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Wie funktioniert autarkes Leben?

Lisa Becker
15.10.2020 11:00:00

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Autark leben: Brandaktuell – nicht nur in Krisenzeiten

Mit dem Shutdown hat Covid 19 uns ausgebremst und unser Leben verändert. Kaum soziale Kontakte und keine Chance auf unsere gewohnten Freizeitaktivitäten. Plötzlich ständig daheim, außer zum Einkauf gehen. In solchen Zeiten kommt dem einen oder anderem der Gedanke, ob autark zu leben eine Alternative sein könnte. Aber was bedeutet autarkes Leben und funktioniert das in Deutschland überhaupt?

 

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung mit autarkem Leben

Laut Statista gab es in Deutschland im Jahr 2020 rund 49,52 Millionen Menschen, die es für ganz besonders wichtig hielten, ihr Leben weitgehend selbst zu bestimmen und unabhängig zu sein. Rund 40,61 Millionen möchten sich selbst versorgen und möglichst unabhängig vom Staat sein. Es ist also eine große Tendenz zum autarken Leben zu erkennen. Denn autark bedeutet sich selbst genügend, auf niemanden angewiesen, so steht es zumindest in den meisten Lexika. Nach Definition der Bundeszentrale für politische Bildung bedeutet Autarkie unter anderem die vollständige oder teilweise Selbstversorgung eines Haushalts mit Gütern und Dienstleistungen. Wenn du also alles, was du für dein Leben benötigst, selbst herstellst, lebst du autark.

 

Wodurch zeichnet sich ein autarkes Leben aus?

Allgemein wird autarkes Leben als Abkehr vom „normalen“ Leben hin zu Freiheit, Selbstversorgung und Konsumverzicht verstanden. Autarkes Leben hat jedoch nichts mit Aussteigertum oder einem Leben ohne Arbeit zu tun. Ganz im Gegenteil: Wer Gemüse anbaut, Tiere hält oder seine Möbel und Kleidung selbst herstellt, spürt sehr schnell, wieviel Arbeit dahintersteckt.

In Deutschland ist aufgrund einiger Gesetze und Vorschriften ein vollkommen autarkes Leben allerdings nicht möglich. So muss beispielsweise jeder krankenversichert sein. In Teilbereichen hingegen lässt sich aber ein gewisser Autarkiegrad durchaus erreichen:

    • Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern
    • Lebensmittelkonservierung
    • Wasserversorgung über Brunnen und Sammelbecken
    • Kompostieren
    • Kleinviehhaltung
    • Secondhand statt Neukauf
    • Konsumreduktion
    • Fahrrad statt Auto
    • Nutzung erneuerbarer Energien

Lebensmittel: Gemüse und Co.

Autarkes Leben bedeutet beispielsweise, im Garten oder in Hochbeeten auf Balkon oder Terrasse Obst, Gemüse, Salat und Kräuter anzubauen und somit auf den Kauf zu verzichten. Neben den Klassikern wie Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Karotten, Rettich, Radieschen, Zwiebeln und Knoblauch gedeihen auch Aubergine, Zucchini, Paprika und Peperoni bei uns sehr gut. Sämtliche Kohlsorten und natürlich der Kürbis sind ideale Herbstgemüse. Inzwischen gibt es spezielle kleine Obstbäume, die für den Balkon gut geeignet sind. Der Weg zum Supermarkt oder Einzelhändler wird so überflüssig. Mit einem kleinen Gewächshaus kannst du die Erntezeit verlängern. Um auch im Winter gesund über die Runden zu kommen, kannst du deine Lebensmittel einkochen oder ganz so wie früher, als es keine Kühlschränke gab, Gemüse fermentieren, also durch Gärung lange haltbar machen. Das ist übrigens auch sehr gesund.

Wasserversorgung

Pflanzen brauchen Wasser, damit sie wachsen können. Doch nicht überall ist ein Wasseranschluss vorhanden. In den letzten Jahren hatten wir lange Trockenphasen und dann Starkregen. Hier bietet es sich an, Regenwasser in Sammelbecken oder Tonnen aufzufangen. Das Bohren eines Brunnens, um Grundwasser zu erschließen, ist allerdings die ergiebigere Lösung. Dabei musst du jedoch berücksichtigen, dass du das Bohren eines Brunnens der Behörde melden und von dieser genehmigen lassen musst. Zum Trinken ist das Wasser nicht geeignet, wer es trotzdem machen möchte, sollte sich eine Wasseraufbereitungsanlage besorgen. Je nach Tiefe des Grundwassers kann das Bohren allerdings entsprechend teuer werden.

Abwasser

Wird Regenwasser für Toilette und Waschmaschine genutzt, muss das Schmutzwasser in die Kanalisation geleitet werden können; dafür ist dann eine Abwassergebühr zu entrichten. Sickergruben als Alternative werden in Deutschland nur in Ausnahmen genehmigt. Es gibt auch vollbiologische Kläranlagen für etwa 3.500 Euro aufwärts. Damit du diese verwenden darfst, bedarf es einer Genehmigung der zuständigen Unteren Wasserbehörde.

Kompostieren

Der Weg zum Gartencenter sollte möglichst unnötig werden. Die Entsorgung von Lebensmittelresten und biologischen Abfällen in einen Komposter ist ideal, um frische, nährstoffreiche Erde für die Beete zu produzieren.

