen oder im Winter, groß ist. Während der warmen Jahreszeiten oder bei Nachtabsenkung und längerer Abwesenheit (zum Beispiel Urlaub) ist sie entsprechend niedriger ausgelegt, weil die Flächen der Heizkörper langsamer auskühlen beziehungswese ein geringerer Energiebedarf besteht.

Die Unterschiede zwischen Vor- und Rücklauftemperatur

Die Vorlauftemperatur ist Bestandteil des Heizkreislaufs. Dieser besteht aus der Heizung, den Heizungsrohren, den Heizkörpern oder der Fußboden- oder Wandheizung und den Zirkulations- und Umwälzpumpen. Der Weg, den das Heizwasser vom Kessel zu den Heizkörpern zurücklegt, ist der Vorlauf. Die Strecke, die dann das abgekühlte Wasser von den Heizkörpern zurück zum Kessel nimmt, ist der Rücklauf. Der Temperaturunterschied (Spreizung) zwischen Vorlauf und Rücklauf liegt normalerweise bei circa 30 Prozent. Bei Flächenheizungen sind es nur etwa 10 Grad Celsius Temperaturspreizung. Um die Vor- beziehungsweise Rücklauftemperatur ablesen zu können, sind an den entsprechenden Heizungsrohren Zeigerthermometer angebracht. Oft wird die Vorlauftemperatur rot gekennzeichnet und die Rücklauftemperatur blau. Die Höhe der Vorlauf-/Rücklauftemperaturen sind von Heizsystem zu Heizsystem unterschiedlich. Als Richtwerte sind aber folgende Angaben üblich:

Vorlauf- und Rücklauftemperaturen verschiedener Heizsysteme

Heizsystem

Vorlauftemperatur/Rücklauftemperatur (in Grad Celsius)

Altbau

90/70 beziehungsweise 75/65

Niedertemperatur

70/50 beziehungsweise 70/55

Brennwert

60/45 beziehungsweise 55/45

Fußbodenheizung

45/35

 

Mehrere Faktoren beeinflussen zusätzlich die Vorlauftemperatur:

    •  Art des Heizsystems – zum Beispiel Kessel oder Wärmepumpe
    •  Art des Wärmeverteilsystems – Heizkörper oder Flächenheizung
    •  Wärmedämmung des Hauses und der Heizungsrohre
    •  Außentemperatur

       

Besonderheiten bei den Heizsystemen

Bei einer Öl- oder Gas-Brennwertheizung ist es wichtig, dass die Rücklauftemperatur möglichst niedrig ist: etwas unter 50 bis 55 Grad Celsius. Ist die Rücklauftemperatur zu hoch, entsteht das Problem, dass das in den Abgasen enthaltene Wasser nicht kondensieren kann. Die Kondensation ist aber für den Brennwerteffekt wichtig, da dieser die latente Wärme in den Abgasen zum Heizen nutzt. Bei einer zu hohen Rücklauftemperatur sinkt die Effizienz des Kessels. Alte Öl- und Gasheizungen, Konstanttemperaturkessel, aber auch Holzheizkessel sind immer auf höhere Rücklauftemperaturen ausgelegt als Brennwertgeräte. 


Eine Wärmepumpe kommt gut mit niedrigen Vorlauftemperaturen zurecht, weil dann der Verdichter nicht so oft aktiv werden muss. Dadurch verbraucht sie weniger Strom beziehungsweise Gas für den Antrieb und die Heizkosten bleiben gering. Ist die Vorlauftemperatur zu hoch eingestellt, verschlechtert sich die Jahresarbeitszahl und die Heizkosten steigen. Solarthermieanlagen benötigen ebenfalls niedrige Vor- und Rücklauftemperaturen, um effizient zu arbeiten.

Besonderheiten bei den Heizflächen

Vorlauftemperatur, Art sowie Größe der Heizflächen haben einen großen Einfluss aufeinander, denn je größer die Heizflächen, desto niedriger können die Temperaturen sein. Zum Beispiel setzt eine Fußbodenheizung in der Regel die gesamte Bodenfläche des Raumes zur Wärmeabgabe ein. Wandheizungen nutzen ebenfalls die ganze zur Verfügung stehende Fläche. Deshalb kommen sie auch mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus. Konventionelle Heizkörper – Konvektoren und Radiatoren – benötigen aufgrund der geringen Oberfläche hingegen wesentlich höhere Vorlauftemperaturen, um die gleiche Energiemenge an den Raum abzugeben. Senkt man hier beispielsweise die Vorlauftemperatur, um Energie und Geld zu sparen, muss man auch damit leben, dass die Räume nicht richtig warm werden. 

