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Wie sieht es mit der Ökobilanz von Elektroautos aus?

Ricardo Izzi
02.04.2020 16:00:00

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Elektroautos: Auf der Überholspur oder Beschleunigungsbedarf?

Die Ökobilanz von Elektroautos ist in jedem Fall besser als die eines Verbrenners. Richtig? Oder nicht? In einem ersten Schritt vorweg: Ganz so einfach ist die Frage der Nachhaltigkeit eines Elektroautos nicht zu beantworten. Und schwarz-weiß, im Sinne von „Ja“ oder „Nein“, fällt die Antwort ebenfalls nicht aus. Denn es treffen viele verschiedene Faktoren zusammen, die die Ökobilanz eines Elektrofahrzeugs – im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor – beeinflussen.

 

Diese Einflussfaktoren gibt es

Elektroautos fahren mit Strom statt Benzin oder Diesel und stoßen keine Abgase aus. Beim Fahren selbst sind diese Autos also emissionsfrei. Daraus resultiert auch ihr überaus klimafreundliches Image. Jedoch sollte man für eine detaillierte Betrachtung der Ökobilanz ein bisschen weiter ausholen. So spielt der Strommix, der aus Deutschlands Steckdosen fließt, eine entscheidende Rolle. Hinzu kommen als weitere Faktoren unter anderem die Herstellung des Elektroautos, die Batterie und die Recyclingfrage. Wir gehen in diesem Beitrag daher den folgenden Fragen nach:

  • Was hat es im Detail mit diesen Faktoren auf sich?
  • Inwiefern beeinflussen sie die Ökobilanz eines Elektroautos?
  • Ist ein Elektrofahrzeug über seinen gesamten Lebenszyklus ökologisch gesehen tatsächlich besser aufgestellt als seine Kollegen mit Verbrennungsmotor?

Ökobilanz-Faktor Herstellung: Die Produktion von Elektroautos fällt ins Gewicht

Auch ein Elektroauto will produziert werden – und dies erfolgt, genauso wie die Herstellung anderer Autos, nicht ganz ohne Rohstoffverbrauch und Emissionen. Grundsätzlich ist die Produktion eines Elektroautos sogar aufwendiger, was unter anderem mit der Batterie zusammenhängt. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass bei der Herstellung einer Elektroauto-Batterie mit 35 kWh Leistung rund 5 Tonnen Treibhausgase entstehen. Addiert man alle Herstellungsfaktoren zusammen, kommen die Studien auf ein Gesamtergebnis von 10 bis 12 Tonnen Treibhausgase. Bei Autos mit Verbrennungsmotor zeigt das Ergebnis „nur“ 6 bis 7 Tonnen Treibhausgase.

Bei der Produktion von Elektromotoren und Akkus kommen oft seltene Rohstoffe zum Einsatz, wie zum Beispiel Lithium, Kobalt oder Nickel. Der Abbau von diesen Rohstoffen ist schwierig, erfolgt unter enormem Energieaufwand und ist deshalb umweltschädlich. Dies wiederum verschlechtert die Ökobilanz eines Elektroautos. In Zukunft erhofft man sich, Rohstoffe effizienter abbauen und Recyclingprozesse verbessern zu können, um hier einen Ausgleich zu schaffen. Was das Elektroauto bei seiner Herstellung an Umweltfreundlichkeit einbüßt, gleicht es jedoch bei seiner Nutzung wieder aus.

Ökobilanz-Faktor Batterie: Eine Frage von Herstellungsort und Energieeinsatz

Die Batterie ist die wichtigste Komponente in einem Elektroauto, aber auch die, die den größten Effekt auf die Ökobilanz hat. Ein Grund dafür ist ihre bereits erwähnte energieintensive Herstellung.

Außerdem kommt es auf den Ort der Batterieproduktion und die genutzte Stromart an: Grundsätzlich verbrauchen die Hersteller viel Strom, wenn sie die Rohstoffe aufbereiten und Speicherzellen produzieren. Viele der Batterien kommen zudem aus China, wo häufig Kohlekraftwerke die notwendige Energie liefern. Ein Wechsel nach Deutschland wäre ein kleiner Fortschritt – besser ist jedoch eine Verlagerung in Länder, die Strom schon vermehrt aus Wasserkraft oder Geothermie ziehen, wie Norwegen oder Island.

In der Regel halten die Batterien in Elektroautos 8 Jahre, bis ihre Speicherkapazität abnimmt und ein Austausch anfällt. Allerdings lässt sich ihre Lebenszeit verlängern beziehungsweise ihre Nachhaltigkeit vergrößern, indem man sie im Rahmen von Wind- und Sonnenenergie wiederverwertet.

Ökobilanz-Faktor Strommix: Was fließt aus der Steckdose ins Elektroauto?

Eine große Rolle für die Ökobilanz eines Elektroautos spielt die Energie, mit der es beladen wird. Hat diese einen regenerativen Ursprung? Oder sind hier Gas und Kohle im Einsatz? Der Anteil an Strom aus Kohlekraftwerken ist in Deutschland noch sehr hoch und somit auch der daraus folgende CO2-Ausstoß.

Grundsätzlich gilt: Je stärker der Strommix von erneuerbaren Energien durchzogen ist, desto positiver wirkt sich dies auf die Ökobilanz eines Elektroautos aus.