Kleinviehhaltung

Mit Kleinvieh sind Hühner, Enten oder Gänse sowie Kaninchen, Schafe und Ziegen gemeint. Hier zeigen sich bereits erste Grenzen auf. Denn die Kleinviehhaltung ist nur für Besitzer von großen Gärten oder Grundstücken geeignet. Laut Baunutzungsverordnung darfst du auch in Wohngebieten Hühner halten, denn sie gelten als Kleintiere. Es sind jedoch nur 4 Hennen und ein Hahn erlaubt. Du musst allerdings beim zuständigen Veterinäramt jedes einzelne Huhn melden. Das ist bei allen Geflügelarten so. Zudem muss die Haltung der Tierseuchenkasse mitgeteilt werden. Abhängig davon, was für einen Stall du baust, sind die baurechtlichen Vorgaben der zuständigen Gemeinde zu berücksichtigen.

Kleingärtner müssen sich an der Vereinssatzung orientieren. Meist ist gemäß Satzung das Halten von Tieren verboten. Laute oder intensiv riechende Tiere dürfen in Wohngebieten in der Regel nicht gehalten werden.

Übrigens: Bienen dürfen grundsätzlich gezüchtet werden. Zur Sicherheit solltest du aber die Nachbarn fragen, ob jemand auf Bienenstiche allergisch reagiert. Egal, welche Nutztiere du hältst, die artgerechte Tierhaltung muss stets eingehalten werden!

Secondhand statt Neukauf

Es muss nicht immer alles neu gekauft werden. Es gibt zahlreiche Internetplattformen und Secondhand-Geschäfte, die gebrauchte Ware in gutem Zustand anbieten. Wenn dir das zu unsicher ist, kannst du vor allem im Bereich Elektronik auf sogenannte refurbished Produkte mit Garantie zurückgreifen. Ein generalüberholtes Smartphone oder ein Laptop sind beispielsweise zu guten Preisen erhältlich. Vor allem in größeren Städten ist das Angebot an gebrauchter Bekleidung sehr groß.

Konsumverzicht

Bevor du etwas Neues kaufst, solltest du dir die Frage stellen, ob du das jeweilige Produkt wirklich brauchst oder einfach nur haben möchtest, weil es gerade angesagt ist. Oder auch, ob das, was du hast, nicht noch vollkommen ausreichend ist. Trenne dich von Dingen, die du nicht wirklich brauchst und beschränke dich wie beim minimalistischen Leben auf das Wesentliche.

Fahrrad statt Auto

Wird das Auto durch das Fahrrad ersetzt, sparst du nicht nur fossile Ressourcen ein und schützt das Klima, sondern sämtliche Folgekosten und Verpflichtungen wie Tanken, Versicherung, Steuer, TÜV, Inspektionen und Reparaturen entfallen.

Nutzung erneuerbarer Energien

Das fängt schon im Kleinen an. Für autarken Strom gibt es zahlreiche Solarlampen für die Wegbeleuchtung oder als Tischlampen. Wasserpumpen lassen sich solar betreiben und kleine mobile Photovoltaikanlagen ebenfalls für nachhaltigen, autarken Strom. Schließen sich mehrere Menschen zusammen, um autark zu leben, sind die Anschaffung einer großen Photovoltaikanlage oder einer kleineren Windturbine sowie zur Wärmeversorgung Solarthermieanlagen, Wärmepumpen und Biomasseheizungen gute Alternativen.

 

Autarkes Wohnen

Egal wo du in Deutschland etwas bauen oder zum dauerhaften Wohnen aufstellen möchtest, du brauchst immer eine Baugenehmigung und dein Vorhaben unterliegt dem Landesbaurecht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Tiny House, ein Mini Haus oder ein umgebauter Wohn- oder Bauwagen ist. Zudem ist eine Anbindung an das öffentliche Straßennetz sowie an die öffentliche Ver- und Entsorgung erforderlich. Falls du mit dem Gedanken spielst, in ein Gartenhäuschen zu ziehen, musst du erst einen Antrag auf Änderung des Nutzungsrechtes stellen, denn Gartenlauben dienen eigentlich zur Aufbewahrung von Werkzeugen. Ansonsten greifen dieselben Vorschriften wie oben erwähnt. In Schrebergärten ist laut Bundeskleingartengesetz das dauerhafte Wohnen grundsätzlich untersagt.

 

Welche Vorteile hat das autarke Leben?

Das Leben als Selbstversorger hat viele Facetten und bietet Vorteile:

  • Teil-Autonomie vom Wirtschaftskreislauf
  • gesündere Ernährung
  • Befreiung vom Konsumzwang
  • nachhaltigeres und naturverbundenes Leben
  • Leben mit Blick auf das Wesentliche
  • innere Balance

Um autark zu leben, brauchst du eine innere Überzeugung und Geduld. Unabhängigkeit vom System und vom Konsumzwang sind nur Teilaspekte. Autarkie bedeutet auch Wertschätzung von Natur und Lebewesen sowie das Streben nach Nachhaltigkeit und Schutz von Klima und Ressourcen.

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Wusstest du schon?

Was bedeutet autark sein?

Eigenverantwortlich leben. Sich von materiellen, politischen oder gesellschaftlichen Abhängigkeiten und Einflüssen befreien. Aber sicher auch geistige Unabhängigkeit und die Fokussierung auf das, was einem selbst wichtig ist.

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