Die Dämmung nicht vergessen

Auch der energetische Zustand des Gebäudes beeinflusst die Vorlauftemperatur. So haben unsanierte Altbauten hohe Wärmeverluste. Damit die Heizung diese ausgleichen kann, muss sie mit hohen Vorlauftemperaturen arbeiten. Das führt natürlich zu einem teilweise extrem hohen Energieverbrauch und entsprechend hohen Heizkosten. In nach der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) gebauten Häusern mit niedrigem Energiebedarf verändern sich die Heizwassertemperaturen wenig, weil sie aufgrund des guten Dämmstandards selbst im Winter nur relativ geringe Energieverluste aufweisen.

 

Einstellen der korrekten Vorlauftemperatur

Die Einstellung der richtigen Vorlauftemperatur für dein Haus solltest du deinem Heizungsinstallateur überlassen. Er verfügt über die erforderliche Fachkenntnis und kann im Rahmen eines hydraulischen Abgleichs deine Heizung nach deinen individuellen Wünschen einrichten. Die Vorlauftemperatur wird bei älteren Heizungen über große Drehknöpfe mit Temperaturskala eingestellt. Moderne Wärmeerzeuger besitzen digitale Displays zum Einstellen der gewünschten Werte. 

Vorlauftemperatur über die Heizkurve einstellen

Wenn die Heizung über eine witterungs- oder außentemperaturgeführte Regelung verfügt, kann die gewünschte Vorlauftemperatur über die Heizkurve (Heizkennlinie) eingerichtet werden. Bei der Heizkennlinie handelt es sich um eine mathematische Funktion. In Abhängigkeit zur Außentemperatur stellt der Wärmeerzeuger mittels dieser Funktion die optimale Vorlauftemperatur ein. Aber ganz so einfach ist es auch wieder nicht, denn es ist leider nicht möglich, rein rechnerisch die optimale Heizkurve für ein Haus zu ermitteln. Schließlich beeinflussen, wie bereits erwähnt, zu viele Faktoren die Vorlauftemperatur. Man versucht daher, durch Messen und Probieren über einen längeren Zeitraum und unter den tatsächlichen Bedingungen im Haus die Einstellungen so lange anzupassen, bis die Heizung in der Lage ist, alle Räume im Haus optimal mit Wärme zu versorgen. 

Kleiner Exkurs: Der hydraulische Abgleich

Bevor der Heizungsinstallateur an der Heizkurve das Feintuning vornehmen kann, um diese endgültig einzustellen, ist es sinnvoll, einen hydraulischen Abgleich durchzuführen. Dazu werden die Wärmeverluste des Hauses berechnet. Außerdem wird die Heizung optimal eingerichtet und der erforderliche Heizwasserdurchfluss der einzelnen Heizkörper so eingestellt, dass alle Verbraucher jederzeit mit der benötigten Wassermenge versorgt werden, dadurch alle Heizkörper gleichmäßig warm werden und zusätzlich Energie eingespart wird.

Der hydraulische Abgleich ist übrigens bei der energetischen Gebäudesanierung sogar gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings kannst du einen Teil der Kosten über die Förderrichtlinie des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) „Förderung der Heizungsoptimierung durch hocheffiziente Pumpen und hydraulischen Abgleich“ noch bis zum 31. Dezember 2020 wieder reinholen. Der nicht rückzahlbare Zuschuss beträgt bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Mit Start des neuen Jahres läuft das Programm leider aus.

 

Mit der passenden Vorlauftemperatur hast du deine Heizung voll im Griff

Gerade jetzt, wo die Nächte wieder kühler sind und die kalte Jahreszeit im Anmarsch ist, ist es wichtig, dass deine Heizung korrekt und effizient arbeitet. Wie du jetzt weißt, geht viel Wärme verloren, wenn die Vorlauftemperatur zu hoch ist. Und du bemerkst das nicht einmal, weil die Heizkörperthermostate dafür sorgen, dass in den einzelnen Räumen stets die gewünschte Temperatur vorherrscht. Das siehst du erst an den hohen Energiekosten. Ist die Vorlauftemperatur zu niedrig, werden die Heizkörper nicht richtig warm.

Mit einer perfekt eingestellten Vorlauftemperatur senkst du deinen Energieverbrauch und schonst nicht nur deinen Geldbeutel, sondern auch Umwelt und Klima. Außerdem hast du dann im Winter immer ein gemütlich warmes Zuhause.

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Wusstest du schon?

Vorlauftemperatur in der Heizung: Wie viel Grad sollte man einstellen?

Das hängt vom jeweiligen Heizsystem und dem energetischen Zustand des Gebäudes ab. Bei einer Gastherme sind es beispielsweise um die 75 bis 60°C Vorlauftemperatur. Eine Fußbodenheizung hingegen kommt mit etwa 40°C gut zurecht.

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