Der Umstieg auf Ökostrom lohnt sich also in jedem Fall. Aber schon beimoekobilanz-elektroauto-guide-ebook-net4energy aktuellen Strommix in Deutschland ist die CO2-Bilanz eines Elektroautos besser als die eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Zum Beispiel ging der ADAC der Frage nach, ob Elektroautos in Bezug auf die CO2-Bilanz besser abschneiden als Autos mit Verbrennungsmotor. Dabei kam heraus, dass große Elektroautos mit schwerer Batterie und hohem Stromverbrauch schlechter abschneiden als kleine Elektrofahrzeuge – und sogar schlechter als Diesel. Wenn der Fahrer jedoch lediglich regenerative Energie tankt, sind die CO2-Werte des Elektrofahrzeugs besser als die von Dieselautos, Benzinern und Plug-in-Hybriden. Damit es beim Strommix zu Fortschritten kommt, muss Deutschland die Umstellung auf erneuerbare Energien in der Industrie und die Stilllegung der Kohlekraftwerke vorantreiben. Je weiter der Ausbau erneuerbarer Energien voranschreitet, umso grüner ist der Strom, der durch Elektroautos fließt und desto klimafreundlicher wird elektrisches Fahren in Zukunft sein.

Ökobilanz-Faktor Nutzung: Strecken, Ladestationen und Bauteile machen den Unterschied

Je mehr Kilometer ein Elektrofahrzeug zurücklegt, desto besser ist seine Ökobilanz. Jedoch sind Elektroautos oft nur Zweitwagen, sodass die entsprechenden Strecken nicht immer zustande kommen. Voraussetzung für weite Strecken ist unter anderem eine entsprechende Ladeinfrastruktur: Je mehr Ladesäulen für Elektroautos zu finden sind, umso mehr kann man das intelligente Auto auch nutzen – dies hat auch positive Auswirkungen auf die Ökobilanz. Über 18.000 Ladestationen gibt es in Deutschland schon, mit steigender Tendenz. In den kommenden Jahren soll die Ladeinfrastruktur des Landes noch weiter ausgebaut werden: Das Ziel ist auf 1 Million öffentliche Ladepunkte gesetzt.

Fast alle Studien, die Elektroautos und Verbrennungsmotoren miteinander vergleichen, kommen zu dem Ergebnis, dass das Elektroauto seine energieintensive Herstellung im Betrieb wieder ausgleicht. Im Gegensatz zu Benzinern und Dieselautos haben Elektroautos nämlich keinen Auspuff, sodass sie beim Fahren keine Abgase ausstoßen und dabei frei von Emissionen sind. Grundsätzlich gilt bei der Nutzung, dass es besser ist, die Batterie nie ganz leer zu fahren und auch nicht ganz aufzuladen, da beides die Lebensdauer der Batterie verkürzt.

In der Stadt ist beim Elektroauto die sogenannte Rekuperation zudem von Vorteil: Dabei wird beim Abbremsen Bewegungsenergie in elektrische Energie umgewandelt und zurückgewonnen. Dies wirkt als Motorbremse, wodurch das Bremssystem weniger in Anspruch genommen wird und nicht so sehr verschleißt. Diesen Effekt gibt es beim Verbrennungsmotor nicht.

Abgesehen von den Bremsen gibt man grundsätzlich beim Elektroauto aufgrund von geringerem Verschleiß weniger Geld für Wartung und Reparaturen aus, was sich wiederum positiv auf die Ökobilanz auswirkt.

Ökobilanz-Faktor Recycling: Längere Lebenszeit von Elektroauto-Batterien verbessert Bilanz

Ausgereifte Recyclingprozesse sind eine weitere Voraussetzung für eine gute Ökobilanz von Elektroautos. Diese befinden sich jedoch in der (Weiter-)Entwicklung. Grundsätzlich lautet das Ziel, Batterien nicht einfach zu entsorgen, sondern zu recyclen und wiederverwenden zu können, um ihre Lebensdauer zu erhöhen. Das gilt für den Kunststoff des Gehäuses ebenso wie für die Rohstoffe Lithium und Kobalt. Die erforderlichen Recyclinganlagen sind schon vorhanden, jedoch „lohnen“ sich diese nur mit einer steigenden Anzahl an Akkus, die man recyclen kann.

 

Wie steht es nun um die Ökobilanz von Elektroautos?

Wenn man alle Faktoren zusammenrechnet, haben Elektroautos über den gesamten Lebenszyklus eine bessere Ökobilanz als Verbrenner. Sie haben im Ergebnis einen geringeren Energieaufwand und niedrigeren CO2-Ausstoß. Laut Umweltbundesamt weist ein Elektroauto schon heute bis zu 27 Prozent weniger CO2-Emissionen auf als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Und dieser Trend wird sich fortsetzen: Das Umweltbundesamt sagt, dass ein Elektrofahrzeug, das 2025 zugelassen wird, über seine komplette Lebenszeit 32 Prozent weniger CO2-Emissionen aufweisen wird als ein moderner Diesel.

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Wusstest du schon?

Sind E Autos ökologisch?

Ob ein E-Auto ökologischer als ein Auto mit Verbrennungsmotor ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. E-Autos fahren zwar emissionsfrei, doch ob die dafür benötigte Energie ebenfalls emissionsfrei und/oder CO2-neutral erzeugt wurde, ist entscheidend. Wird der Strom beispielsweise aus Kohlekraftwerken bezogen, verlagert das nur die Emissionen. Dennoch kann es sinnvoll sein, Innenstädte im Sinne einer besseren Luftqualität durch Elektroautos zu entlasten

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