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Mobilitätswende: Fakten & Herausforderungen

Lisa Becker
21.03.2020 09:31:42

Die Mobilitätswende: Wie steht es um nachhaltige Energieträger im Verkehr?

Wahrscheinlich ist mittlerweile den meisten Menschen klar, dass wir eine Mobilitätswende brauchen. Der Straßenverkehr ist nicht nur ein wichtiger Emittent des klimaschädlichen CO₂: Durch verstopfte Straßen und Städte sinkt auch unsere Lebensqualität. Wir sollten also neue Konzepte finden, weg vom reinen Verbrennungsmotor und hin zu Elektromobilität, Fahrrad und Elektroroller. Auch nutzen statt besitzen kann eine gute Lösung sein.

 

Mobilitätswende: Was ist das überhaupt?

Zurzeit legen wir Strecken hauptsächlich mit dem Auto oder dem Flugzeug zurück. Das ist in mehrfacher Hinsicht ungünstig. Unsere Pkw sind zum größten Teil noch mit reinen Verbrennungsmotoren ausgestattet. Zwar arbeiten fast alle Autohersteller an Modellen mit Elektromotor oder Hybridmotoren, doch bilden diese Fahrzeuge im Verkehr immer noch die Ausnahme. Die Mobilitätswende ist auch mehr als nur der Umstieg von Verbrennungs- auf Hybrid- oder Elektromotoren. Hierzu gehört auch ein Umdenken des Begriffs „Mobilität“ an sich. Nicht für jeden Weg braucht es zwingend einen Pkw. Fahrräder oder Elektroroller könnten eine gute Alternative sein, vorausgesetzt, dass wir die Städte entsprechend umgestalten.

 

Ziele der Mobilitätswende

Ein Ziel der Mobilitätswende ist ganz klar die Einsparung von Kohlenstoffdioxid. Wir müssen unseren Alltag so schnell wie möglich CO₂-neutral umgestalten. Dabei ist Mobilität ein wichtiger Faktor.

Ein weiteres Ziel ist die Verringerung des Verkehrsaufkommens. Hierbei ist hauptsächlich der Autoverkehr gemeint. Wenn weniger Fahrzeuge auf den Straßen sind, können Fußgänger und Fahrradfahrer mehr Platz für sich beanspruchen. Die Straßen und damit unsere Städte werden wieder menschlicher.

Das Einsparen von Benzinern und Dieseln und der Einsatz von sauberen Elektromotoren bedeutet auch geringeren Verkehrslärm sowie weniger Luftverschmutzung. Für diese Ziele kämpfen die Anwohner von Hauptverkehrsstraßen schon lange.

 

Die Mobilitätswende in Deutschland

Laut dem Kraftfahrtbundesamt gab es zwar im Jahr 2019 sehr hohe Zuwachszahlen für Elektro- (54,4 Prozent) und Hybridfahrzeuge (44,2 Prozent), allerdings von einer ausgesprochen geringen Basis aus. Die Bundesregierung wollte ursprünglich 1 Million Elektrofahrzeuge bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen sehen. Von diesem Ziel sind wir aber noch weit entfernt. Anfang 2019 gab es 83.175 reine Elektroautos und 341.411 Hybridfahrzeuge in Deutschland. Da ist also noch viel Spielraum vorhanden. Auch im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit zurück. In Norwegen betrug beispielsweise schon im Jahr 2017 der Anteil der Elektro- und Hybridfahrzeuge 37 Prozent.

Und wie sieht es mit dem Fahrradfahren aus? 50 Prozent aller Autofahrten in Deutschland sind kürzer als 5 km, 25 Prozent sogar kürzer als 2 km. Diese Strecken könnten gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Ein großer Nachteil ist jedoch, dass das Fahrradfahren in der Stadt gefährlicher geworden ist.

 

Energiewende im Verkehrssektor

Die Mobilitätswende ist nicht nur ein rein „technisches Problem“. Selbst wenn wir alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch Elektro- oder Hybridfahrzeuge ersetzen, haben wir nur einen Teilerfolg erzielt. Dann würde zwar der CO₂-Ausstoß wegfallen bzw. drastisch reduziert werden, die Luft in unseren Städten würde sauberer und leiser. Aber die Enge und das Gedränge blieben erhalten. Wir müssen also nicht nur die Antriebstechnik ändern, sondern auch unsere Einstellung. Weniger Wege mit dem Auto, mehr mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigen. Car-Sharing-Angebote und den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zu nutzen, sind weitere Möglichkeiten. Auch die intelligente Kombination verschiedener Verkehrsmittel kann eine gute Lösung sein.

