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Die Sache mit der Steuer bei Photovoltaikanlagen

Lisa Becker
12.07.2019 07:03:00

Das müssen Sie als Betreiber einer Photovoltaikanlage beachten

Sie haben mit Sicherheit klare Ziele, wenn es um Ihre Photovoltaikanlage geht: Sie möchten etwas für die Umwelt tun, nachhaltiger leben, unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz sein und langfristig Stromkosten sparen. Zu diesen Zielen gesellt sich allerdings zeitgleich Ihre Verpflichtung als Unternehmer, denn zu diesem werden Sie, wenn Sie eine Photovoltaikanlage betreiben und den Strom einspeisen. Das ist alles aber gar kein Problem! Im folgenden Blogbeitrag finden Sie die wichtigsten Informationen rund um Ihre steuerlichen Pflichten als Betreiber einer Photovoltaikanlage.

Photovoltaik und Steuern:
Warum Sie Unternehmer sind

Der Betrieb einer Photovoltaikanlage macht Sie zum Unternehmer – allem voran, wenn Sie Ihren selbst erzeugten Strom in das öffentliche Netz einspeisen und dafür eine Einspeisevergütung erhalten. In diesem Fall verkaufen Sie den Strom nämlich und machen dauerhaft Gewinn. Somit liegt eine unternehmerische Tätigkeit vor.

 

Erster Schritt:
Meldung Ihrer Photovoltaikanlage beim Finanzamt

Kontaktieren Sie zunächst das zuständige Finanzamt und melden Sie dort Ihre Photovoltaikanlage an. In diesem Rahmen müssen Sie einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen und an das Finanzamt senden. Zumeist findet man diesen Fragebogen als Vordruck auf der Internetseite der Finanzverwaltung. Das Finanzamt wird Ihren Fragebogen prüfen, die Höhe der Einkommenssteuervorauszahlungen festlegen und Ihnen eine Steuernummer zuteilen.

 

Photovoltaikanlage und Einkommenssteuer

Ob Sie Einkommenssteuer auf die Einspeisevergütung zahlen müssen, hängt davon ab, ob Sie mit der Anlage einen Gewinn erzielt haben. Dafür müssen Sie Gewinn und Verlust in einer Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) feststellen. Ziehen Sie dabei von Ihren Erlösen durch die Einspeisevergütung die Betriebskosten ab. Die Ergebnisse über Gewinn und Verlust teilen Sie dem Finanzamt über die Einkommenssteuererklärung mit. Die Einkommenssteuer müssen Sie einmal im Jahr an das Finanzamt abführen.

 

Gewinn einer Photovoltaikanlage ermitteln

Den Gewinn durch eine Photovoltaikanlage ermitteln Sie, indem Sie die Betriebsausgaben (Abschreibung des Kaufpreises der Anlage, ggf. Kreditzinsen, ggf. Reparatur- und Wartungskosten, Versicherungen etc.) von den Betriebseinnahmen (Vergütung für eingespeisten Strom, Betrag für selbst verbrauchten Strom – jeweils inkl. Umsatzsteuer) abziehen.  

 

Gewerbesteuer

Ob die Gewerbesteuer fällig wird, hängt von der Dimension Ihrer Photovoltaikanlage und dem Gewinn ab: Beträgt der Gewinn mehr als 24.500 Euro, müssen Sie ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer zahlen. Liegt der Gewinn unter dieser Grenze, ist eine Anmeldung nicht erforderlich.

 

Umsatzsteuer bei Photovoltaikanlagen

Wenn Sie den produzierten Strom in das öffentliche Netz einspeisen und an Ihren Netzbetreiber verkaufen, erhalten Sie nicht nur die festgelegte Einspeisevergütung, sondern auch 19 Prozent Umsatzsteuer (auch Mehrwertsteuer genannt). Diese müssen Sie an das Finanzamt abführen. Dafür ist es erforderlich, regelmäßig eine Umsatzsteuervoranmeldung durchzuführen. Ihr Finanzamt legt die Zeitpunkte bzw. Zeiträume fest, in denen das geschieht (zumeist anfangs monatlich, dann vierteljährlich). Sie können Ihre Umsatzsteuervoranmeldung ganz einfach über das Elster-Portal abwickeln. Die Umsatzsteuer, die für die Investition der Photovoltaikanlage angefallen ist, können Sie übrigens beim Finanzamt geltend machen (Vorsteuer). Einmal im Jahr müssen Sie eine Umsatzsteuererklärung abgeben.

 

Beachten Sie die Kleinunternehmerregelung

Sollte das Finanzamt Sie als Kleinunternehmer einstufen, müssen Sie keine Umsatzsteuererklärung abgeben. Von der Umsatzsteuerpflicht sind Sie befreit, wenn Sie im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz (inkl. anfallender Steuern) von weniger als 17.500 Euro hatten und der zu erwartende Jahresumsatz im laufenden Kalenderjahr nicht mehr als 50.000 Euro beträgt. Wenn Sie diese Voraussetzungen erfüllen, können Sie einen Antrag auf Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht stellen. Wird der Antrag angenommen, müssen Sie keine Umsatzsteuer ausweisen und abführen, können dafür aber die gezahlte Umsatzsteuer (zum Beispiel im Anschaffungspreis oder auch folgend bei Reparatur- oder Wartungskosten) auch nicht beim Finanzamt geltend machen. Dem Vorteil, keine Umsatzsteuer ausweisen zu müssen, steht also bei der Kleinunternehmerregelung der Nachteil gegenüber, keine Vorsteuern geltend machen zu können.

 

Muss man den Eigenverbrauch bei einer Photovoltaikanlage versteuern?

Aus steuerrechtlicher Sicht ist die Teilnutzung des Photovoltaik-Stroms eine Entnahme des Betriebsvermögens. Aus diesem Grund müssen Sie diesen Strom auch in der Gewinnermittlung berücksichtigen. Um zu ermitteln, wie hoch der Wert der Eigennutzung ist, haben Sie drei Möglichkeiten:

 

  1. Pauschale ermitteln: Sie dürfen einen Pauschalbetrag von 20 Cent pro Kilowattstunde ansetzen.

  2. Wiederbeschaffungswert ansetzen: In diesem Fall setzen Sie den Preis an, den Sie pro Kilowattstunde tatsächlich an den Energieversorger zahlen würden, wenn Sie keinen eigenen Strom erzeugen würden.

  3. Eigenverbrauch anhand der Herstellungskosten berechnen: Hier sind die Betriebsausgaben inklusive Abschreibung und Zinsen bei Finanzierung zu ermitteln sowie der prozentuale Anteil des Eigenverbrauchs.

Ob Sie den Eigenverbrauch bei der Umsatzsteuer berücksichtigen müssen, ist abhängig vom Datum der Inbetriebnahme: Bei Anlagen, die vor dem 31.03.2012 in Betrieb genommen wurden, wird keine Umsatzsteuer fällig. Bei neueren Anlagen müssen Sie die Umsatzsteuer hingegen diesbezüglich an das Finanzamt abführen.

 

Steuerliche Besonderheiten bei Photovoltaikanlagen

Sie müssen bei dem Betrieb einer Photovoltaikanlage folgende Besonderheiten beachten:

  • Der Anschaffungspreis der Photovoltaikanlage wird grundsätzlich auf 20 Jahre verteilt abgeschrieben.

  • Wenn Sie eine Immobilie mit bereits vorhandener Photovoltaikanlage erwerben, dann gilt bezüglich der Grunderwerbsteuer: Bei Anlagen, die auf dem Dach montiert sind, wird keine Grunderwerbsteuer für den Kaufpreis der Anlage fällig. Bei Photovoltaikanlagen, die ins Dach integriert sind, fällt hingegen für den Kaufpreis der Anlage Grunderwerbsteuer an.

  • Staatliche Zuschüsse zum Anlagenkauf können Sie als Betriebseinnahmen erfassen oder aber Sie kürzen den Kaufpreis der Anlage entsprechend und schreiben nur den geminderten Betrag steuerlich ab.

Für detaillierte Informationen zu Ihren steuerlichen Pflichten als Betreiber einer Photovoltaikanlage empfehlen wir, Ihr zuständiges Finanzamt zu kontaktieren.

 

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