 

Die Mobilitätswende geht über die Verkehrswende hinaus

Zum Glück hat die junge Generation erkannt, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Waren in früheren Generationen der Führerschein und der Besitz eines Autos ein Statussymbol, so hat sich dies heute drastisch verändert. Wichtig ist nicht mehr der Besitz von Dingen, sondern das Privileg, Zeit zu haben. Daher streben viele der jungen Leute nicht mehr danach, ein Auto zu besitzen, sondern möglichst gut und schnell von A nach B zu kommen. Dies kann mit dem ÖPNV, Car-Sharing-Angeboten oder Fahrdiensten wie beispielsweise Uber umgesetzt werden. In den deutschen Innenstädten besteht heute schon ein Drittel des Verkehrsaufkommens aus der Parkplatzsuche. Da ist das Auto nicht mehr unbedingt das bequemste Verkehrsmittel. Somit wundert es nicht, dass der größte Teil der Bevölkerung in Städten leben möchte, in denen kein eigenes Auto mehr erforderlich ist.

Für die Autohersteller bedeutet dies alles eine drastische Veränderung ihrer Verkaufsmodelle. Zumindest in der jüngeren Generation können sie nicht mehr einfach alle paar Jahre ein neues, schnelleres Auto absetzen. Gefragt wird in der näheren Zukunft weniger das Auto sein, als vielmehr die Dienstleistung Mobilität an sich. Hierbei spielt auch die Digitalisierung eine große Rolle. Sie ermöglicht es den Herstellern, konkret auf die Bedürfnisse der einzelnen Kunden einzugehen. Dazu ist allerdings eine leistungsstarke und sichere IT erforderlich.

 

Welche Rolle nimmt die Elektromobilität ein?

Die Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein der Mobilitätswende. Unsere Gesellschaft beruht darauf, dass Menschen und Waren jederzeit möglichst schnell und günstig transportiert werden können. Dies muss nicht notwendigerweise mit Autos geschehen. Die Bahn wäre eine Alternative. Leider sind der Ausbau und die Erneuerung der Bahnlinien in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark vernachlässigt worden. Flugzeuge und Schiffe sind nach heutigem Stand der Technik umwelttechnisch problematisch. Daher kommt der Elektromobilität eine große Bedeutung zu. Leise und saubere Autos – Pkw ebenso wie Lkw – und Fahrräder mit Elektromotor-Unterstützung sowie Elektroroller werden in Zukunft einen großen Teil des Verkehrssektors ausmachen. Auch der öffentliche Nahverkehr setzt immer mehr auf Hybridfahrzeuge. Wichtig ist bei der Wende hin zur Elektromobilität, dass der Strom aus regenerativen Quellen stammt.

 

Sharing ist Caring: Neue Mobilitätskonzepte im Personenverkehr

Weiterhin wichtige Faktoren der Mobilitätswende sind alle möglichen Arten von Sharing-Angeboten. Neben den klassischen Car-Sharing-Vereinen haben auch die Autohersteller das Teilen als Geschäftsmodell erkannt. Aber nicht nur Autos, auch Fahrräder und Elektroroller werden in Sharing-Modellen genutzt.

 

Was bremst also die Mobilitätswende?

Der Preis für Hybrid- und Elektrofahrzeuge liegt immer noch deutlich über dem von vergleichbaren Modellen mit Verbrennungsmotor. Schuld daran sind die derzeit hohen Kosten für die Herstellung entsprechend leistungsfähiger Batterien.

Weitere Hindernisse sind die noch begrenzte Reichweite der meisten Modelle, die lange Ladezeit und die sehr geringe Dichte an Ladestationen in Deutschland. Im Jahr 2019 gab es in Deutschland nur insgesamt 20.650 Ladesäulen. Gerade längere Fahrten werden damit zu einer echten logistischen Herausforderung.

Für die Bewohner von Eigenheimen gibt es zumindest für den täglichen Gebrauch schon die Möglichkeit einer privaten Ladestation – die sogenannte Wallbox. Diese elegante, kleine Ladestation wird – innen oder außen – direkt an der Wand befestigt und mit dem häuslichen Stromnetz verbunden. So kannst du bequem über Nacht dein Auto aufladen.

Aber nicht nur die Elektromobilität hat mit Hindernissen zu kämpfen. Fehlende, schlecht unterhaltene und oft zugeparkte Radwege halten viele Menschen von der Nutzung des Fahrrads ab. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs scheitert in vielen Gemeinden am fehlenden Geld hierfür. Hier sollten wir so schnell wie möglich neue Prioritäten setzen.

 

Keine Ausreden für mehr Elektromobilität

Die Mobilitätswende stellt nicht nur eine Verkehrswende, sondern auch eine Kulturwende dar. Dabei führt an der Elektromobilität kein Weg mehr vorbei. Außerdem werden mit dieser Mobilitätswende folgende Änderungen unter anderem einhergehen:

  • Die Automobilhersteller müssen umdenken und ihre Geschäftsmodelle an die neuen Gegebenheiten anpassen.
  • Der öffentliche Nahverkehr, Fahrdienste und der Fahrradverkehr werden in Zukunft eine wesentlich größere Bedeutung bekommen.
  • Gerade in Städten werden viele Menschen lieber Sharing-Angebote nutzen, als ein eigenes Fahrzeug besitzen.

In diesem Zusammenhang müssen ebenso die Politiker und Städteplaner neue Richtungen einschlagen: weg von der Autostadt, hin zur Stadt für Fahrräder und Fußgänger.

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